Die wiederentdeckten Mini-Aborte von Schloss Strünkede

Schloss Strünkede in Herne / Foto: Wikipedia / Frank Vincentz / CC-BY-SA 4.0
Schloss Strünkede in Herne / Foto: Wikipedia / Frank Vincentz / CC-BY-SA 4.0

Welche Entdeckung auf einer deutschen Burg könnte man wohl mit Fug und Recht als archäologische Sensation bezeichnen? Auf Schloss Strünkede im Ruhrgebiet, der Heimat von Currywurst-Rot-Weiß und jeder Menge Industriekultur, liegt die Latte recht niedrig.

Das Portal „Der Westen“ fabuliert ernsthaft von einer „archäologischen Sensation“, weil auf Schloss Strünkede in Herne-Baukau zwei kurz vor dem Ersten Weltkrieg zugemauerte halbmeterbreite Toilettennischen freigelegt worden sind (vermutlich aus dem späten 16. Jahrhundert). Daneben wird ein Foto des örtlichen Denkmalpflegers gezeigt, der die Funde „bewundert“.

Foto: Wikipedia/Sir Gawain/CC BY 3.0 DE

Die schmalen Aborte waren mit Zement und Unrat verstopft. Die Bauarbeiter hatten leere Zementsäcke und eine Zeitung von 1912 hinterlassen. Dass es die Nischen in der Wand der ersten Etage gibt, hatten Angestellte des dortigen Museums schon länger vermutet.

Interessant: In beiden Plumpsklo-Nischen ist eine Aussparung zum Hineinstellen einer Kerze vorgesehen. Für den Fall, dass Schlossbewohner mal des Nächtens von einem dringenden Bedürfnis geplagt werden.

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Im Wasserschloss Strünkede, das seit 1948 der Stadt Herne gehört, befindet sich das Emschertal-Museum. Im ersten Stock wird eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte von Herne gezeigt. Die Etage wird gerade umgebaut. Dabei waren die Nischen entdeckt worden.

Der Fund ist nicht einmal besonders einzigartig: Im Museum Burg Linn in Krefeld wird gerade ein „Komfort-WC für die Rittersleut“ gezeigt. Es stammt von der ehemaligen mittelalterlichen Burganlage Haus Rath in Krefeld-Elfrath (Link zum Artikel der Westdeutschen Zeitung).

Während des Frühlings und Sommers 2018 machte Schloss Strünkede dann durch eine Aktion des ghanaischen Künstlers Ibrahim Mahama Schlagzeilen. Dieser verpackte das Schloss in Christo-Art in zusammengenähte Jutebeutel aus dem Bergbau. Die Aktion ist eine Anspielung auf das Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland.

Links
Die eigenwillige Berichterstattung von „Der Westen“ kann man hier nachlesen: „Sensationsfund auf Schloss Strünkede
Wer sich weniger reißerisch über Entdeckungen der NRW-Landesarchäologie informieren möchte, dem sei das Jahrbuch des Rheinischen Amts für Denkmalpflege empfohlen (Link).
Der WDR zur Jutesack-Aktion: „Schloss Strünkede verhüllt



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