Die Ruine der Festung Hohentwiel bei Singen am Bodensee

Zu Besuch auf der Festung Hohentwiel


Das hätte den Mitarbeitern von NSA, BND & Co. gar nicht gefallen: Mit Spionen verstand man auf der Festung Hohentwiel nämlich keinen Spaß. Wurde einer entdeckt, wie im Jahr 1528, erwartete ihn tiefer Sturz mit jähem Ende. In diesem Jahr war ein Österreicher aufgeflogen, dessen Auftrag es war, die württembergische Besatzung zu einer Meuterei anzustacheln. Sein Schicksal: Er wurde auf den Schmitterfelsen geführt und – bei bester Fernsicht – zu Tode gestürzt.


Ausblick von der Festung
Ausblick von der Festung. Im Vordergrund die Herzogsburg

Heute geht es auf der flächenmäßig größten Burgruine Deutschlands friedlicher zu. Der Aufstieg ist aber immer noch eine stramme Kraxelei, selbst beim Aufstieg vom Parkplatz kommt manch einer aus der Puste. Die Festung Hohentwiel liegt stolze 260 Meter über Singen auf einem alten Vulkankegel nicht weit vom Bodensee. Eine hübsche Gegend zum Urlauben.

Erstmals erwähnt wird eine Befestigung auf dem Hohentwiel bereits im Jahr 915 – sie musste gleich ihre erste Belagerung bestehen, was dank steiler Felsen erfolgreich gelang.

Der Blick ins Land
Der Blick ins Land über die Ruinen der Kaserne

1521 kaufte Herzog Ulrich von Württemberg die Burg und baute sie vom Adelssitz zur mit damaligen Mitteln quasi uneinnehmbaren Festung um. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie fünf Mal erfolglos belagert.

Für die Unabhängigkeit der Bewohner sorgte eine Zisterne und ein ca. 7000 Liter umfassender Weinvorrat in drei Weinkellern. 1616, kurz vor Beginn des großen Krieges verfügte die Festung laut der damaligen Inventarliste über 47 schwere Geschütze und 612 Handfeuerwaffen.

Herzog Ulrich ließ erstmal einen Kasernenbau auf den Berg klotzen, mit dessen Aushubmaterial wurde das Plateau weiter aufgeschüttet. Auf der Südost- und der Nordostseite entstanden um 1526 zwei Geschütztürme: Der Wilhelmsturm und der „Gutgenug“. Auf der Westseite erhob sich der Geschützturm „Scharfes Eck“. Sogar eine Windmühle ließ der Herzog hier oben bauen. Sie funktionierte jedoch nie richtig.

Aussicht vom Hohentwiel
Aussicht vom Hohentwiel
Hohentwiel & Nationalgetränk im Südwesten
Hohentwiel & Nationalgetränk im Südwesten

Zwischen 1550 und 1557 gab Ulrichs Sohn Christoph 45.000 Gulden für Bauarbeiten auf dem Hohentwiel aus. 1553 bis 1554 ließ er die alte Klingenberger Burg zu einem Renaissanceschloss, der heutigen Herzogsburg, umbauen.

Auf einer nahezu rechteckigen Grundfläche umschlossen ihre drei Flügel einen Innenhof. Eine württembergische Staatsfestung war entstanden: Ab 1658 auch Staatsgefängnis und immer wieder Rückzugsort der herzoglichen Familie, wenn mal wieder Angriffe drohten.

An den Bastionen der Festung wurde immer weiter gewerkelt. 1735 erreichte sie ihren maximalen Ausbaustand.

Das Ende kam dann mit den napoleonischen Truppen – und ohne einen Schuss. Im Mai 1800 kapitulierte der Festungskommandant vor den Franzosen. Paris ließ den Hohentwiel daraufhin bis 1801 schleifen. Geschossen wurde später doch noch einmal: Als im April 1945 freifranzösische Truppen das Gebiet eroberten, feuerten ihre Panzer mehrfach auf die Festung und beschädigten das Rondell Augusta und die Wilhelmswacht.

Heute wird die Festung jährlich von mehr als 80.000 Menschen besucht.


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