Schloss Bedburg: Einst Ritterakademie für junge Adelige

Schloss Bedburg: Einst Standort der Rheinischen Ritterakademie
Schloss Bedburg: Einst Standort der Rheinischen Ritterakademie
Schloss Bedburg ist heute in Privatbesitz
Schloss Bedburg ist heute in Privatbesitz

Es war eine ganz besondere Schule, die 1842 im niederrheinischen, tief katholischen Bedburg öffnete: An der Rheinischen Ritterakademie sollte der (männliche) Nachwuchs adeliger Familien fit gemacht werden für Führungspositionen in Preußen und den anderen Staaten des zersplitterten Reichs.



Der Standort dieser Kaderschmiede der Blaublüter, Schloss Bedburg,  war entsprechend herrschaftlich: eine mittelalterliche Wasserburg, im 16. Jahrhundert umgebaut zum Renaissanceschloss.

1839 hatte der Schulträger, die „Genossenschaft des Rheinischen Ritterbürtigen Adels“ die Burg gekauft und zum Internat umbauen lassen. Hinzu kamen ein viergeschossiger Schultrakt und eine Kapelle.

Der Schulbetrieb startete mit 13 Schülern, um die sich acht Lehrer kümmerten. Ein Zahlenverhältnis, von dem heute selbst teure Privatgymnasien nur träumen können.

Das rechnete sich natürlich nicht, daher wurden ab 1851 auch Söhne aus gutbürgerlichem Haus aufgenommen, sofern sie gut katholisch waren. Die Zahl der Bürgerlichen überstieg die der jungen Adeligen bald bei weitem.

Die Akademie war zudem die einzige Schule, die zu diesem Zeitpunkt im Kreis Bedburg zum Abitur führte. Als „Oberdirektor“ der Lehranstalt fungierte „Ritterhauptmann“ Graf Johann Wilhelm von Mirbach-Harff, der die Idee zur Gründung hatte und sich die deren Satzung vom preußischen König persönlich hatte genehmigen lassen.


Teile der Fassade des Schlosses sind gerade eingerüstet
Teile der Fassade des Schlosses sind gerade eingerüstet

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Flucht des Kaisers war die elitäre Ritterausbildung nicht mehr so angesagt. 1922 ging die Schule in einem Bedburger Realgymnasium auf, das später nach Bergheim verlegt wurde (heute: Silverberg-Gymnasium). Auch die Spuren der Schülerritter schwanden, 2011 wurde der Internats-Trakt abgerissen.

Das Gebäude ist in Privatbesitz. Versuche des Eigentümers, es an die Stadt Bedburg zu verkaufen, scheiterten bislang an den veranschlagten Kosten für Erhaltungsmaßnahmen in Höhe von 12 Millionen Euro. Jahrelange Abbruch und Reparaturarbeiten sind im Juni 2013 beendet worden.

Nun wartet die Stadt auf Fördermittel, um die Neugestaltung des Vorplatzes in Angriff nehmen zu können. Bei einem Wettbewerb hatte der Vorschlag eines Architekturbüros aus Köln/Bonn das Rennen gemacht: Der Platz soll eine von Pflanzen gesäumte Kiesfläche werden und einen guten Blick auf das Schloss ermöglichen.

Ein Schild am Eingang weist zurzeit übrigens darauf hin, dass man im Schloss Wohnungen und Büros mieten kann.

Das Schloss an der Erft ist von einer öffentlich zugänglichen Parkanlage umgeben. Bis zum (völlig verschlafenen) Zentrum von Bedburg mit Kirche und Eiscafé sind es nur ein paar Meter.

Fotos: Burgerbe.de


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