Burg Giebichenstein: Vor 2900 Jahren Standort einer Salzsiederei

Burg Giebichenstein an der Saale / Foto: Wikipedia/Mewes/Public Domain
Burg Giebichenstein an der Saale / Foto: Wikipedia/Mewes/Public Domain

Archäologische Sensation auf dem Gelände der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Halle: Knapp einen Monat, nachdem das 2013er „Jahrhunderthochwassers“ der Saale den Campus Design der Hochschule geflutet hat, tauchten bei Bauarbeiten für die neue Mediothek bis zu 2900 Jahre alte Spuren der Salzgewinnung auf.

Archäologen stießen nach Angaben der Mitteldeutschen Zeitung auf ein gut erhaltenes Solebecken von knapp 1,9 mal 1,7 Metern Größe, sowie auf acht Öfen und Feuerstellen aus der Zeit um 900 bis 700 v.Chr. Dort ließen bronzezeitliche Bewohner des Saale-Uferstreifens mineralhaltiges Quellwasser (Sole) mithilfe von Holfkohlenfeuern verdunsten, um das kostbare Salz zu gewinnen. Es war auch zu dieser Zeit sicher ein beliebtes Handelsgut.

Die Spuren der enormen Hitze der Salzsiederei konnten die Ausgräber anhand des dadurch glasierten Sands an den Feuerstellen sehen. Auch Spuren einer Ansiedlung (Scherben von Krügen und Tierknochen wurden ausgegraben. Den wissenschaftlichen Wert des Fundes schätzt der hinzugezogene Landesarchäologe als hoch ein.

Mehr dazu in einem Artikel von Jan Möbius und Oliver Müller-Lorey in der Mitteldeutschen Zeitung: „Die Burg baut auf Salz


Zur Burg:
Burg Giebichenstein war die erste einer Vielzahl von Saaleburgen. Kaiser Otto I. stellte hier auf einer Befestigung (der Ort ist nicht genau bekannt) um das Jahr 962 herum bereits Urkunden aus.
Die alte Burg diente als Staatsgefängnis und war immer wieder Aufenthaltsort von Kaisern und Königen. So berief Kaiser Friedrich Barbarossa 1157 eine Fürstenversammlung auf die Burg ein.

In diese Zeit fällt der Bau der heutigen Burg, deren älteste Mauern aus den Jahren um 1154 stammen. Der Burgfelsen war zuvor unbebaut, die alte Burg muss auf einer anderen Anhöhe in der Nähe gestanden haben. 1215 soll die “neue” Burg Giebichenstein 1215 durch den späteren Stauferkaiser Friedrich II. belagert worden sein, der sich gerade mit dem Welfen Otto IV. darum stritt, wer denn nun in Deutschland König sein sollte.

Nach 1382 war die weiter ausgebaute Burg Hauptresidenz der kriegerischen Erzbischöfe von Magdeburg. Erst 1514 zogen sie in die Moritzburg um. Im Dreißigjährigen Krieg stürmten die Schweden die Burg und setzten sie in Brand. Die Oberburg ist seitdem eine Ruine.

Seit 1921 ist die Stadt Halle Eigentümerin der Burg. Sie richtete in der Unterburg eine Kunstgewerbeschule ein, die eng mit dem Bauhaus verbunden war. Seit 2010 heißt die Schule „Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle“.



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