Festung Grauerort: Preußens Kanonen an der Elbe

Die Kasematten der Festung Grauerort / Foto: Wikipedia / Ole Vanhoefer (ItDozent) / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0
Die Kasematten der Festung Grauerort / Foto: Wikipedia / Ole Vanhoefer (ItDozent) / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0
Dänische Dampffregatten: Seeschlacht bei Jasmund 1864 / Bild: Wikipdia/Public Domain
Dänische Dampffregatten: Seeschlacht bei Jasmund 1864 / Bild: Wikipdia/Public Domain

Bevor Wilhelm II. auf die verhängnisvolle Idee kam, wie am Fließband Schlachtschiffe bauen zu lassen, war Preußens Marinetradition ausgesprochen bescheiden. Sogar das kleine Dänemark hatte es 1864 mit seiner 3757-Mann-Flotte geschafft, die Küste des Bismarck-Staats zu blockieren.

Mit ihrem nagelneuen Dampfmaschinen-Turmschiff Rolf Krake*) konnte die Dänen die Brandenburger Landratten nachhaltig beeindrucken.

Am Ende mussten sogar Einheiten der österreichischen KuK-Marine aus dem Mittelmeer in die kalte Nordsee schippern, um die Dänen vor irgendwelchen wikingermäßigen Raubzügen gegen Hamburg abzuschrecken.

Peinlich sowas.

Derart schutzlose Küsten passten den auf weitere Kriege sinnenden preußischen Generalstäblern gar nicht, die seit umfangreichen Annektionen 1866 auch Truppen am Nordseestrand stehen hatten. Etwas musste passieren.

Eine Maßnahme war der Bau von Festungen – und hier waren die Preußen wieder auf vertrautem Terrain (siehe Spandauer Zitadelle). Wie preußischer Festungsbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausschaute, kann man heute an der nie zerstörten Festung Grauerort (was für ein Name!) bei Stade sehen.

Eingangsbereich der Festung Grauerort / Foto: Wikipedia / ItDozent / CC-BY-SA-3.0
Eingangsbereich der Festung Grauerort / Foto: Wikipedia / ItDozent / CC-BY-SA-3.0

Das sechseckige Fort wurde ab 1869 am südlichen Elbufer gebaut, direkt neben dem Deich – ziemlich genau auf halbem Weg zwischen der Elbmündung und Hamburg. Damit kontrollierten die Preußen den Fluss und die Zufahrt in den Hamburger Hafen.

Kasematten sollten vor Beschuss schützen, Gräben einen direkten Angriff erschweren. Zur Verteidigung verfügte die Festung über fünf schwere 28-cm-Geschütze aus der Rüstungsschmiede Krupp. Genug Feuerkraft, um den auf See haushoch überlegenen Franzosen 1871 jeden Versuch, sich eventuell Hamburg zu nähern, zu verleiden.

Das Fort griff dann auch nie in Kampfhandlungen ein. 1895 wurde die Festung offiziell aufgehoben. Inzwischen hatte man genug eigene Schiffe und dachte eher an die Weltmeere als die Elbe. In den Folgejahren wurden hier lediglich ein paar Minen gelagert und im Zweiten Weltkrieg Flakgeschütze aufgestellt.

Die Festung begann nach dem Krieg zu verfallen, wird nun aber seit 1997 durch einen engagierten Förderverein gesichert und abschnittsweise saniert. 2009 kaufte der Verein das Fort beim Örtchen Abbenfleth für 350.000 Euro. Der Verein finanziert den Erhalt des Bastionen durch Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem „Kulturfestival Aethercircus“, einem Steampunk-Event, das ich mir unbedingt einmal ansehen muss.

Nun schlägt der Verein Alarm: Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen. Kein Wunder, bei so einer Anlage. Der Förderverein hofft jetzt auf Zuschüsse des Landkreises. Man darf gespannt sein.

Weitere Infos zur Finanzlage des Vereins in der Kreiszeitung Wochenblatt: „Festung Grauerort: Den Förderverein plagen Zukunftssorgen

Und hier ein plattdeutscher(!) NDR-Bericht über die Festung Grauerort:

*) Mehr zum dänischen Kriegsschiff Rolf Krake (einem 1863 fertiggestellen Dreimastschoner mit zwei drehbaren Geschütztürmen – hochmodern für die damalige Zeit) steht im entsprechenden Wikipedia-Eintrag.

Mehr zum Thema Seefestungen hier im Blog:
Wellenbrecher mit Kanonen: Seefestungen im Ärmelkanal
Die Siebethsburg (Sibetsburg): Piratennest in Wilhelmshaven
Château d’if: Auf der Insel des Grafen von Monte Christo



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