Der U-Boot-Bunker in Brest nach dem Angriff im August 1944 - fotografiert von der Royal Air Force / Wikipedia, Public Domain

Brest: Der größte U-Boot-Bunker des Krieges

Der größte deutsche Bunker des Zweiten Weltkriegs stand nicht in Berlin, Hamburg oder Bremen, sondern in Brest an der französischen Atlantikküste. Aus dem gewaltigen U-Boot-Bunker operierten von 1941 bis September 1944 die 1. und 9. U-Boot-Flottille, deren Boote der Typen VII C und VII im Nordatlantik Jagd auf alliierte Geleitzüge machten.

Der Bunker-Gigant hat die Maße 330 x 190 Meter und eine Stahlbeton-Decke von sechs Meter Dicke (zum Vergleich: Der riesige U-Boot-Bunker der Kriegsmarine im Hafen von St. Nazaire ersteckt sich „nur“ über 300 x 130 Meter).

Der Bunker in Brest war zum einen eine Art „U-Boot-Garage“: Bis zu 15 Boote konnten in die fünf „Nassboxen“ einfahren – und den Bunker auch schnell wieder verlassen. Gelegentlich schafften es auch japanische U-Boote, Brest anzulaufen.

Der Bunker in Bres heute von der Seeseite / Foto: Wikipedia/Thomas Philipp
Der Bunker in Brest heute von der Seeseite / Foto: Wikipedia/Thomas Philipp / CC BY-SA 3.0 / Foto oben: Der U-Boot-Bunker in Brest nach dem Angriff im August 1944 – fotografiert von der Royal Air Force, Public Domain

Neben den Nassboxen gab es noch zehn eingebunkerte Trockendock-Plätze – unverzichtbar zur Reparatur beschädigter Boote. Zum Bunker gehörten noch diverse Docks und ein eigenes Heizkraftwerk. Rund 1000 Mitarbeiter der AG Weser-Werft kümmerten sich um die Tauchboote.

Nachdem den alliierten Invasionsstreitkräften in der Normandie der Durchbruch durch die deutschen Linien gelungen war, wurde Brest abgeschnitten und zur Festung erklärt. Die Angriffe auf die Basis wurden jetzt heftiger – und auch die sechs Meter dicken Decken der Bunker boten keinen ausreichenden Schutz mehr: Am 5. August 1944 griffen 15 Lancaster-Bomber der 617. Staffel die U-Bootbunker an.

Sie erzielten sechs Volltreffer mit 5,2 Tonnen schweren Tallboy-Bomben, die die Decke durchschlugen. Eine Lancaster wurde abgeschossen. Die Kriegsmarine bemühte sich daraufhin verzweifelt, die Decken ihrer Bunker an der Atlantikküste zu verstärken.


U-Boot-Bar in Brest
U-Boot-Bar in Brest / Foto: Burgerbe.de

Heute wird die Anlage, etwa drei Kilometer von Stadtzentrum und Chateau Brest entfernt, von der französischen Marine genutzt. An den Kais liegen reichlich Kriegsschiffe. Es werden Führungen durch die Basis angeboten (EU-Bürger brauchen keine Anmeldung). Fotografieren ist auf der Marinebasis nicht erlaubt. Allerdings sind die Bunkeranlagen auch gut von der Route de la Corniche und dem Parkplatz der Basis aus zu sehen.

Netterweise haben die Franzosen hier keinen Sichtschutz aufgebaut, sondern nur eine langen, weißen Metallzaun. Ich habe mit die Bunker auch nur von außen angesehen. Tipp: Einen besseren Eindruck bekommt man in St. Nazaire, wo U-Boot-Boxen und Schleusenbunker zugänglich und „mitten in der Stadt“ sind.

Die U-Boot-Zellen von der Seeseite aus / Foto: Wikipedia/Rama
Die U-Boot-Zellen von der Seeseite aus / Foto: Wikipedia/Rama / CC BY-SA 2.0 FR

Die Gegend ist ziemlich hässlich. Eine pittoreske Hafen-Altstadt sucht man hier vergeblich. Das liegt auch daran, dass Bombenangriffe auf die Bunkeranlagen die umliegenden Wohngebiete in Schutt und Asche gelegt haben. Was man heute gegenüber der Marinebasis sieht, sind Neubauten im Stil der 50er und 60er Jahre. Immerhin gibt’s auch eine „U-Boat-Bar“. Mir sind durch den Zaun keine guten Fotos gelungen. Bilder und weitere Infos zum Bunker findet man bei Explorermagazin.de, einige Fotos gibt’s auch hier (Militaria-Fundforum).

Bei Youtube findet sich ein US-Wochenschau, die den Bunkerkomplex während des Lancaster-Angriffs und kurz nach dem Fall von Brest zeigt, wobei man die Schäden der Tallboy-Attacke gut erkennen kann:

Empfehlenswert in Brest ist ein Besuch des Chateau am Hafen mit dem nationalen Marinemuseum (interessante Festung, Schiffsmodelle, alte Fotos der dampfenden Stahlkolosse aus der Dreadnought-Ära).

Kleinst-U-Boot Seehund im Marinemuseum Chateau Brest / Foto: Burgerbe.de
Kleinst-U-Boot Seehund im Musée national de la Marine im Chateau de Brest / Foto: Burgerbe.de

Dort ist auch ein deutsches Mini-U-Boot vom Typ XXVII B Seehund (mit der Nummer S 622) ausgestellt. Es ist eines von vier Booten, die die französische Marine nach dem Krieg unter eigener Flagge in Dienst stellte und bis August 1953 nutzte.

Die ab September 1944 eingesetzten Kleinst-U-Boote mit zwei Mann Besatzung und einer Reichweite von circa 270 Seemeilen erwiesen sich in den flachen Gewässern von Nordsee und Kanal als äußerst effektives Waffensystem, das vom Asdic der Alliierten nicht zu orten war.

Die Seehunde konnten allerdings nur 45 Minuten lang unter Wasser bleiben. Bei 142 Einsätzen der etwa 70 ausgelieferten Boote gingen 35 von ihnen verloren. Die Seehunde versenkten eine Tonnage von 17.300 Bruttoregistertonnen. Wie viele Matrosen dabei starben, ist nicht überliefert.

Die Stadt Brest ist den Deutschen ansonsten bekannt als Geburtsort von Winnetou-Darsteller Pierre Brice (1929-2015).

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