Adelige feiern 250 Jahre „Der Gotha“ auf Schloss Friedenstein


Der "Gotha" von 1893  / Foto: Wikipedia/Public Domain
Der „Gotha“ von 1893 / Foto: Wikipedia/Public Domain

Standesgemäße Heiraten im alten Adel sind gar nicht so einfach: Da muss genauestens herausgefunden werden, wie viele Generationen waschechten blauen Bluts der potentielle Partner so mit sich herumträgt. Je älter und näher an den einst regierenden Häusern, je lieber.

Wessen Vorfahren schon im Bauernkrieg die örtliche Landbevölkerung niedergemetzelt haben, der hat natürlich wesentlich bessere Karten als der Spross einer „frisch geadelten“ Familie (also alles ab 1850). Am besten kommen Nachfahren der Gotteskrieger an, die in den diversen Kreuzzügen darauf aus waren, die Schädel Un- und geringfügig Andersgläubiger zu spalten.

Das schaffen natürlich nur wenige, wie zum Beispiel die Welfen (Ernst August von Hannovers Vorfahren sind schon seit den Jahrhunderten nach der Völkerwanderung als streitlustiges Grafen-Völkchen bekannt).

Aber wie behält man angesichts der Unzahl an klangvollen Freiherrn-, Reichsfreiherrn, Baronen, Grafen, Fürsten und diversen anderen Adelstiteln die Übersicht? Welche Familie ist wirklich altehrwürdig, welche führt nur pompöse, vom Opa irgendwo gekaufte Titel ganz ohne blutige Historie? (für ca. 30 Euro kann man sich ja schon das Recht auf den Titel Lord bzw Lady von Glencoe sichern, sehr zum Ärger vieler Schotten, die das für viel zu billig halten…)

Die dringend nötige Abhilfe schafft da seit 250 Jahren „der Gotha“, ausgeschrieben: Das Gothaische Genealogische Taschenbuch, bzw. der entsprechende Hofkalender. Natürlich haben die Bayern (und die Balten) eigene Ausgaben für die Wittelsbacher, zu Guttenbergs & Co.

Der „Gotha“ gibt Aufschluss über die Abstammung der Familien des deutschen Adels, über deren Stammbäume und Familienwappen. Erstmals erschienen ist er 1763 bei C. W. Ettinger in Gotha, und ab 1785 im Justus Perthes Verlag.

Nirgendwo ist natürlich verzeichnet, wie oft „der Gotha“ Leben zerstört und für grauenhafte Ehen gesorgt hat, weil es mit dem ihm eigenen Standesdünkel die Partnerwahl des Adels über Generationen hinweg entscheidend beeinflusste.

Das Jubiläum ist Grund genug für die Stiftung Deutsches Adelsarchiv, das blaue Büchlein mit einem Festakt auf Schloss Friedestein bei Gotha zu feiern. Ab 2015 wird die Stiftung die „Gothaischen Genealogischen Handbücher“ herausgeben. Der Vertrag mit dem bisherigen Verlag sei zum Ende 2014 gekündigt worden, erklärte Prinz Alfred von Schönburg-Hartenstein als Vorsitzender der Stiftung Deutsches Adelsarchiv.

Mehr dazu in einem Artikel von Axel Eger in der Thüringer Allgemeinen: „250 Jahre Gothaischer Hofkalender‘ auf Schloss Friedenstein„.



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