Links das "alte" Schloss, daneben die Brücke mit der Galerie.

Chateau Chenonceau und die Rache der Medici-Königin


Schloo Chenonceau / Foto: Burgerbe
Schloss Chenonceau / Foto: Burgerbe

Wenn von den Schlössern der Loire die Rede ist, fällt unausweichlich der Name Chenonceau. Nach Versailles steht das malerische Chateau, das gleichzeitieg als Brücke über den Cher fungiert, auf Platz zwei der meistbesuchten Schlösser Frankreichs. Bei der Menge an herrlichen Schlössern will das schon etwas heißen.

Die jährlich 800.000 Besucher haben natürlich zur Folge, dass es im berühmten Korridor, an den Aussichtspunkten und auf den Parkplätzen recht voll werden kann. Der elf Euro teure Besuch (mit Gärten: 15 Euro) lohnt trotzdem, schon allein wegen der garstigen Geschichte zweier Frauen und eines tragischen Turniertods…


Chateau Chenonceau: Der Korridor
Chateau Chenonceau: Die Galerie

Bis in die 1520er Jahre stand hier nur eine befestigte Mühle. Dann kam der wohlhabende Steuereintreiber Thomas Bohier auf die Idee, seiner Frau Cathrine ein Schlösschen zu errichten. Nach seinem Tod begann sich der Staat für den auffälligen Reichtum der Familie zu interessieren und verlangte imsense Steuernachzahlungnen- Bohiers Sohn musste Chenonceau daraufhin 1535 „freiwillig“ an die Krone abtreten.

König Heinrich II. schenkte das Schloss im Krönungsjahr 1547 seiner langjährigen Geliebten Diane de Poitiers (damit das nicht zu knickerig aussah, schickte er die französischen Kronjuwelen gleich hinterher).

Dummerweise war die düpierte Gattin des Königs, Katharina, eine geborene Medici, die das Lust- und Traumschloss ihrer Rivalin neidisch beäugte. Das sollte noch zu Problemen führen.

Die einflussreiche Mätresse erweiterte das Gebäude, ließ einen parkartigen Garten und eine Brücke über den Cher anlegen, die auf das Schlösstor zulief – sie plante einen riesigen Palast für sich und den König. Die Bogenbrücke sollte in einem zweiten Bauabschnitt durch ein Dach überspannt und so in einen Festsaal verwandelt werden. Doch dazu reichte die Zeit zunächst nicht mehr.

Diane de Poitiers / Wikipedia/Public Domain
Diane de Poitiers / Wikipedia/Public Domain

Finanziert wurde der Bauwahn der de Poitiers unter anderem aus einer Sondersteuer. Für jede Kirchenglocke im Land floss eine Abgabe in die Privatschatulle der emsigen Katholikin.

Alles änderte sich am 30. Juni 1559: Zur Feier eines Friedensvertrags mit den Habsburgern ritt Heinrich mal wieder ins Turnier. Normalerweise Routine.

Doch diesmal durchstieß eine Lanze sein goldenes Visier. Die Spitze  drang ins Auge des gerade 40-Jährigen, was angeblich schon Nostradamus vorhergesagt hatte. Zehn Tage später war der König tot – und die Mätresse auf Chateau Chenonceau lernte die Rache ihrer Rivalin kennen. Katharina war nun selbst im Besitz der königlichen Macht – als Regentin für ihren noch unmündigen Sohn, den späteren Franz II.

Chenonceau: Die Brücke wurde zur Galerie mit Festaal
Chenonceau: Die Brücke wurde zur Galerie mit Festaal

Die Kronjuwelen schickte Diana kurzerhand an die Medici-Witwe zurück, doch das half ihr nichts mehr. Katharina nahm der de Poitiers das Liebesnest Schloss Chenonceau kurzerhand weg und wies ihr das düstere Chaumont zu.

Um die Demütigung ihrer verhassten Rivalin vollkommen zu machen, setzte die Königinwitwe zusammen mit dem schon von Diana beauftragten Architekten Philibert de l’Orme die hochtrabenden Pläne der Vorbesitzerin in die Tat um: Aus der Brücke wurde eine Galerie – ein riesiger Festsaal, im Sommer gekühlt durch den Fluss.

