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Drehorte der Sissi-Filme: Das Schloss der Kaiserin. Oder auch nicht.

"Sissi-Schloss" Fuschl am Fuschlsee. Die Kaiserin sah es nur im Vorbeifahren. Foto: waterborough / Public Domain
„Sissi-Schloss“ Fuschl am Fuschlsee. Die Kaiserin und Königin sah es nur im Vorbeifahren. Foto: waterborough / Public Domain

„Ach Franz. Aaaaach Siiiisssssssiiiiiiiii—“ Mit solchen Dialogen schrieben Romy Schneider und Karlheinz Böhm Filmgeschichte. Kaiserkitsch in Uniform und Reifrock war genau das Richtige für das Heile-Welt-Kino der Adenauerjahre.

Aber wo dreht man epische Romanzen, wenn das Land weitgehend in Trümmern liegt und die östlichen Gebiete Deutschlands und Österreichs von misstrauischen Sowjets besetzt sind?

Zunächst musste ein malerisches Schloss her. Futter für die Fantasie. Die echte Elisabeth wuchs ja vor ihrer Zeit als Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn als verhätschelte Bayern-Prinzessin auf Schloss Possenhofen am Starnberger See auf – von ihr „Possi“ genannt.




Das echte "Sissi-Schloss" Possenhofen: Nicht romantisch genug fürs 50er-Jahre-Kino / Foto: Wikipedia/Schlaier/CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0
Das echte „Sissi-Schloss“ Possenhofen: Nicht romantisch genug fürs 50er-Jahre-Kino / Foto: Wikipedia/Schlaier CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0

Die herzogliche Familie hatte das Schloss 1940 an die NS-Volkswohlfahrt verkauft. Es war während des Zweiten Weltkriegs dann derart intensiv zweckentfremdet worden (als Lazarett, Fabrik für Fahrrad-Hilfsmotoren und am Ende als Schafstall), dass es im Film bestenfalls als Kulisse hätte dienen können.

Der Starnberger Landrat dachte schon laut darüber nach, das Schandfleck-Schloss demnächst abreissen und statt dessen eines der damals zeitgemäßen Betonhotels hinklotzen zu lassen. Das Schloss ist heute in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Sissi-Regisseur Ernst Marischka war das einstige Herzogsdomizil mit seinen vier Zinnentürmen ohnehin nicht märchenhaft genug. Wenn schon ein prächtiges Prinzessinnenschloss, dann bitte richtig. Und wer würde sich mit Prunkbauten besser auskennen als ein Bischof?

Bei der Location-Suche blieb Marischka folglich am Renaissance-Schloss Fuschl hängen, Jagdschloss der im Burgenbau recht bewanderten Salzburger Erzbischöfe – und idyllisch am Ufer des Fuschlsees gelegen.

Die historische Sissi hat das Schloss nie betreten, sie ist bestenfalls mal daran vorbeikutschiert.

Schloss Schönbrunn / Foto: Wikipedia/Gryffindor/Public Domain
Schloss Schönbrunn taucht auch in den Sissi-Filmen auf/ Foto: Wikipedia/Gryffindor/Public Domain

Über der Anlage lastete noch ein dunkler Schatten, was den Regisseur aber nicht weiter störte: Der vorherige Besitzer war wenige Jahre zuvor nach den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher am Galgen gestorben: Joachim von Ribbentrop.

Der NS-Außenminister hatte sich das Schloss vor dem Krieg durch Enteignung gesichert und den dagegen protestierenden rechtmäßigen Besitzer ins KZ Dachau werfen lassen, wo dieser 1939 starb. Die wertvollen Bilder aus dem Schloss gelten seit Kriegsende übrigens als verschollen.

Jedenfalls aus Sicht der Kameraleute 1957/58 ein prima Ort für romantische Bootspartien und Ausritte vor dem Panorama von Alpen und Fuschlsees, im Kino natürlich „Starnberger See“. Das Schloss ist seit 1958 ein Nobelhotel („Schloss Fuschl Resort und Spa“, Link zum Hotel), natürlich mit liebevoll restaurierter „Sissi-Suite“ mit unverbaubarem Blick auf den See.

