Ausstellung: Werbetrommel für die Rheinromantik

Karl Buchholz: Die Schönburg bei Oberwesel und Pfalzgrafenstein von 1873 / Bild: Wikipedia/Kunsthaus Lempertz/Public Domain
Karl Buchholz: Die Schönburg bei Oberwesel und Pfalzgrafenstein von 1873 / Bild: Wikipedia/Kunsthaus Lempertz/Public Domain

Akute Rheinromantik war etwas, das im 19. Jahrhundert vor allem Engländer, Amerikaner und Preußen befiel. Gebürtige Rheinländer waren beim Anblick der verfallenden Burgruinen über dem tückischen Strom pragmatischer. Sie sahen sie eher als Quelle kostenlosen Baumaterials.

Später freuten sich die Einheimischen an den Burgen als Magneten, die  Rheinwein-durstige Touristen aus Übersee und bauwütige Hohenzollern-Prinzen anzogen. Aber Romantik bei den Rhein-Anliegern? Fehlanzeige.

Das Siebengebirgsmuseum in Königswinter widmet dem Thema „Sagen und Burgen am Rhein“ jetzt eine Ausstellung mit Bildern von Künstlern der Düsseldorfer Schule aus der Privatsammlung Rheinromantik (bis 14. Mai 2014).

Schloss Andernach um 1838 / Bild: Wikipeida / Christian Meichelt, scan: Frila
Schloss Andernach um 1838 / Bild: Wikipeida / Christian Meichelt, scan: Frila

Besucher bekommen eine Art Werbeprospekt des Mittelrheintals zu sehen. Nach dem Studium solcher Bilder machten sich die zahlungskräftigen Touristen auf, um das urdeutschtümlich-zerklüftete Rheintal voller Mythen zu entdecken. US-Millionäre und englische Lords und Ladys schipperten auf den neuen Dampfschiffen den Strom hinunter – und gaben reichlich Geld aus.

Die Ausstellung will der Historisierung der Burgen in Geschichte und Legende nachgehen. Wie aus Trümmerhaufen Symbole eines neuen Nationalstolzes wurden – und allerlei Unfug vom Goldenen Mittelalter voller Ritter, Burgfräulein und starken Kaisern hineininterpretiert wurde, während im Land die ersten Schlote rauchten und die Maschinen ratterten.

Schloss Stolzenfels: Preußischer Wiederaufbau / Foto: Burgerbe.de
Schloss Stolzenfels: Preußischer Wiederaufbau / Foto: Burgerbe.de

Die Rheinländer machten bei der Mythen-Erfindung kräftig mit. Einige ihrer gruseligen Lügengeschichten werden den Touristen vor Ort noch heute als reinste Wahrheit aufgetischt. Zum Beispiel die Mär von der angeblich nach dem Einsturz des alten Treppenhauses auf dem Turm von Burg Lahneck verdursteten, 17-jährigen Schottin Idilia Dubb.

„Der pseudomittelalterliche Wiederaufbau von Stolzenfels als preußischer Residenz, Burg Sooneck als Gerichtsort Rudolf von Habsburgs, die Sage vom Rolandsbogen und die Inszenierung von Schloss Rheinstein als verwegener Raubritterburg bestimmen die Bildauswahl der Schau“, heißt es auf der Museumsseite. Loreley und Drachenfels stehen für die neuen Mythen des 19. Jahrhunderts.

Einen informativen Artikel zur Ausstellung hat Roswitha Oschmann im Bonner Gerneral-Anzeiger geschrieben: „Siebengebirgsmuseum zeigt „Sagen und Burgen am Rhein“

Ausstellung
„Sagen und Burgen am Rhein – Sammlung RheinRomantik“
Eintritt: 4 Euro für Erwachsene / Ermäßigt: 2,50 Euro

Siebengebirgsmuseum
Kellerstraße 16
53639 Königswinter
Telefon: 02223-3703

Und hier mal ein paar Rheinromantik-Bilder bei Youtube:



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