Chenonceau: Luxuriös ausgestattet
Chenonceau: Luxuriös ausgestattet

Die Partys der langjährigen Regentin müssen orgiastische Ausmaße angenommen haben. Zu einer dieser rauschenden Ballnächte soll hier 1560 das erste Feuerwerk Frankreichs abgebrannt worden sein.

Gefeiert wurde unter anderem die Hochzeit des 14-jährigen Dauphin Franz II. mit einer 15-jährigen Schottin, die sich Hoffnungen auf den englischen Thron machte: Maria Stuart.

Die unglücksseelige Stuart erinnerte sich später im englischen Exil sehnsüchtig an die „herrliche Zeit auf Chenonceau“ zurück. Dazu schrieb sie auch ein Gedicht, das später von Robert Schumann musikalisch unterlegt wurde.

Maria Stuarts schottische Wachen durften natürlich nicht mitfeiern. Sie langweilten sich unsäglich und beschmierten die Wände mit Grafittis, von dene sich zwei erhalten haben.

Links das "alte" Schloss, daneben die Brücke mit der Galerie.
Links das „alte“ Schloss, daneben die Brücke mit der Galerie.

Die Medici vergrößerte noch den Garten und starb schließlich hochgeachtet am 5. Januar 1589. Sie vermachte das Partyschloss ihrer Schwiegertochter, der französischen Königin Louise de Lorraine-Vaudémont. Die war nun von einem anderen Schlag. Heute würde man sagen manisch depressiv, da sie dem König keinen Erben geschenkte hatte.

Nach dem Tod ihres Gatten Heinrich III. bei einem Attentat im August 1589 kapselte sie sich auf Chenonceau ab. Feste gab’s nicht mehr.

Ihren Raum, eine Dachkammer, ließ sie komplett Schwarz streichen, die Korridore mit düsteren Tapisserien verhängen. Im Sommer wurde ihr Trauerwitwen-Refugium unerträglich drückend.

Die Galerie von außen
Die Bogenbrücke mit der Galerie

Louise lief bis zu ihrem Tod 1601 in (damals weißer) Trauerkleidung mitsamt Witwenschleier herum und wurde daher „La Reine blanche“ (Die weiße Königin) genannt.

In den Folgejahren führte Chenonceau ein Schattendasein, das erst 1733 endete. In diesem Jahr kaufte der Steuerpächter Claude Dupin das Schloss. Seine Frau Louise hielt dort literarische Salons ab. Auch Voltaire war, wenn er sich nicht gerade von seinem preußischen Gönner Friedrich II. aushalten ließ, hier gern zu Gast.

Seit 1913 ist das Schloss im Besitz der Familie des Schokoladenfabrikanten Henri Menier. Diese stellte es aber auch immer wieder in den Dienst der Gemeinschaft. In der Galerie hängen Bilder, die zeigen, wie der Korridor im Ersten Weltkrieg als Lazarett genutzt wurde.

Chenonceau: Blick aus  dem Fenster
Chenonceau: Blick aus dem Fenster

Im Zweiten Weltkrieg lag das Schloss auf der Grenze zwischen dem von den Deutschen okkupierten Teil Frankreichs und dem zunächst unbesetzten Gebiet der Vichy-Regierung. Viele Flüchtlinge konnten sich dem Zugriff der NS-Schergen entziehen, indem sie vorne in den Korridor hinein und am anderen Ufer des Cher wieder hinausgingen.

Die Besatzer wussten um die symbolische Bedeuting des „Chateau des Dames“ (so genannt, weil hauptsächlich Frauen seineGeschichte prägten). In der Nähe war eine deutsche Artillerie-Batterie stationiert, die im Fall von Aufständen auf das Schloss hätte schießen sollen. Zu diesem Kriegsverbrechen kam es glücklicherweise nicht.

Chenoncau verlor im Krieg lediglich einige Fenster, die 1944 bei einem Bombenangriff zu Bruch gingen. Heute wird der Korridor (auf zwei Etagen) für Ausstellungen und Erinnerungen an die diversen prominenten Bewohner und Partygäste genutzt.

Und hier ein Video-Rundgang durch Chateau Chenonceau:

Lage/Anfrahrt:
Château de Chenonceau
37150 Chenonceaux
(gut ausgeschildert, großer Parkplatz und SNCF-Haltepunkt vor dem Schloss)

Link: Seite von Schloss Chenonceau (deutsche Version)