Das Axhilleion auf Korfu: Letzter Wohnsitz der Kaiserin / Foto: Dr. K / CC-BY-SA-2.5,2.0,1.0
Das Achilleion auf Korfu: Letzter Wohnsitz der Kaiserin / Foto: Dr. K / CC-BY-SA-2.5,2.0,1.0

Als Franz und Sissi zum angetrauten Paar wurden, wechselt die Szenerie: Jetzt geht’s ins kaiserliche Wien der k.u.k.-Ära mit Schloss Schönbrunn, Geburtsort und Sommerresidenz von Kaiser Franz-Josef.

In späteren Jahren pflegte der Monarch in seiner goldenen Kutsche durch den Park zu fahren, was sowohl Adolf Hitler als auch Josef Stalin beim Spazierengehen im Park bemerkten. Eine seltsame Überschneidung von Schicksalslinien.

Marischka drehte laut Sissi.de nur wenige Szenen im und vor Schloss Schönbrunn. Der größte Teil der Innenaufnahmen habe „angeblich im Stadtpalais Lichtenstein in Wien stattgefunden“.

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Die Schönbrunner Schlossverwaltung ficht das nicht an. Sie versucht, noch das Letzte aus dem Sissi-Erbe herauszuholen, notfalls in Form von Mengenrabatt: Den erhält, wer mit dem „Sissi-Ticket“ für 25,50 Euro Schloss, Hofburg und „Hofmobiliendepot“ besichtigt.

Die Kaisergruft, wo ihre sterblichen Überreste liegen, gehört übrigens nicht zu den ermäßigten Sissi-Ticket-Zielen…

An Sissis letzten Wohnsitz vor ihrer Ermordung in Genf, dem Achilleion auf Korfu, zu filmen, dürfte der Marischka-Truppe dann doch zu aufwendig gewesen sein (1907 hatte es Kaiser Wilhelm II. gekauft). Statt dessen mussten ein paar Reisebilder vor Mittelmeer-Kulissen reichen. Das Achilleion kann man heute immerhin besichtigen.

Sissi-Darstellerin Romy Schneider hat übrigens selbst vier Jahre lang auf einem österreichischen Schloss gelebt: Sie besuchte von 1949 bis 1953 das Internat Schloss Goldenstein in Elsbethen bei Salzburg.

Das trutzige Schloss aus der Zeit um 1400 wird heute weiter als katholische Mädchenschule benutzt und ist leider nicht zugänglich.

Wo Sisi Ferientage verbrachte: Schloss Unterwittelsbach / Foto: Burgerbe.de
Wo Sissi Ferientage verbrachte: Schloss Unterwittelsbach / Foto: Burgerbe.de

Der Sissi-Mythos erlebt alle paar Jahre ein Revival. Im Moment scheint es wieder soweit zu sein:
Das Sissi-Musical „Liebe, Macht und Leidenschaft“ tourt seit Januar 2014 durch Deutschland. Und im „Sisi-Schloss“ Unterwittelsbach, einem Wasserschloss bei Aichach, auf dem die herzogliche Familie gelegentlich Ferientage verbrachte, eröffnet am 18. Mai 2014 die Ausstellung: „Sisi – Fernweh einer Kaiserin“

Das Thema Sissi-Hotel ist natürlich seit eh und je ein gefundenes Fressen für die Yellowpress. Jüngst brachte mal wieder die „Bunte“ ein Stück: „Nobel nächtigen im „Sissi“-Hotel

Gut 25 Millionen Menschen sahen die Sissi-Trilogie. Hier mal zeitgenössische Kinowerbung für „Sissi: Die junge Kaiserin“:

Und hier der Trailer zur „Sissi Trilogie“:

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