Umbau von Schloss Friedberg gestoppt: Rechtsstreit in Bayern

Das Wittelsbacher Schloss Friedberg / Foto: Wikipedia/Franzfoto
Das Wittelsbacher Schloss Friedberg / Foto: Wikipedia/Franzfoto/CC BY-SA 3.0

Der geplante Umbau des Wittelsbacher-Schlosses Friedberg zum „Bürgerschloss“ liegt auf Eis. Nach Klage eines Nachbarn hat das Verwaltungsgericht Augsburg die von der Stadt Friedberg an sich selbst erteilte Baugenehmigung für rechtswidrig erklärt. Ein herber Schlag für die örtliche Politik. Darüber berichtet die Augsburger Allgemeine.

Hintergrund ist ein Streit um die Intensität der künftigen Nutzung der Burg. Die Stadt plante, die Burg für 125.000 Euro vom Freistaat Bayern zu kaufen und für 20 Millionen Euro zu sanieren und umzubauen, um sie auch für Events nutzen zu können.

Der Betrieb der Burg, die auch ein Heimatmuseum beherbergt, sollte 750.000 Euro pro Jahr kosten. Um diese Kosten zumindest zum Teil wieder hereinzuholen, war geplant, die Burg auch auch an Privatleute zu vermieten.

Schloss Friedberg: Arkaden-Innenhof / Foto: Wikipedia/Dark Avenger
Schloss Friedberg: Arkaden-Innenhof / Foto: Wikipedia/Dark Avenger / CC BY-SA 3.0

Doch nun bemängeln die Richter, dass die Stadt der kommerziellen Nutzung der Burg in ihrer sich selbst erteilten Genehmigung keinerlei Grenzen gesetzt habe. Theoretisch seien 365 Tage im Jahr Veranstaltungen möglich.

Das sei ein Eingriff in die Rechte der Nachbarn. Die schalteten einen Rechtsanwalt ein. Gespräche zwischen Stadt und Nachbarn über einen Kompromiss bei der Nutzung führten zu keinem Ergebnis.

Der Umbau ist nun auf unabsehbare Zeit verschoben. Die Abschiedsausstellung, in der gezeigt wurde, wie „das Neue Museum“ nach dem Umbau aussehen soll, war nun doch nicht die letzte in den alten Räumen. Für 2014 ist bereits eine Schau zum 750. Stadtjubiläum von Friedberg geplant.

Zur Geschichte: Beim Bau der mittelalterlichen Burg (möglicherweise gab es eine Vorgängeranlage) hatten die Finanzpolitik im Vordergrund gestanden: Bayern-Herzog Ludwig II. (“der Strenge”) ließ sie 1257 errichten, um eine herzogliche Zollstation an der Grenze zur wohlhabenden Reichsstadt Augsburg zu schützen. Sein Nachfahre mit dem schönen Beinamen Ludwig “der Gebartete” ließ die Anlage 1409 ausbauen.

Rechtzeitig zum Beginn der Renaissance brannte die mittelalterliche Burg 1541 ab und wurde – beeinflusst vom Stil der Zeit, aber ohne großen Prunk – wieder aufgebaut und um einen Westflügel erweitert.

Die Beschädigungen, die der Dreißigjährige Krieg anrichtete, waren 30 Jahre nach Friedensschluss wieder weitgehend beseitigt. Sie stand nie leer, auch wenn sie im ausgehenden 18. Jahrhundert zwischenzeitlich als Fayence-Manufaktur herhalten musste. Als Museum wird die Burg bereits seit 1886 genutzt.

Links:
Weitere Informationen zum gestoppten Projekt „Bürgerschloss“ Friedberg gibt die Augsburger Allgemeine in zwei Artikeln: „Friedberg: Klage stoppt Umbau des Wittelsbacher Schlosses“ von Thomas Gossner und „Jubiläumsjahr in Friedberg: Ausstellung statt Baubeginn im Schloss“ von Andreas Schmidt.

Mehr zu Schloss und Burg auf der Homepage von Schloss Friedberg


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