Schloss Senden: Ein Wasserschloss wird entrümpelt

Wasserschloss Senden im Münsterland / Foto: Wikipedia/ Ralf Conrad/CC-BY-2.0
Wasserschloss Senden im Münsterland / Foto: Wikipedia / Ralf Conrad / CC-BY-2.0
Schloss Senden um 1860 / Sammlung Duncker / Urheberrecht abgelaufen
Schloss Senden um 1860 / Sammlung Duncker / Urheberrecht abgelaufen

Schloss Senden war bis  Ende der 1990er Jahre ein renommiertes Hotel: Hier konnte man in der Kulisse eines münsterländischen Wasserschlosses edel schlafen und dinieren – und die eine oder andere D-Mark im angegliederten Spielcasino lassen. Doch nach einem Dachstuhlbrand und dem Tod des Inhabers Ewald Funnemann und seiner Frau steht das Schloss leer.

Seit 2007 setzt sich die Initiative Schloss Senden für Erhalt und Sanierung der historischen Immobilie ein. Sie „will die konzeptionellen und planerischen Voraussetzungen für den Kauf des Schlosses durch die Gemeinde Senden schaffen“, wie es auf der Homepage der Initiative heißt. Ziel soll es sein, das Schloss für die Bevölkerung offen zu halten und es kulturell, touristisch und gastronomisch zu nutzen.

Das ungenutzte Schloss ist weiter in Privatbesitz, der Eigentümer (eine Erbengemeinschaft) sucht Investoren. Um auch öffentliche Fördermittel zu bekommen (sofern es diese nach 2014 in NRW überhaupt noch gibt), muss nun ein Konzept her.

Da sich die Politik nicht über einen Schlosskauf durch die Gemeinde einigen kann, hat einer der heutigen Miteigentümer jetzt sogar angekündigt, den Abriss des Denkmals beantragen zu wollen.

Die Initiative packt zurzeit kräftig im Schloss mit an. Am letzten Augusttag war jetzt Aufräumen in der Beletage im linken Schlossflügel angesagt. Haufenweise wurden zerschlissene Vorhänge, Tapetenreste, gesplitterte Spiegel und alte Möbel aus den sanierungsbedürftigen Räumen ins Freie geschleppt. Die Westfälischen Nachrichten berichten unter dem Titel „Inventar vom Zahn der Zeit zernagt“ von der Entrümpelungsaktion.

Eine erste Befestigung war an dieser Stelle im 15. Jahrhundert von Ludeke Droste zu Senden errichtet worden. Die Droste zu Senden sollten mehr als 500 Jahre lang hier als Eigentümer wirken.

Die Westfälischen Nachrichten berichten über die Entrümpelungsaktion / Bild: Screenshot
Die Westfälischen Nachrichten berichten über die Entrümpelungsaktion / Bild: Screenshot

Ludekes Sohn Sander II. baute das heutige Herrenhaus und vervollständigte das System der Gräfte (Wassergräben), die die Anlage schützen. Die Droste zu Senden erwarben sich Meriten im Kampf gegen die Wiedertäufer, was aber nicht verhindern konnte, dass Haus Senden in den 1580er Jahren von durchziehenden spanischen Truppen geplündert wird. 1633 taten es hessische Truppen unter dem Herzog von Lüneburg ihnen nach.

Die schlimmsten Zerstörungen richteten allerdings Einquartierungen nach dem Zweiten Weltkrieg an: Die Amerikaner machten das Schloss zum Auffanglager für bis zu 2000 befreite Zwangsarbeiter, die sich durch Zerstörungen im Schloss an ihren deutschen Peinigern rächen wollten. „Tage- und wochenlanger Hausarrest als Bestrafung für ihre Raubzüge auf die umliegenden Bauernhöfe steigerte nur ihre Zerstörungswut“, heißt es auf der Seite der Schloss-Initiative.

1957 verkaufte die Familie schließlich ihren Stammsitz an die Brüder Heinrich und Ewald Funnemann aus Münster. Die eröffneten erst ein Altenheim, dann ein Internat und schließlich das Hotel.

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