Wasserburg Heldrungen: Die Sanierung läuft. Der Nordflügel ist fertig


Die Wasserburg Heldrungen: Hier kann man auch übernachten
Die Wasserburg Heldrungen: Hier kann man auch übernachten / Foto: Burgerbe.de

Die lange umstrittene Sanierung der Wasserburg Heldungen kommt doch noch voran. Das Deutsche Jugendherbergswerk, Pächter der Anlage, meldet nun den Abschluss der Sanierung des Nordflügels. Das teilt die Thüringer Allgemeine mit.

Man fing quasi bei Null an: „Als die Bauarbeiten begannen, war der Nordflügel komplett entkernt, vom Boden offenbarte sich der Blick bis hinauf zum Dach“, schreibt die Zeitung.



Der Beginn der Sanierung im September 2011 war von Thüringens Bauminister Christian Carius eingeleitet worden. „Die Wasserburg soll bis 2016 grundlegend saniert und zu einem attraktiven Jugendhotel mit Gastronomie ausgebaut werden. Wir senken bei der Umsetzung dieses Projekts zudem den kommunalen Mitleistungsanteil ab“, so der Minister.

Die Investition von 5,4 Millionen Euro unterstützt das Land mit Fördermitteln in Höhe von 3,75 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt Heldrungen beträgt 475.000 Euro. Über die Übernahme dieses Eigenanteils hatte es jahrelang Streit gegeben.

Noch 2008 hatte Heldrungens Bürgermeister die dringend nötige Sanierung wegen 300.000 Euro blockiert.

Die Jugendherberge, die nach Angaben des Bauministeriums heute mit jährlich rund 12.000 Übernachtungen bei 52 Betten zu den am besten ausgelasteten Herbergen Thüringens zählt, soll künftig mehr als 100 Gäste aufnehmen können.

Dazu wurden zuerst die zuvor nicht genutzten Bereiche des Südflügels und des Hohen Hauses ausgebaut. Die jetzt erfolgte Sanierung des Nordflügels war der zweite Bauabschnitt. Als nächstes folgt der Westflügel. Die Sanierungsarbeiten werden bei laufendem Herbergsbetrieb durchgeführt.

Zur Geschichte:
Im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts entstand auf dem Areal zunächst eine hölzerne Fluchtburg (eine so genannte Motte, erste Erwähnung 1126).

1190 kamen die Herren von Heldrungen auf die Idee, dass eine steinerne Burganlage doch wohl etwas dauerhafter sei. 1479 kauft Graf Ernst II. von Mansfeld die Anlage. Sie wurde für die nächsten 140 Jahren zur Stammburg eines Zweigs der gräflichen Familie von Mansfeld (siehe Wappen).

Der Mansfelder erwies sich als ausgesprochen baubegeistert. Nach der Renovierung der Burg (1501) ließ er von 1512 bis 1518 das vierflüglige Renaissance-Schloss errichten. Um seinen Reichtum zu schützen, folgte nach 1519 der Bau von zwei massiven  Festungsgürteln mit zwölf Rondellen und zwei Wassergräben. Diese mussten „seine“ Bauern ausheben.

Auch mehrere Häuser des Orts mussten den Arbeiten weichen. Ihre Steine wurden kurzerhand in den Festungsbau integriert. Es sollte sich schon bald zeigen, dass die auf den ersten Blick paranoid-übertrieben wirkende Befestigung ihre Berechtigung hatte.

Die Wasserburg Heldrungen vor der Sanierung / Foto: Wikipdia/linzenzfrei

Die Gegend lag wenige Jahre später im Brennpunkt des Bauernkrieges. Und auf den bauwütigen Mansfelder hatten die geschundenen Bauern einen besonderen Hass. Die örtlichen Adeligen zogen sich auf dem Höhepunkt des Aufstands auf die Festung zurück, während das von Thomas Müntzer geführte Bauernheer heranzog, um die Anlage zu schleifen.

Die von den Adeligen erhoffte Wende kam spätestens am 15. Mai 1525 – ganz in der Nähe – mit der Schlacht bei Frankenhausen.

Den bei der Schlacht lebend gefangengenommenen Müntzer brachten die Söldner des Fürtstenheeres für zwölf Tage auf die Festung Heldrungen, wo er gefoltert wurde. Übrigens auf Befehl eines anderen Ernst II. von Mansfeld. Hier verfasste Müntzer seine letzten Schriften. Der Bergfried heißt heute Müntzerturm. Am 27. Mai 1525 starb der Theologe im nahen Mühlhausen durch das Schwert.

In den folgenden Religionskriegen war die Festung immer wieder umkämpft. Bereits im Schmalkaldischen Krieg kam es hier 1546 und 1547 zu Gefechten. 1621, der Dreißigjährige Krieg hatte schon begonnen, kaufte Kurfürst Georg I. von Sachsen Burg und Amt Heldrungen (siehe Wappen) den verschuldeten Mansfelder Grafen ab und besetzte es mit seinen Soldaten.

Innenhof der Burg Heldrungen heute
Innenhof der Burg Heldrungen heute

1632 waren die Kaiserlichen unter Graf Jean de Merode am Zug und eroberten die Festung. 1641 kam es erneut zu Kämpfen, bei denen der Ort bis auf sechs Häuser zerstört wurde. Im Januar 1645 belagerten die Schweden die Festung und nahmen sie nach heftigem Bombardement ein. Die Eroberer ließen die Gräben von 2000 Bauern zuschütten.

Nach den Wirren des Krieges ließ Herzog August von Sachsen von 1664 bis 1668 durch den Festungsbaumeister Johann Moritz Richter moderne, sternförmige Bastionen nach dem Vauban’schen System errichten, ähnlich der Spandauer Zitadelle. Schon wenige Jahrzehnte später begann die Anlage allerdings zu verfallen.

Nach dem Wiener Kongress fiel die Wasserburg an Preußen. Die Preußen wussten nicht allzuviel mit dieser Festung mitten im Land anzufangen und gaben sie 1860 auf. 1930 begannen dann erste Sanierungs-Maßnahmen.

Die DDR rettete ab 1974 Bastionen und Festungsringe vor dem Untergang. Das dürfte vermutlich zu einem großen Teil mit dem Thomas-Müntzer-Kult im Arbeiter- und Bauernstaat zu tun haben. Der Theologe wurde als früher Revolutionär gesehen, was an sich sicher richtig ist. Er prangte auf dem Fünf-Mark-Schein der DDR (Bild). Mühlhausen trug zwischen den siebziger Jahren und der Wende den Beinamen „Thomas Müntzer-Stadt“.

Nach 1990 folgte dann die nächste Sanierung. Heute ist vor allem das Innere der Anlage sanierungsbedürftig. Ein Zustand, durch den sich durch die Blockade des Heldrunger Bürgermeisters leider so schnell nichts ändern wird.

Mittlerweile gibt es auf dem Gelände ein Burgcafé, eine Thomas-Müntzer-Gedenkstätte und die Jugendherberge.



Lage: Wasserburg Heldrungen, Schlossstraße 13, 06577 Heldrungen

Links: Burgseite, eine nützliche Chronik findet sich bei Ein blaues Band durch Sachsen-Anhalt. Ein Beitrag mit vielen Fotos steht bei Harz-Saale.de

Bilder: Die Wappen (v. Mansfeld und Heldrungen) stammen ebenfalls aus Wikipedia.

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