Chateau Malbrouck: Ärger um deutsche Windräder

Burg Malbrouck / Foto: Uwe Sicks / GNU Free Documentation License.
Burg Malbrouck bekommt „Gesellschaft“ von Windrädern/ Foto: Uwe Sicks / CC BY 3.0

Don Quichotte kämpfte noch gegen Windmühlen, diverse Schlossbesitzer würden wahrscheinlich gern gegen deren Nachfolger, die Growiane („Großwindkraftanlagen“), zu Felde ziehen. Weitab der Küsten schießen die sichtbaren Zeichen der Energiewende aus dem Boden – und stehen so zwangsläufig der Aussicht auf die eine oder andere historische Anlage im Weg (siehe Burg Zwernitz).

Für grenzüberschreitenden Ärger sorgt gerade ein Windpark der Vereinigten Saar- Elektrizitäts AG (VSE)  aus sieben Windrädern, deren Rotorspitzen sich bis zu 200 Meter hoch erheben würden.

Ein 40-Millionen-Euro-Projekt an der Grenze zu Frankreich: Und 1200 Meter  entfernt von der lothringischen Burg Malbrouck (auch Burg Meinsberg genannt). Die Anlage aus dem 15. jahrhundert gilt in Frankreich als historisches Monument (vergleichbar mit unseren denkmalgeschützten Burgen). Der Blick von und auf die Burg wäre dadurch natürlich stark beeinträchtigt.

Chateau de Malbrouck liegt auf einer Anhöhe / Foto: Wikipedia/F5ZV
Chateau de Malbrouck liegt auf einer Anhöhe / Foto: Wikipedia/F5ZV / CC BY 3.0

Der Bürgermeister der lothringischen Gemeinde Manderen, in der die Burg steht, klagt nun gegenüber der französischen Presseagentur afp, von der VSE gar nicht über die Pläne informiert worden zu sein. Der Versorger betont hingegen, die Präfektur des Départements Moselle über die Pläne aufgeklärt zu haben. Diese hätte sich allerdings nicht zurückgemeldet.

Die Burg ist fast rechteckig mit vier Türmen (einer rechteckig, die anderen rund). Ihren Namen soll sie wegen des ersten Duke of Marlborough erhalten haben.

Dieser soll sich 1705 im Spanischen Erbfolgekrieg nicht getraut haben, mit 100.000 Mann die um 50.000 Mann unterlegenen Franzosen anzugreifen und lieber auf der Burg auf weiteren Nachschub gewartet haben, der nie kam – woraufhin sich seine Armee mangels ausreichender Versorgung auflöste…

Und da die Franzosen „Marlborough“ natürlich nicht aussprechen können/wollen, haben sie sie eben „Château de Malbrouck“ genannt.

Seit 1793 ist die Anlage in Staatsbesitz. 1975 bis 1998 wurde die einstige Ruine umfassend restauriert. Sie kann besichtigt werden. Deutschsprachige Führungen von 1,5 Stunden Dauer werden an Sonn- und Feiertagen jeweils um 15.30 Uhr veranstaltet (Anmeldung vor Ort).

Heute finden auf der Burg Ausstellungen statt. Zurzeit (bis 1. September 2013) Chateau de Malbrouck in Manderen eine Schau über einen der berühmtesten Autoren, Komponisten, Interpreten und Poeten des französischen Chansons des 20. Jahrhunderts: Georges Brassens.

Lage:
Château de Malbrouck
57480 Manderen ‎

Links:
Homepage des Chateau de Malbrouck (sogar auf deutsch)

Und hier geht’s zum Artikel der afp (erschienen bei Handelsblatt Online): „Deutsche Windräder verärgern französische Gemeinde



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