80-Jährige für Brandanschlag auf Heidelberger Schloss von 1975 verurteilt


Brandstiftungen im Schloss (hier der Ottheinrichsbau) nehmen die Heidelberger besonders übel.
Brandstiftungen im Schloss (hier der Ottheinrichsbau) nehmen die Heidelberger besonders übel.

Gut 35 Jahre nach einem linksextremen Brandanschlag auf den Königssaal des Heidelberger Schlosses hat das Frankfurter Landgericht die Täterin Sonja S. (heute 80) zu 3,5 Jahren Gefängnis verurteilt.

In das Urteil flossen noch weitere Anschläge ein. Wegen der langen U-Haft muss die Seniorin die Strafe nicht mehr absitzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein Brandsatz mit Zeitzünder löste in der Nacht zum 18. Mai 1975 ein kleineres Feuer in dem Saal aus, der von der Stadt Heidelberg bis heute für Empfänge genutzt wird. Schlosswächter löschten den Brand. Schaden an Holztäfelung und Vorhängen: mehrere 10.000 Mark.


Da die Schlosswächter während des Auslösen des Brandsatzes in der Nähe waren, wertete das Gericht den Anschlag als „schwere Brandstiftung“, da sie die Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen habe. Die Tat wäre nach Sicht der Staatsanwaltschaft erst 2018 verjährt gewesen.

Heidelberger Schloss: Der gesprengte Krautturm, auch Puverturm genannt.
Heidelberger Schloss: Der gesprengte Krautturm, auch Puverturm genannt.

Der Königssaal liegt im Erdgeschoss des 1510 für die Hofdamen errichteten Frauenzimmerbaus. Früher diente er als „große Hofstube“ für Mahlzeiten und Festlichkeiten aller Art. Die Hofstube war 34,65 Meter lang, 16,70 Meter breit und 7,40 Meter hoch.

1689 brannte der Bau völlig nieder. Die ehemalige Hofstube diente später als Arbeitsraum für die Küfer, die am Großen Heidelberger Fass arbeiteten. Da die Küfer klagten, dass ihnen das Regenwasser auf die Fässer liefe, ließ Karl Theodor die Ruine mit dem bis heute erhaltenen Notdach versehen. In den 1930er Jahren wurde das Parterre wieder hergerichtet und dient seitdem der Stadt Heidelberg als Festsaal.

Die nicht vorbestrafte Täterin soll den „Revolutionären Zellen“ angehört haben. Mit der Tat wollte sie offenbar gegen die Abrisspolitik der Stadt protestieren. Drei Jahre später tauchte sie mit ihrem Lebensgefährten in Frankreich unter, wo sie von Flohmarktgeschäften lebte.

Im September 2010 wurde sie an Deutschland ausgeliefert. Seitdem saß sie in Untersuchungshaft. Sympatisanten feierten ihre Freilassung und beschimpften Pressevertreter.

Mehr dazu:
Stefan Behr in der Frankfurter Rundschau zum letzten Prozesstag:
Sonja S. – keine Reue, kein Benimm
Daniel Bräuer in der Rhein-Neckar-Zeitung: „Schloss in Flammen
DPA via Stuttgarter Nachrichten: „Anschlag auf Heidelberger Schloss: 35 Jahre später wird Sonja S. verurteilt
Berliner Zeitung (von 2010): „Vor 32 Jahren tauchten Sonja S. und Christian G. in Frankreich unter“



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