Burg Bodenstein: Nach blutiger Geschichte heute ein Heim für Familienerholung

Burg Bodenstein / Foto: Wikipedis/pixlux.de
Burg Bodenstein / Foto: Wikipedia/pixlux.de/CC-BY-SA 2.5

Wo im frühen Mittelalter die Stämme der heidnischen Franken und christianisierten aber dennoch recht rohen Sachsen aneinander grenzten und gelegentlich Horden gewaltbereiter Ungarn hindurchdurchritten, drohte naturgemäß ständig Ärger. Als Festung in einem solchen Gebiet entstand Burg Bodenstein im thüringer Eichsfeld beim Ort Wintzigerode. 1209 wird sie erstmals urkundlich erwähnt.

Die Geschichte der Anlage war wechselhaft und zuweilen blutig. Bei einem Streit über die Lehenshohheit eroberte der protestantische Berthold XI. von Wintzingerode die Burg mit Hilfe von 2000 Mann zurück. Die Familie war früh zum evangelischen Glauben übergewechselt, was ihre jesuitischen Gegner reichlich erzürnte.



Berthold wurde in einem Hinterhalt ergriffen und zu einem Schauprozess ins katholischen Mainz geschleppt, in dem er wegen eines Tötungsdelikts schlechte Karten hatte. In einem fadenscheinigen Verfahren wurde der Burgherr zum Tode verurteilt und enthauptet. Doch der Familie gelang es, Burg Bodenstein in ihrem Besitz zu halten.

Innenansicht der Kapelle von Burg Bodenstein  / Foto: Wikiepdia/pixlux.de
Innenansicht der Kapelle von Burg Bodenstein / Foto: Wikiepdia/pixlux.de

Auch sein Nachfahre Karl Friedrich Levin von Wintzingerode fürchte 1848 zeitweise um sein Leben. Als langjähriger Abgeordneter des Preußischen Vereinigten Landtags konnte er sich nicht so recht zwischen Hochkonservatismus und ständischer Liberalität entscheiden und fürchtete den Aufstand der Demokraten so sehr, dass er sich aus Bodenstein absetzte.

Im Nachhinein gesehen hätte Wintzingerode auch bleiben können. Übrigens war er auch ein begnadeter Komponist. Die Notenblätter seiner 40 Musikstücke wurden allerdings beim Brand der Anna-Amalie-Bibliothek vernichtet.

Während des Dritten Reiches engagierte sich Burgherrin Gisela Gräfin von Wintzingerode (eine Geborene von der Schulenburg) in der Bekennenden Kirche gegen den Versuch der Nationalsozialisten, auch die Protestanten gleichzuschalten.

Unter sowjetischer Besatzungsherrschaft wurde die Adelige sofort enteignet. Sie schaffte es aber 1947, die in den Kriegswirren geplünderte Anlage an die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen zu übertragen (ein ziemlich bemerkenswerter Vorgang für die damaligen Verhältnisse in der kirchenfeindlichen sowjetischen Zone).

Unter dem SED-Regime betrieb die Kirche dort ein Erholungsheim und bildete Mädchen vordiakonisch aus. Nach einer umfassenden Sanierung wird die Burg heute als evangelische Familienerholungs- und Begegnungsstätte genutzt. Im Jahr 2012 zählte man stolze 17.000 Übernachtungen.

Es gab 6000 Tagesgäste, die zu Konzerten oder andern Veranstaltungen kamen, und über 6000 Personen, die an Führungen teilnahmen, schreibt die Thüringer Allgemeine.

Weiterlesen:
Link zur Homepage der Burg
Link zum ausführlichen Wikipedia-Eintrag
Mehr zur Burg auf der Seite „Ausflugsziele im Harz“: „Burg Bodenstein

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