Warnungen vor NRW-Kürzungsplan: „Eine Katastrophe für den Denkmalschutz“

Burg Linn: Ab 2015 kein Geld mehr aus dem Denkmalschutz-Fördertopf des Landes
Burg Linn: Ab 2015 kein Geld mehr aus dem Denkmalschutz-Fördertopf des Landes

Die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen plant, die Förderung für den Erhalt von Bau- und Bodendenkmälern sowie archäologische Grabungen von heute zehn Millionen Euro auf Null im Jahr 2015 herunterzuschrauben. Damit soll der Haushalt entlastet werden. Experten sind entsetzt und haben eine Online-Petition dagegen gestartet.

Auch Krefeld mit rund 1000 Denkmälern, darunter die mittelalterliche Burg Linn und das größte römisch-fränkischen Gräberfeld nördlich der Alpen, würde durch die Einschnitte hart getroffen. Für städtische Baumaßnahmen in diesem Jahr hat die Seidenstadt Denkmalschutz-Fördermittel von 250.000 Euro beantragt, teilt das Presseamt auf Anfrage hin mit. Krefelder Privatleute hoffen auf 20.000 Euro vom Land.

Dr. Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn warnt vor „einer Katastrophe für den Denkmalschutz“, sollte der Plan des Landes umgesetzt werden. Das Museum hat gerade angekündigt, ein Prunkstück seiner archäologischen Sammlung, den 1962 in Gellep gefundenen Goldhelm aus dem Grab des fränkischen Fürsten Arpvar, für eine Ausstellung an den Pariser Louvre zu verleihen. In der europäischen Museumszene eine Art Ritterschlag.

Wissenschaftliche Grabungen, die zu solch bedeutenden Funden geführt haben, werden ab 2015 in NRW wohl nicht mehr möglich sein – es sei denn Sponsoren springen ein. Es kommt aber noch schlimmer: Auch der Etat für Sicherungsgrabungen, etwa nach Funden bei Bauarbeiten, wäre gestrichen. „Was in den nächsten Jahren verloren geht, können wir danach nie mehr wiederherstellen“, mahnt Dr. Reichmann.

Burg Linn: Ein Wahrzeichen von Krefeld
Burg Linn: Ein Wahrzeichen von Krefeld

Das Linner Museum erhält aus dem Landesetat zurzeit eine jährliche Förderung von rund 22.000 Euro, womit Grabungshelfer, ein Vermessungsingenieur und ein FSJ’ler bezahlt werden. Dieses Geld fiele weg. Das Land ist in der Vergangenheit auch immer wieder eingesprungen, wenn es darum ging, dringend nötige Reparaturen an der Burg vorzunehmen.

Krefelds CDU-Fraktionschef Wilfrid Fabel hat nach Bekanntwerden der Pläne beim OB angeregt, die für Krefeld anstehenden Verschlechterungen aufzulisten und eine Resolution vorzubereiten. Darin würde der Rat die Landesregierung auffordern, von ihren Plänen Abstand zu nehmen, „um einen ansonsten zu befürchtenden Verfall des historischen und kulturellen Erbes in NRW und auch in Krefeld zu vermeiden“.

Im Internet läuft seit einigen Tagen eine Petition der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte gegen den Kürzungsplan. Sie hatte gestern 17.021 Unterstützer

Link zur Online-Petition

Dieser Text von mir ist am 17. April 2013 in der gedruckten Ausgabe des „Stadt Spiegel Krefeld“ erschienen.

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