Schloss Schwarzburg: Erinnerung an die Weimarer Verfassung

Das Zeughaus von Schloss Schwarzburg Foto: Wikipedia/Heideburg
Das Zeughaus von Schloss Schwarzburg
Foto: Wikipedia/Heideburg

Wo ist 1919 die erste deutsche Verfassung unterschrieben worden? In Berlin? Falsch. Die richtige Antwort lautet: Im thüringischen Schwarzburg – möglicherweise im Kaisersaal des dortigen Schlosses. Reichspräsident Friedrich Ebert weilte am 11. August 1919 im örtlichen Hotel Weißer Hirsch (existiert noch heute) zur Erholung – und unterschrieb die Weimarer Reichsverfassung eben gleich vor Ort, statt die Unterschrift aufzuschieben.

Wenn 2019 der 100. Jahrestag gefeiert wird, könnte das Schloss ein zentraler Ort sein, an dem an dieses für die deutsche Demokratie nicht ganz unwichtige Ereignis erinnert wird. Das hofft zumindest der Förderverein von Schloss Schwarzburg, der beim Land Thüringen einen Antrag gestellt hat, Schloss Schwarzburg bei der geplanten „Straße der Menschenrechte und der Demokratie“ zu berücksichtigen.

Die auch von der thüringischen Staatskanzlei verbreitete Geschichte von der Unterschrift unter die demokratische Reichsverfassung im Schloss Schwarzburg könnte übrigens einen Schönheitsfehler haben: Eventuell stimmt sie gar nicht.

Der heutige Direktor des Hotels, in dem der Reichspräsident damals übernachtete, schreibt: „Friedrich Ebert unterzeichnete die Weimarer Verfassung niemals auf Schloß Schwarzburg. Diese Information ist unrichtig. Die Unterzeichnung der Verfassung fand in einem Schwarzburger Hotel statt. Im Hotel Weißer Hirsch oder der damals dazu gehörenden Villa Schwarzaburg.“

Vom Schloss als dem Stammsitz des Hauses Schwarzburg-Rudolstadt sind heute jedenfalls noch besagter Kaisersaal, das Zeughaus und das Schlossgebäude übrig – letzteres in schlechtem Zustand, es wird bis 2015 aufwendig saniert. Das Ensemble ist heute im Besitz des Landes Thüringen.

Der heutige Zustand des Schlosses hat viel mit den Plänen der Nazis zu tun, die die Grundrechte der in Schwarzburg unterzeichneten Reichsverfassung bekanntlich als eine ihrer ersten Amtshandlungen außer Kraft gesetzt hatten.

Schloss Schwarzburg: Das Kaisersaalgebäude / Foto: Wikipedia/Heide
Schloss Schwarzburg: Das Kaisersaalgebäude / Foto: Wikipedia/Heideburg

NS-Stararchitekt Hermann Giesler sollte die Anlage zu einem pompösen Reichsgästehaus umbauen, das historische Zeughaus sollte zur Garage werden. Die Arbeiten begann mit dem Abriss von Neben- und der Entkernung des Hauptgebäudes – und wurden kriegsbedingt am 17. April 1942 auf Anordnung von Minister Albert Speer eingestellt. So wurde das Schloss zur Ruine.

Ein informativer Artikel zu den Plänen des rührigen Fördervereins für die künftige Nutzung des Schlosses ist in der Ostthüringer Zeitung erschienen: „Förderverein vor großen Aufgaben„. Der Förderverein sammelt zurzeit Geld für die Rückführung der fürstlichen Waffensammlung ins Zeughaus, die 2015 erfolgen soll.

Lage:  Schloss Schwarzburg,

Schlossstr. 5,
07427 Schwarzburg

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