Krefeld: Das Weiße Haus am Von der Leyen-Platz


Stadtschloss Krefeld
Stadtschloss Krefeld / Fotos: Burgerbe.de

Die Geschichte der Seidenbarone der Familie von-der-Leyen ist eng mit der niederrheinischen Stadt Krfeld verbunden. Das sieht man auch baulich. Conrad von der Leyen ließ seinen Baumeister Martin Ledel von 1791 bis 1794 in der Nähe des Stadtzentrums ein repräsentatives, strahlend weißes Schloss errichten.

Das säulengeschmückte Gebäude im Stil des rheinischen Klassizismus sollte bald nur noch das Stadtschloss genannt werden. Es sieht dem Weißen Haus in Washington ähnlich, ist allerdings viel größer.

Den Textilfabrikanten ging es bestens: Ihre exzellenten Beziehungen zum Preußischen Staat hatten ihnen das Monopol zur Seidenherstellung für den Raum Krefeld eingebracht. Die halbe Stadt arbeitete in den Fabriken des Barons.

Nachts wird das Krefelder Rathaus angestrahlt
Nachts wird das Krefelder Rathaus angestrahlt

Kaum war das Schloss fertig, standen auch schon die französischen Revolutionstruppen auf der Matte. Nach einigen unfreundlichen Szenen arrangierten sich die von der Leyens mit den neuen Machthabern – und profitierten von der Auflösung des Kirchenbesitzes.

Dabei erwarben sie das kriegsgeschädigte Gut Schloss Bloemersheim (bei Neukirchen-Vluyn) als neuen Stammsitz der Familie und das frühere Kloster Haus Meer (heute Meerbusch).

Das Stadtschloss blieb noch einige Jahrzehnte in Familienbesitz und wurde dann 1860 von der Stadt Krefeld gekauft, die es bis heute als Rathaus nutzt. Einer teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg folgte schnell der Wiederaufbau im alte Stil. 1923 stürmten rheinische Separatisten das Rathaus.

Es gab Tote und Verletzte. Eine Bronzetafel auf dem Balkom im ersten Stock erinnert an einen bei der Verteidigung umgekommenen Polizisten.

Um Platz für die Beamten zu schaffen, wurde das Gebäude nach dem Krieg noch um einen hässlichen Anbau (Südflügel) ergänzt. Krefeld-Besucher können das Rathaus eigentlich nicht verfehlen: Sie müssen nur nach dem Von-der-Leyen-Platz fragen.


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