Vorbild Guédelon: Klosterstadt Campus Galli entsteht


Campus Galli-Baustelle bei Messkirch: Steinmetze in Aktion / Foto: Burgerbe.de
Campus Galli-Baustelle bei Meßkirch: Steinmetze in Aktion / Foto: Burgerbe.de

Der Burgbau mit mittelalterlichen Werkzeugen in Guédelon findet Nachahmer in Deutschland: In Meßkirch in Baden-Württemberg entsteht auf diese Weise eine ganze mittelalterliche, genauer karolingische Klosterstadt (natürlich mit Kirche aber leider ohne Burg). Am 22. Juni 2013 ist das Projekt gestartet.

Direktes Vorbild ist der nie vollständig realisierte Plan aus dem neunten Jahrhundert zum Campus Galli, einer idealen Klosteranlage in St. Gallen, Schweiz, der auf der sonnigen Bodensee-Insel Reichenau entstand (Mönche hatten ja schon mal viel Zeit zum Nachdenken über eine bessere Welt).


Das Ganze ist wie beim burgundischen Guédelon als Arbeitsbeschaffungsprojekt angelegt, bei dem ausschließlich mit den Mitteln des neunten Jahrhunderts gearbeitet wird (natürlich unter Einhaltung heutiger Arbeitsschutz-Richtlinien). Alle Baumaterialien (also vornehmlich Kalkstein, Lehm und Holz) werden direkt an der Baustelle gewonnen.

Die Vorbereitungen laufen seit  April 2012. Zu diesem Zeitpunkt begann ein Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose  in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Sigmaringen,  dem Werkstättle Pfullendorf und dem Verein Karolingische Klosterstadt damit, Handwerkerhütten vorzubereiten, die historisch korrekten Gewänder zu nähen und schon einmal tausende von Holzschindeln (für die Dächer der Bauhütten) zu produzieren.

Campus Galli: Der Seiler bei der Arbeit / Foto: Burgerbe.de
Campus Galli: Der Seiler bei der Arbeit / Foto: Burgerbe.de

Reich werden können die Handwerker nicht, der Nettolohn liegt laut dpa bei 1200 Euro. Dafür wird auch nur von April bis November gearbeitet. Die Anlage kann auch nur während dieser Zeit besichtigt werden.

Ein wissenschaftlicher Beirat überwacht das Ganze und passt auf, dass keine Zeitreise-Paradoxa auftreten. Mittelalterliche Handwerker mit Digitaluhren und Knopf im Ohr, die gerade per Smartphone ihren Facebook-Status updaten sind nicht so erwünscht.

Zentrum des Klosters ist die nun entstehende Holzkirche. Darum gruppieren sich auf acht Hektar Fläche diverse mittelalterliche Werkstätten: Imkerei, Seilerei, Ställe, Töpfer, Besenbinder, Korbmacher, Schmied, Steinbruch und – ganz wichtig – der klösterliche Heilkräutergarten.

Campus Galli: Der Korbmacher bei der Arbeit
Campus Galli: Der Korbmacher bei der Arbeit

In einem zweiten Schritt ist dann der Bau einer Kathedrale geplant, die 2000 Menschen Platz bieten soll. Bis alles fertig ist, soll es etwa 40 Jahre dauern.

Das wäre dann Anfang der 2050er Jahre..

Die Idee zu dem Projekt hatte Bert Geurten. Er ist vor zwei Jahren aus Aachen ins Oberschwäbische eingewandert. Angeregt durch einen Film über Guédelon hatte er zunächst Aachen und dann weitere 30 Kommunen in ganz Deutschland mit seinem Plan abgeklappert. Erst in Meßkirch stieß er auf Gegenliebe…

Campus Galli liegt in der Nähe der Stadt, circa 20 Kilometer vom Bodensee entfernt: Das Kloster wird im städtischen Waldstück „Hackenberg“ zwischen den Stadtteilen Rohrdorf und Langenhart in der Nähe der Bundesstraße 313  errichtet. Wenn ich in der Gegend bin, fahre ich sicher mal hin! (Nachtrag: Ich war da, Bericht folgt)

Links:

Homepage des Projekts Campus Galli

Informationen der Stadt Meßkirch zum Projekt Campus Galli (inklusive Öffnungszeiten, Eintrittspreisen, Anfahrt, etc.)

Flyer zum Projekt Flyer Campus Galli – karolingische Klosterstadt (mit Karte der geplanten Anlage)

Artikel von Wolfgang Messner in der Stuttgarter Zeitung: „Schöne alte Welt

Artikel von Marc Herwig (dpa), erschienen bei Spiegel-Online: „Handwerker bauen Stadt mit Werkzeug des Mittelalters





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