Burg Schreckenstein gibt’s wirklich

Schreckenstein_buch
27 Bände ist die Burg Schreckenstein-Reihe stark

Ich habe in den Achtziger Jahren immer wieder die Bücher über die Jungen von Burg Schreckenstein von Oliver Hassencamp verschlungen. Was für spannende und mitreißende Geschichten über eine verschworene Gemeinschaft auf einer Burg: Weit weg von Pubertät, Geld- und Jobsorgen, ganz damit beschäftigt, Streiche auszuhecken, hochanständig zu sein – und möglichst große Portionen Dampfnudeln zu vertilgen.

Wunderbar konnte man sich in die Rollen der selbsternannten „Ritter“ hineinträumen und ihren Abenteuern auf und um Burg Schreckenstein (mit Folterkammer und klapprigem Gruselskelett hinter der Geheimtür) und dem Mädcheninternat Schloss Rosenfels folgen.

Ich habe alle Bände noch im Keller. Mein Lieblingsroman ist dabei die Exkursion ins verspukte Partner-Internat in Schottland. Haggis statt Dampfnudeln, quasi.



Doch wo liegt sie, diese Burg Schreckenstein, wo kann man seinen Nachwuchs bei den „Mini-Rittern“ anmelden? Oliver Hassencamp nennt als nächste Orte das fiktive Wampoldsreuthe und Neustadt (deren gibt es leider viele).

Einiges deutet auf das burgenreiche Oberschwaben als Ort der Handlung. Hassencamp war selber Schüler im Nobel-Internat Schloss Salem am Bodensee und dessen Dependance Burg Hohenfels, woher er wohl die eine oder andere Anregung mitnahm.

Burg_Střekov
Die „echte“ Burg Schreckenstein in Tschechien an der Elbe  Foto: Wikipedia/Timmy1605/CC BY-SA 3.0

Eine Burg Schreckenstein gibt es in Schwaben zwar nicht, aber wer ein paar Kilometer hinter die Tschechische Grenze fährt, wird in Usti nad Labem (Aussig an der Elbe) fündig. Die frühere Burg Schreckenstein auf einem 100 Meter hohen Felsen über der Elbe heißt heute allerdings Burg Střekov und ist nur noch Ruine.

Das mittelalterliche Gemäuer mit seinem weithin sichtbaren Bergfried hat eine interessante Geschichte. Die 1319 erstmals erwähnte Burg sollte die Schifffahrt auf der Elbe schützen. Sie ist seit 1601 (mit Unterbrechung zur Zeit der Kommunisten) im Besitz der Familie von Lobkowitz, die sie bereits im 17. Jahrhundert verfallen ließ. Nach mehrfachen Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg war wohl eh nicht mehr viel Erhaltenswertes vorhanden.

Diverse Künstler haben sich in der Romantik an der Ruine abgearbeitet. Caspar David Friedrich malte sie, und Richard Wagner ließ sich im 1830 eröffneten Burggasthof zu Sequenzen für den Tannhäuser inspirieren.

Adrian Ludwig Richter: Überfahrt am Schreckenstein (1837). Foto: Yorck-Project/Public Domain
Adrian Ludwig Richter: Überfahrt am Schreckenstein (1837). Foto: Yorck-Project/Public Domain

Der malerische Blick ins Elbtal mit der Burg ist seit den 1920er Jahren und dem Bau einer Staustufe für die Elbe-Moldau-Regulierung übrigens weitgehend zerstört.

Konflikte zwischen den Erfordernissen der Technik und dem Denkmalschutz, bei denen am Ende die historische Bausubstanz den Kürzeren zieht, gab es also auch damals schon (heute geht es eher um Windräder im Sichtfeld von Burgen oder Burg-Aufzüge).

Das Rätsel um die Lage und das weitere Schicksal der Romanburg Schreckenstein wird wohl nicht mehr gelöst. Hassencamp starb 1988 unverschuldet bei einem Autounfall, bevor er die Schreckenstein-Reihe zu Ende bringen konnte.

Als nächstes sollen „Die Ritter von Burg Schreckenstein“ übrigens ins Kino kommen.

Foto Buchcover: Amazon Die Jungen von Burg Schreckenstein: Jubiläumsausgabe

Eine Folge aus der Zeit, als man im Burginternat der Star war, wenn man einen „Kassettenrekorder mit coolem Sound“ dabei hatte, ist als Hörbuch bei Youtube online:

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