Internat Schloss Neubeuern: Von der Napola zur papierlosen Schule


Schloss Neubeuern: Der Schlosshof / Foto: Wikipedia/Rufus46
Schloss Neubeuern: Der Schlosshof / Foto: Wikipedia / Rufus46 / CC BY-SA 3.0 DE

Als Standorte für private Internate gelten Burgen und Schlösser ja als besonders schick – und diese Institutionen spielen auch gerne eine Vorreiterrolle in der ansonsten eher tristen bundesrepublikanischen Bildungslandschaft. Ein Beispiel zeigt heute Spiegel Online anhand des Internats Schloss Neubeuern im oberbayerischen Inntal.

Dort wurden Hefte und Bücher weitgehend durch Tablets ersetzt. Nun macht erstmals ein ganzer Jahrgang seine Abiturprüfung mithilfe von Computern. Das exklusive Internat darf sich rühmen, die „erste papierlose Schule Deutschlands“ zu sein.


Mir wäre so etwas in den späten 80er Jahren ja sehr entgegengekommen, da mit einem Schlag das Problem der (für Lehrer) unleserlichen Handschrift wegfällt. Auf Schloss Neubeuern schreibt die Generation Facebook ab Jahrgangsstufe 9 zwar immer noch per Hand: Aber per Touch-Pen direkt ins Tablet, das die Handschrift eines jeden Schülers erkennen soll – Stichwort „Digital Ink“. Wetten, dass das mit meiner Schrift nicht klappen würde…?

Schlosshof mit Brunnen / Foto: Wikipedia/Rufus46
Schlosshof mit Brunnen / Foto: Wikipedia / Rufus46 / CC BY-SA 3.0 DE

Apropos Schloss Neubeuern: Die Geschichte der Gebäude und der Schule ist ausgesprochen interessant. Nach 1150 entstand am Standort des heutigen Schlosses eine Burg der Regensburger Erzbischöfe. 200 Jahre später galt die Anlage mit ihrer mächtigen Ringmauer und neun Türmen als stärkste Burg des Inntals.

Sogar den Dreißigjährigen Krieg überstand die Festung weitgehend unbeschadet, um dann jedoch in den österreichischen Erbfolgekrieg hineingezogen und von ungarischen Truppen völlig zerstört zu werden. Die Reste wurden gesprengt.

Die heute sichtbaren Bauten sind später errichtet: Graf Max IV. Emanuel von Preysing-Hohenaschau ließ die Anlage zunächst bis 1752 im Stile eines „bairischtirolerischen Herrensitzes“ neu aufbauen. 1893 sorgte ein Großbrand für weiteren Sanierungsbedarf. Baron Jan Wendelstadt sorgte bis 1908 für einen neuen Mittelbau im Stil der Neo-Renaissance.

Seine Witwe hatte nach dem ersten Weltkrieg erhebliche Probleme, das Schloss zu erhalten. Ein privates Internat – gegründet nach dem Vorbild der Schule Schloss Salem – sollte die Lösung bringen. 1923 feierte man Eröffnung. Viel Zeit zur freien Entfaltung von Bildungsidealen blieb nicht: Die Nazis schlossen die „politisch unzuverlässige“ Schule 1941. Die Baronin verkaufte das leer stehende Schloss im Folgejahr notgedrungen an den Staat.

Modernes Internatsgebäude auf dem Gelände von Schloss Neubeuern / Foto: Wikipedia/Harald Bischoff
Modernes Internatsgebäude auf dem Gelände von Schloss Neubeuern / Foto: Wikipedia / Harald Bischoff / Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Die NSDAP richtete daraufhin eine „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“ (Napola) für den künftigen Führungsnachwuchs des Dritten Reichs im Schloss ein. In der zweiten Kriegshälfte wurde das Schloss auch als Lazarett genutzt.

Nach dem Krieg gelang es den Erben, den Verkauf rückgängig zu machen. Im Juni 1948 konnte das Internat wieder öffnen, nun getragen von einer Stiftung.

Links:
Auf der Seite des Internats wird übrigens ein virtueller Rundgang durchs Schloss angeboten.

Und hier geht’s zum Artikel von Paul Winterer (dpa), erschienen bei Spiegel Online unter dem Titel: „Papierlose Schule: Abi am Rechner„. Auf der Seite der Schule wird derweil „Das Ende der Kreidezeit“ eingeläutet.


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