Regensburgs Goliathhaus und der Goldene Turm

Das Goliathhaus in der Altstadt von Regensburg
Das frühgotische Goliathhaus in der Altstadt von Regensburg / Fotos: Burgerbe.de

Der Burgenbau war ein Privileg des Adels, neidisch beäugt von reichen Bürgerlichen. Um an das begehrte Sozialprestige zu kommen, bemühten sich wohlhabende Händler und Bankiers, in verarmte Adelsfamilien einzuheiraten und sich nebenher möglichst „ritterliche“ Stadtresidenzen bauen zu lassen.

Turm, trutzige Mauern und Zinnen natürlich inklusive.

In Norditalien schossen immer höhere Geschlechtertürme in die Höhe – in Süddeutschland entstanden als Gegenstücke Haustürme und regelrechte Patrizierburgen. Ein Beispiel dafür ist das Goliath-Haus im schönen Regensburg, das auch noch durch ein riesiges biblisches Wandbild auffällt.

Der ab 1220 gebaute Komplex gilt als Stammsitz der Familie Thundorfer. Deren berühmtester Vertreter Leo war von 1262 bis 1277 Bischof von Regensburg. Der Geistliche war baufreudig: 1270 fügte er der „Burg“ einen Turm hinzu. Und 1275 war er bei der Grundsteinlegung des Regensburger Dom-Neubaus dabei.

50 Meter hoch: Der Goldene Turm
50 Meter hoch: Der Goldene Turm

Bischof Thundorfer legte Wert auf christliche Bildung und stellte in seinem Haus Zimmer für reisende Theologiestudenten zur Verfügung, so genannte Goliarden. Mit der Zeit wurde die Goliarden-Herberde im Volksmund zum Goliathhaus. Liegt ja sprachlich irgendwie nahe.

Ein späterer Besitzer nahm die Namensgebung 1573 zum Anlass, den Maler Melchior Bocksberger mit der Anbringung eines riesigen Wandgemäldes an der frühgotischen Fassade zu beauftragen: Es zeigt den Kampf zwischen dem kleinen, fixen David und dem riesigen Lanzenträger Goliath. Die Spitze der Lanze reicht bis in den vierten Stock.

Die Symbolik ist wohl nicht nur biblischer Natur. Offenbar wollte der damalige Eigentümer – mutmaßlich aus der Händlerfamilie Tucher – auch auf seinen schlau geführten Kampf gegen die bräsige Konkurrenz hinweisen.

Vom mittelalterlichen Innenleben hat sich nichts erhalten 1897/98 wurde der Komplex entkernt und 1957/58 erneut umgebaut. Er beherbergt heute das 1990 gegründete Turmtheater Regensburg (6. Etage, 86 Plätze).

Der Goldene Turm in Regensburg. Der höchste Geschlechterturm nördlich der Alpen.
Der Goldene Turm in Regensburg. Der höchste Geschlechterturm nördlich der Alpen.

Adresse: Goliathhaus, Goliathstraße 4, 93047 Regensburg

Ein paar Meter vom Goliathhaus entfernt, an der Wahlenstraße 16, hat Regensburg auch einen Geschlechterturm zu bieten. Der Goldene Turm ist mit neun Stockwerken und 50 Metern Höhe das größte Exemplar seiner Art nördlich der Alpen. Er reiht sich brav in die Reihenhaus-Bebauung ein, was schon etwas überraschend aussieht.

Der Turm entstand ab 1260, verfügt über einen grünen Innenhof mit Anklängen an die Renaissance, und wird heute als Studentenwohnheim genutzt. Goliathhaus und Goldener Turm gehören zur Unesco-Welterbestätte Regensburger Altstadt.

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