Heute ist die Beningaburg ein Hotel mit Restaurant

Zerstörung der Beningaburg: Ostfriesen wollten keine Sachsen werden


Die Beningaburg in Dornum - stattliches Haus für den Häuptling.
Die Beningaburg in Dornum – stattliches Haus für den Häuptling / Fotos: Burgerbe.de

Ostfriesland – eine sächsische Provinz? Kann das gut gehen? Ist die Sprachbarriere überwindbar? Um das Jahr 1500 sah es tatsächlich so aus, als ob das reiche Sachsen sich dauerhaft bis zum Nordseestrand erstrecken könnte. Kaiser Maximilian I. hatte 1488 die friesische Statthalterschaft an Herzog Albrecht von Sachsen übergeben.

Die friesischen Häuptlinge wurden dabei nicht gefragt, waren entsprechend sauer und revoltierten.


Es entwickelte sich ein jahrelanger Krieg, die Sächsische Fehde. Eine nach der anderen wurden die friesischen Häuptlingsburgen erobert und zerstört. Das Land erlebte einen Vorgeschack der Verheerungen, die im folgenden Jahrhundert der Dreißigjährige Krieg bringen sollte.

Die „alten Buurgen“, die man heute in den schmucken Nordseeorten sieht, wurden im Lauf des 16. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Eine der Anlagen, die damals den Kriegszügen zum Opfer fiel, war die Beningaburg in Dornum.

Beningsburg: Den Wassergraben gibt es heute noch.
Beningsburg: Den Wassergraben gibt es heute noch.

Das Gemäuer soll um 1380 unter Häuptling Hero Attena als Wasserburg gebaut worden sein. Hinterm Deich herrschte gerade Burgen-Bauboom: Um 1400 gab es im kleinen Dornum noch zwei weitere befestigte Häuser: Wester- und Norderburg. Die Beningaburg wurde zur Unterscheidung erstmal Osterburg genannt.

Die Anlage wechselte in den folgenden Jahrzehnten in den Besitz der Familie Kankena. In diese Zeit fiel der Krieg gegen die Sachsen, der sich auch zu einem norddeutschen und inneer-ostfriesischen Konflikt entwickelte. 24 benachbarte Grafen und Herzöge versuchten, Stücke aus dem sächsischen Friesland herauszureißen – allen voran Graf Edzart I. Cirksena, Graf von Ostfriesland.

Er wurde dafür vom Kaiser mit der Reichsacht und vom Papst mit dem Kirchenbann belegt, was den Dickschädel aus Greetsiel aber nicht weiter störte. Kaum hatte er sich im Norden Ostfriesland gegen die Sachsen weitgehend durchgesetzt, griffen seine Nachbarn an.


Heute ist die Beningaburg ein Hotel mit Restaurant
Heute ist die Beningaburg ein Hotel mit Restaurant

1514 eskalierte die Auseinandersetzung. Graf Johann von Oldenburg stieß zusammen mit Häuptling Hero Omken gegen den Geächteten nach Norden, Richtung Nordsee vor. Vor dem Zugang zum Meer standen noch die drei Dornumer Burgen. Für Omkens Stammes-Truppen aus Harlingerland waren die verhältnismäßig kleinen Wasserburgen kein allzu großes Hindernis. Alle drei Anlagen wurden zerstört.

Letztlich behielt Edzart I. jedoch die Oberhand und konnte sich 1517 mit dem Kaiser und den wichtigsten Kontrahenten einigen (Zetler Friede. Die angesichts des ostfriesischen Chaos völlig genervten Sachsen hatten ihre Ansprüche inzwischen an den späteren Kaiser Karl V. verkauft und waren wohl froh, aus der Sache raus zu sein. Graf Edzart schlug sich die folgenden Jahre noch ergebnislos mit Häuptling Omken herum.

Die Burg ist von altem Baumbestand umgeben
Die Häuptlingsburg ist von altem Baumbestand umgeben

Die Überreste der Osterburg fielen derweil 1546 an den Benigna-Clan, der für den Wiederaufbau sorgte, die Burg fast 250 Jahre in seinem Besitz hatte und nachdem sie heute noch benannt ist. 1802 starb die letzte Benigna-Nachfahrin. Seit 1817 ist die Backstein-Burg in bürgerlichem Besitz.

1971 erwarb der Dornumer Kaufmann Erich Appelkamp den Besitz. Die Restaurierung und Umgestaltung zum Hotel nahm fast acht Jahre in Anspruch. Seit Ende 2009 die Familie Janßen Hotel mit Restaurant und Teestube, Motto: „Residieren wie die friesischen Häuptlinge“. Der Ahnensaal, wo man unter den Augen der porträtierten Altvorderen ein „Häuptlings-Mahl“ zu sich nehmen kann, fasst Gesellschaften von bis zu 80 Leuten.

Lage: Beningalohne 2, 26553 Dornum

PS: Wenn man schon mal in der Gegend ist, kann man sich auch gleich die malerische Evenburg in Leer ansehen.

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