Bereits wenige Tage nach dem Brand kam diese Postkarte auf den Markt, die das Feuer im Burgseeflügel zeigt

Vor 100 Jahren: Großbrand im Schweriner Schloss

Vor 100 Jahren, gegen 21.30 Uhr am 14. Dezember 1913, meldete der Kammerdiener August Boergesenen seinem hochwohlgeborenen Chef ein Feuer im Elisabethzimmer des Schweriner Schlosses. Der Großherzog war gerade beim Billard. Er rief sofort das Militär zu Hilfe, um den Brand im zweiten Stock schnell zu löschen.

Die mecklenburgischen Soldaten versuchten den Flammen mit einer Eimerkette Herr zu werden, was aber keinerlei Erfolg hatte. Als einige Minuten spöter die Feuerwehr mit ihrem Spritzenwagen eintraf, stand bereits der gesamte zweite Stock des prächtigen Westflügels (Burgseeflügel) lichterloh in Brand.



Eine Stunde nach Boergesens Meldung beim Großherzog telegrafierte der verzweifelte Bürgermeister einen Hilferuf nach Rostock, Lübeck und sogar ins ferne Hamburg. Wehren aus den drei Hansestädten rückten an, die Hamburger kamen um 2.20 Uhr sogar mit einem Sonderzug in Schwerin an.

Das Schweriner Schloss mit seiner vergoldeten Kuppel
Fast dieselbe Perspektive heute: Das Schweriner Schloss mit seiner vergoldeten Kuppel hundert Jahre nach dem Großbrand / Foto: Burgerbe.de

Alle Rohre richteten sich jetzt auf die aus den Fensteröffnungen lodernden Flammen. Bis 4 Uhr schafften es die Großstadt-Wehren im Verein mit herbeigerufenen Soldaten und freiwilligen Wehrleuten aus der Umgebung, ein Übergreifen auf den Ostflügel zu verhindern und den Brand unter Kontrolle zu bekommen.

Am Ufer des Schweriner Sees standen Schaulustige und machten aus sicherer Entfernung Fotos von der Feuersbrunst. Eines der Bilder wurde schon wenige Tage später als Postkarte verkauft.

Als der Morgen des 15. Dezember 1913 graute, war der Westflügel schließlich bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die Obergeschosse des Schlossgartenflügels wurden ebenfalls zerstört, ebensowie der prunkvolle Goldene Saal und das reich gestaltete Haupttreppenhaus. Die Folgen beschäftigen die Sanierer bis heute.

Die Flammen hatten sich durch ein Schmuckstück des Historismus gefressen – einen Bau mit langer Geschichte. Nur 56 Jahre zuvor hatte ein umfassender, jahrelanger Umbau geendet. Der liberale Hofbaumeister Georg-Adolf Demmler hatte in den 1840er jahren die Idee, das Renaissanceschloss am Schweriner See nach dem Vorbild des Loire-Schlosses Chambord (inzwischen Unesco-Welterbe) zu gestalten.

Das Schweriner Schloss: Ein prachtvoller Bau mit integrierter Kirche / Foto: Burgerbe.de
Das Schweriner Schloss: Ein prachtvoller Bau mit integrierter Kirche / Foto: Burgerbe.de

Demmler und sein Mitarbeiter Hermann Willebrand bezogen bereits vorhandene Elemente aus 16. und 17. Jahrhundert in das Ensemble ein. 1847 war als erstes prägendes Bauwerk der Hauptturm fertig.

Doch dann kam die 1848er-Revolution. Als die niedergeschlagen war, wurde im Großherzogtum Jagd auf alles gemacht, was als Liberal verdächtigt wurde. Und der harte Kurs gegen Demokraten und “Arbeiterfreunde” machte sich bald auch beim Schloss-Umbau bemerkbar.

Baumeister Demmler, der es gewagt hatte, eine Kranken- und Unfallkasse für die Arbeiter einzurichten und sich für eine gerechte Entlohnung einzusetzen, wurde gefeuert. Als seinen Nachfolger berief der Großherzog den Berliner Architekten Friedrich August Stüler, der sich bereits mit dem Wiederaufbau der schwäbischen Vorzeige-Ritterburg Hohenzollern einen Namen gemacht hatte.

Der letzte Obodriten-Fürst Niklot als Reiterstandbild in der Schweriner Schlossfassade
Der letzte Obodriten-Fürst Niklot als Reiterstandbild in der Schweriner Schlossfassade

Stüler veränderte den Demmler-Entwurf stark, fügte das heute noch existierene Niklot-Reiterstandbild und die goldene Prunkkuppel hinzu. Auf ihn geht auch der von völlig überzogenem Luxus nur so triefende Ausbau der Räume und der Thronsaal zurück.

Dabei griffen die Raumausstatter auch ganz gern auf Billig-Material zurück, um den pompösen Eindruck zu erreichen: Die reichlich vorhandenen Decken-Intarsien sind nicht aus Marmor, Gips und seltenen Tropenhölzern, sondern aus bemaltem, in Formen gepresstem Pappmaschee. Eine durchaus praktische Lösung.

Als das Schloss 1857 fertig war, galt es als Hauptwerk des romantischen Historismus. Damit steht es architekturgeschichtlich in einer Reihe mit der Drachenburg bei Königswinter und Schloss Neuschwanstein.

Die Idee mit den leicht brennbaren Baumaterialen hatte nur einen Haken: Diese konnten schnell entflammen, was eine Katastrophe anrichten würde. Die trat dann auch an besagtem Abend vor hundert Jahren ein.

Die 15 Türme entstanden nach französischem Vorbild
Die 15 Türme entstanden nach französischem Vorbild

Die Ursache des Brandes konnte übrigens nie ermittelt werden. Eventuell war ein unachtsamer Heizer, vielleicht auch ein Kurzschluss in einer Stromleitung schuld. Trotz Weltkrieg begann bald der Wiederaufbau, der aber bislang nicht so recht fertig wurde.

Heute wird der frühere Goldene Saal zum neuen Plenarsaal des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern umgebaut. Von den dafür geplanten 26 Millionen Euro Investitionen sind rund zehn Millionen allein für die Beseitigung der seit dem Großbrand ungelösten statischen Probleme im Schlossgartenflügel vorgesehen, wie Landtagsdirektor Armin Tebben der Deutschen Presseagentur erklärte.

Mehr zur Geschichte des Schlossbrands im Magazin „Florian 07″ der Freiwilligen Feuerwehr Schwerin-Schlossgarten: „2013: Ein Jahr ,feuriger Jahrestage‘“ (als PDF)

Hier mal ein Imagefilm zum Schweriner Schloss, erzählt vom Schlossgeist, dem Petermännchen:



Ein Gedanke zu „Vor 100 Jahren: Großbrand im Schweriner Schloss“

  1. Bei einer solchen Beschädigung hatten die Schweriner nach ’45 ja Glück, dass von sich an Moskau anbiedernden Stadtoberen gerade kein ‚Aufmarschplatz‘ als ‚notwendig‘ erachtet wurde…

    Das Schloss sieht mit seinen Türmen wunderhübsch aus, auch wenn ich von Stüler gar nichts halte.
    Ich habe es noch nie gesehen und kannte auch die Geschichte des Brandes nicht. Dankeschön, es hat mich sehr interessiert!

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