Chateau Milandes: Bis 1968 Heimat von Josephine Baker und ihrer Familie / Foto: Burgerbe.de

Chateau des Milandes: Josephine Bakers Märchenschloss


Josephine Baker 1927 im bekannten Bananen-Röckchen / Foto: Walery French, Public Domain
Josephine Baker 1927 im bekannten Bananen-Röckchen / Foto: Walery French, Public Domain

Josephine Baker und Frankreich – das war auf beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick. Die junge Tänzerin startete ihre Karriere in Harlem und begeisterte 1925 als 19-Jährige das Publikum in Paris. Die Franzosen hatten im Gegensatz zu einem Teil der amerikanischen Zuschauer keine Probleme mit ihrer Hautfarbe und ihren „Oben-Ohne“-Auftritten. Im Gegenteil.

Mit einer Mischung aus Stimme, Erotik und Tanz wurde das Mädchen aus St. Louis in den folgenden Jahren die bestbezahlte US-Unterhalterin in Europa. Und sie blieb auf dem Alten Kontinent. 1937 nahm sie die französische Staatsbürgerschaft an.

Doch wo wohnt man stilecht als gefeierter Bühnenstar? 1937 lernte sie ein etwas heruntergekommens 24-Zimmer-Anwesen in der burgen- und schlösserreichsten Region des Landes kennen: das malerische Chateau des Milandes im Périgord am Ufer der Dordogne.

Ein historisches Plätzchen: Das Schloss war zur Zeit der Entdeckung Amerikas vom Grafen von Castelnaud gebaut worden (seine Frau hatte darauf gedrängt). Während der Französischen Revolution wurden die adeligen Besitzer enteignet.



Seine heutige Form bekam das Chateau durch historisierende Umbauten im Auftrag des Industriellen Charles Claverie in den 1870er Jahren. Er ließ zwei zusätzliche Türme, ein weiteres Hauptgebäude und – ganz wichtig in Frankreich – einen neuen Weinkeller anlegen.

Chateau Milandes ist immer noch von einem Garten umgeben / Foto: Wikipedia/Manfred Heyde / Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Chateau Milandes ist immer noch von einem Garten umgeben / Foto: Wikipedia/Manfred Heyde / Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Das Schlösschen mit seinen Butzenscheibenfenstern und gotischen Wasserspeiern kam dem in den Slums von St. Louis aufgewachsenen Megastar der Roaring Twenties märchenhaft vor. 1937 mietete sie sich dort ein und sorgte dafür, dass Chateau und das benachbarte Dorf den ersten Strom- und Wasseranschluss der Gegend bekamen.

Die Kriegsjahre waren eine turbulente Zeit für die Künstlerin, die Stoff für einen großen Kinohit hergeben würde. Josephine Baker meldete sich zum Dienst als Rot-Kreuz-Schwester am Pariser Gare du Nord, sammelte Geld für De Gaulles Freies Frankreich. Sie arbeitete nebenbei heimlich als Kurier für Resistance und Geheimdienst.

Im Chateau, das in der zunächst noch unbesetzten Zone lag, versteckte sie jüdische Flüchtlinge und Waffen für die Resistance. Die Deutschen hätten sie dafür ohne viel Federlesens erschossen, merkten aber nichts.

Josephine Baker machte sogar den Pilotenschein und beendete den Krieg im Rang eines Leutnants der französischen Armee. In Frankreich gilt sie dafür bis heute als Heldin. Die Aufnahme in die Ehrenlegion ließ nicht lange auf sich warten.

1947, mit 41 Jahren, kaufte sie das Schloss schließlich und zog, frisch neu verheiratet, diesmal mit ihrem Orchesterleiter, ein. Nun richtete sie sich ihr eigenes Märchenschloss ein.

Chateau Milandes von weitem.
Chateau Milandes ist umgeben von Feldern und Wäldchen nahe der Dordogne / Foto: Burgerbe.de

Josephine Baker zelebrierte ihren Ruhm. Aus ihrem Schloss wurde nach und nach eine Art Josephine-Baker-Themenpark: Das „Jorama“, ein Wachsfigurenkabinett, zeigte Szenen aus ihrem Leben, ein nachgebautes „afrikanisches Dorf“ mit Strohhütten brachte Exotik.

Die Baker trat im eigenen Theater auf, Gäste blieben im Luxushotel und konnten Drinks an der Baker-Bar genießen. Und selbst der Pool erinnerte an die Tänzerin: Er hatte die Form des Buchstaben „J“.

In den Fünfziger Jahren zog der Baker-Park mit dem Publikumsliebling als Hauptatraktion um die 300.000 Besucher pro Sommer an. 120 Angestellte arbeiteten für den Star. „Sie war wie Marie-Antoinette auf Versailles“, erzählt ihr Adoptivsohn Jean-Claude Baker, Autor einer Biografie über seine Mutter.

1953 begannen Baker und ihr Mann Kinder aus aller Welt zu adoptieren und eine „Regenbogenfamilie“ aufzubauen, die auf Chateau des Milandes aufwuchs. Am Ende wimmelten zwölf Kinder durch die Gärten. Dummerweise strahlte Josephine Bakers Showtalent kein bisschen auf ihren wirtschaftlichen Erfolg aus.

Sie gab immer erheblich mehr Geld aus als durch Eintritt und ihre Tourneen hereinkam. Schließlich startete Brigitte Bardot in den Sechziger Jahren eine Unterstützungskampagne zum Erhalt von Milandes.

Es reichte alles nicht: 1969 wurde das Schloss zwangsweise verkauft. Josephine Bakers Familie musste das Anwesen verlassen. Der Freizeitpark mitsamt Wachsfigurenkabinett wurde abgebaut. Das Chateau ging danach durch mehrere Hände und gehört heute Angelique de Saint-Exupéry, einer entfernten Verwandten des Autors des Kleinen Prinzen.

Sie hält das Erbe von Josephine Baker hoch und hat im Schloss ein Museum zum Andenken an die 1975 gestorbene Künstlerin eingerichtet. Besucher können diverse Räume besichtigen, darunter das berühmte Badezimmer, das – nach dem Vorbild der Parfum-Fläschchen von Arpège – komplett in Türkis, Schwarz und Gold gekachelt ist. Schon etwas dekadent.

Für ihr Museum hat Angelique de Saint-Exupéry sogar das legendäre Bananenröckchen gekauft, was ein recht teurer Spaß gewesen sein soll.

In diesem Video erzählt Angelique de Saint-Exupéry die Geschichte des Chateau des Milandes:

Links:
Ein informativer Artikel zur Geschichte des Schlosses steht bei Departure.com (engl.): „Josephine Baker’s French Chateau„. Ein weiterer bei „Out and About in Paris“: „Josephine Baker and Château des Milandes, her ‚Sleeping Beauty Castle‘

Homepage von Chateau des Milandes

Diverse Bücher und DVDs zu Josephine Baker gibt es hier:


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