Das Torhaus Dölitz aus dem Heidnischen Dorf heraus fotografiert

Torhaus Dölitz: Von der Völkerschlacht zum WGT

Zu Pfingsten wird Leipzig wieder Schauplatz des Wave-Gotik-Treffens. Die Zelte der Gäste reichen dabei fast bis an ein ehemaliges Schloss heran, das auch in das größte Gothic-Festival Europas einbezogen wird: Dessen letzter Rest ist das Torhaus Dölitz.

Beim WGT wird im Hof des Torhauses seit Jahren das Heidnische Dorf aufgebaut – ein Mittelaltermarkt mit Samtklamotten für jede Figur, allerlei Schmuck, Esswaren und allerlei Gaukler-Vorführungen. Und natürlich gibt es auch eine Bühne für die Corvus-Corax-Nacheiferer.


Die Vorderseite des Torhauses mit Willkommenstransparent
WGT 2013: Die Vorderseite des Torhauses mit Willkommenstransparent / Fotos: Burgerbe.de

So friedlich wie heute ging es hier nicht immer zu. Vor 201 Jahren, Mitte Oktober 1813, hatten sich französische und polnische Truppen hinter den dicken Mauern des Torhauses verschanzt und feuerten aus den Fenstern auf die heranstürmenden Österreicher.

Kaiser Franzens Österreicher zogen sich zurück und griffen erneut an, diesmal unterstützt durch das Feuer ihrer Kanonen. Gewehrmunition und Schwere Eisenkugeln schlugen in die Mauern des Torhauses ein, das aber standhielt.

Napoleons Truppen gelang es, aus dem Torhaus heraus jeden Angriff abzuschlagen. Es war eine durch den Pleißemühlengraben geschützte Schlüsselstellung ihres rechten Flügels und daher entsprechend strategisch wichtig. Erst nach der Schlacht, in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober räumten die französischen Truppen das Torhaus unbehelligt und schlossen sich der zurückflutenden Armee an.

Schloss Dölitz: Die Reste wurden 1947 gesprengt. Foto: Wikipedia/Jabu
Schloss Dölitz: Die Reste wurden 1947 gesprengt. Bild: Wikipedia/Jabu

Das Schloss war ursprünglich im späten 17. Jahrhundert als Sitz der frisch geadelten Leipziger Händlerfamilie Winckler (von Schwendendorf) ausgebaut worden. Der Schlossbau des Ritterguts zu Dölitz war eine drei Etagen hohe Vierflügelanlage mit Innenhof, überragt von einer Barockhaube.

1929 kaufte die Stadt Leipzig das Rittergut. Das Schloss erhielt 1944 schwere Bombentreffer. Die neuen Machthaber ließen auch hier ihrem Hass auf die „Junker“ freien Lauf und sprengten die Reste 1947. Das Torhaus ließ die DDR erhalten und sogar sanieren – was bedeutete, dass man die Einschlagspuren der Völkerschlacht unter Putz versteckte.

Bühne im Heidnischen Dorf
Bühne im Heidnischen Dorf

Seit 1998 hat der Verein Arbeitsgemeinschaft Befreiungskrieg 1813 Finsterwalde das Torhaus Dölitz gepachtet und betreut die dortige große Zinnfigurensammlung. Die 12.000 Mini-Soldaten zeigen – natürlich – die Völkerschlacht bei Leipzig. Das Heidnische Dorf zu Pfingsten ist übrigens sehenswert. WGT-Besucher kommen mit Bändchen umsonst rein. Alle anderen zahlen üppige 10 Euro.

Link:
Der Verein hat auch eine Homepage rund ums Torhaus Dölitz mit einigen historischen Fotos eingerichtet.

Fotos: Burgerbe.de beim WGT 2013

WGT 2013: Wo heute das Agra-Gelände liegt, tobte 1813 die Völkerschlacht
WGT 2013: Wo heute das Agra-Gelände liegt, tobte 1813 die Völkerschlacht

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