Schloss Vitzenburg: Warten auf die Millionen vom Scheich


Das Eingangstor zu Schloss Vitzenburg / Foto: Wikipedia/Meleagros/CC-BY-SA-2.0-DE.
Das Eingangstor zu Schloss Vitzenburg / Foto: Wikipedia/Meleagros/Lizenz: CC-BY-SA-2.0-DE

Da hat die Mitteldeutschen Zeitung ja eine tolle Sommerlochgeschichte recherchiert: „Schloss Vitzenburg steht zum Verkauf“ posaunt das Blatt in die Welt hinaus. Ortsbürgermeister und Denkmalschützer zeigten sich von der vermeintlichen Neuigkeit natürlich überrascht.

Erst 2004 war das geschichtsträchtige, aber seit Jahren verfallende Schloss bei Querfurt an der Unstrut nach der Insolvenz des Vorbesitzers zwangsversteigert worden (inklusive 2,5 Hektar Weinberg).

Und jetzt sollte ein erneuter Besitzerwechsel mit allen seinen Unwägbarkeiten ins Haus stehen?


Das Problem an der Schlagzeile: Sie ist auf den Effekt hin konstruiert, wie man es von der „Bild“ kennt. Der Schlossherr (er ersteigerte die Immobilie 2004 für 395.000 Euro) sagte nämlich wörtlich lediglich zur Zeitung: „Ich warte ja immer noch auf den Scheich mit den zehn Millionen Euro, der hier vielleicht mal seinen Harem einrichten will“. Er habe zwar Ideen, wie man das Schloss auf Vordermann bringen könnte, aber selbst kein Geld dafür.

Auf diese Aussage hin so zu titeln, ist schon … gediegen.


Wie es zu der Effekthascherei kam, ist schnell geklärt: Auf Schloss Vitzenburg drehte Regisseur Detlev Buck 2013 für den 4,6 Millionen Euro teuren Bibi-Blockberg-Film „Bibi und Tina“ (Kinostart im Frühjahr 2014). Einen Pressetermin gab’s inklusive. MDR und Mitteldeutsche Zeitung berichten davon (siehe hier).

Danach war das Schloss Drehort für drei weitere, äußert erfolgreiche Bibi-Blocksberg-Teile.

Offenbar passte das Zitat des Schlossherrn bei der MZ nicht mehr in den Filmdreh-Text hinein. Also wurde ein eigener Artikel daraus, der auch brav ins Online-Angebot der Zeitung überging und jetzt jeden, der nach dem Schloss sucht, erstmal davon in Kenntnis setzt, dass es „zum Verkauf steht“.  Na super.

Das Neorenaissance-Schloss ist geschichtsträchtig: Schon in den 880er Jahren entstand hier eine Burg, später ein Nonnenkloster. Im 19. Jahrhundert sorgte die Familie von der Schulenburg für den Umbau in die heutige Form. 1925 ging die Anlage an die Familie von Münchhausen über, die nach dem Krieg enteignet wurde.

Zu DDR-Teiten beherbergte das Schloss eine Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Treuhand verkaufte die Anlage für einen Euro an einen privaten Investor mit der Auflage, in zehn Jahren zehn Millionen Mark zu investieren. Das passierte nicht und das Schloss wurde weiterverkauft.

Aktuell (2018) gehört das Schloss einem Berliner Investor. Baron Georg von Münchhausen, Besitzer des Weinbergs am Schloss hat den spätbarocken Schlosspavillon zurückgekauft und lässt diesen aufwendig restaurieren.

Für einen Eintritt von zwei Euro darf man den Innenhof des verfallenden Schlosses besichtigen. Das Schloss selbst darf nicht betreten werden.

Und hier geht’s zum Artkel der MZ: „Schloss Vitzenburg steht zum Verkauf



Kommentar verfassen