Chateau Saint-Fargeau: Gerettet durch Historienspektakel

Massive Türme flankieren das Tor von Chateau Saint-Fargeau
Massive Türme flankieren das Tor von Chateau Saint-Fargeau

Wie macht man ein heruntergekommenes Chateau aus dem 15./17. Jahrhundert zum Besuchermagneten? Ein Schloss, das zudem derart abgelegen liegt, dass es unter Ludwig XIV. als Abschiebungsort für unerwünschte Herzoginnen diente.

Michael Guyot, Initiator des Guédelon-Burgbauprojekts, hat es bei Chateau Saint-Fargeau versucht. 1979 kaufte er das baufällige Gemäuer im Departement Yonne (Burgund), circa 40 Kilometer südlich von Auxerre. Ein Festival der Hochkultur wollte er ins Leben rufen – und scheiterte am mangelnden Interesse. Klassiker im Schlosshof wollte niemand hören.

Der Schlosshof
Der Schlosshof

Dann probierte er ein groß angelegtes Historienspektakel aus. Das erwies sich als Volltreffer. Im Sommer zeigen 600(!) Darsteller mit 60 Pferden und 20 Autos vor der Kulisse des Chateau ein „Spectacle Historique“ mit Szenen aus der ereignisreichen Geschichte des Schlosses.

Da kommen mittelalterliche Turnierreiter daher, die Zeitgenossen der Jeanne d’Arc schauen vorbei und auch die Ankunft der verbannten „Grande Mademoiselle“, Anne Marie Louise d’Orléans, Herzogin von Montpensier, aus dem Jahr 1653 wird gezeigt.

Höhepunkt ist der für Gänsehautattacken sorgende Einzug der Befreier vom Nazi-Regime, der GIs in ihren Jeeps und Pick-Ups unter den markigen Klängen von „Glory, Glory Hallelujah“.

So schaut das dann aus:

Das Fest ist inzwischen ein großer wirtschaftlicher Erfolg, der maßgeblich zum Erhalt des Schlosses beiträgt. Der Eintritt liegt bei 17 Euro für Erwachsene und 10 Euro für Kinder.

Nochmal die Frontseite
Nochmal die Frontseite

Eine Befestigung bestand an dieser Stelle schon vor dem Jahr 1000. Der älteste Teil des heutigen Schlosses stammt allerdings von 1453. Der fünfjährige Zwangsaufenthalt der Herzogin hatte für das Gebäude auch sein Gutes: Sie ließ es umfassend sanieren.

Ungewöhnlich ist die Form des Schlosses: Der Grundriss zeigt ein unregelmäßiges Fünfeck mit mächtigen Ecktürmen. Man kann das Schloss besichtigen, die Prunkgemächer der Großen Madame sind glanzvoll restauriert. Die beiden Türme am Eingang sollen als Vorbild fürs Entrée der nahen Guédelon-Burg gedient haben. Im Park ist eine Sammlung von Dampflokomotiven ausgestellt.

Der gegenüber der Burg gelegene Ort Saint-Fargeau mit seinem Stadttor und den engen Gässchen ist übrigens auch einen Besuch wert (Foto unten, man ist auch schnell durch).

Link: Seite der Burg und des Spectacle Historique (engl./frz.)

Lage: Le Chateau, 89170 Saint-Fargeau, France
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Der Torturm

Fotos: Burgerbe.de


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