Typische Bewaffnung eines fränkischen Fürsten der Merowingerzeit: Spatha, Sax, Franziska, Spangenhelm und Schildbuckel / Foto: Germanisches Nationalmuseum / gemeinfrei

Frühe Burgen als Schutz vor den Nachbarn mit der Streitaxt

Die Axt von Mammen / Bild: Wikipedia/Stefan Bollmann / Foto oben: Bewaffnung eines fränkischen Fürsten der Merowingerzeit: Spatha, Sax, Franziska, Spangenhelm und Schildbuckel / gemeinfrei

Der Zusammenbruch des Römischen Reichs war eine ziemlich unangenehme Zeit. Plündernde Horden raub- und landgieriger Barbaren durchstreiften die verhältnismäßig wohlhabenden Gebiete Westeuropas, die Jahrhunderte lang unter der mehr oder weniger stabilen Pax Romana gelebt hatten.

Städte waren gezwungen, in Windeseile Mauern zu errichten und sich mit dem jeweiligen Warlord – suboptimale Tischmanieren hin oder her – zu arrangieren.

In Skandinavien sind in dieser Zeit (zwischen den Jahren 400 und 600) zwei Entwicklungen zu beobachten: Gehöfte auf Hügeln werden mit Steinwällen zu Ringwallanlagen befestigt und so zu frühmittelalterlichen Burg-Vorläufern – und die Streitaxt kommt in Mode.

Die jungen Historikerin Ingrid Ystgaard sieht zwischen diesen Ereignissen einen Zusammenhang und hat dazu eine Doktorarbeit verfasst. Darüber berichtet NordicScience.

Ihre These: Mit dem Zusammenbruch des Römerreichs brechen auch im von Rom unabhängigen Skandinavien alle zivilisatorischen Dämme. Es beginnt eine Zeit des „jeder gegen jeden“.

Das bringt auch eine Veränderung der Waffentechnik mit sich, die zuvor von den Römern geprägt war. Deren Standardbewaffnung war auf die Erfordernisse einer gut organisierten Armee ausgelegt: Wurfspeere, große Schilde, Rüstungen und kurze Schwerter sind am effektivsten, wenn sie von einer zahlenmäßig starke, gemeinsam agierenden Gruppe von Soldaten eingesetzt werden.

Auf sich allein gestellt, hat ein schwer gepanzerter römischer Soldat damit eher schlechte Karten.

Wenn sich die Großverbände nun auflösen, und die Militärtaktik in Richtung auf Guerilla-Aktionen – Hit-and-Run-Aktionen gegen Nachbarorte – hinausläuft, muss eine neue Waffe her, mit der eine Gruppe Einzelkämpfer gegen Krieger mit traditionell-römisch geprägten Waffen viel Schaden anrichten konnten: Der Siegeszug der Streitaxt konnte beginnen.


Die weiter südlich herumrandalierenden Nachbarn der Skandinavier, die völkerwandernden Franken wussten die schlanke, rohstoffsparend herzustellende Axt ebenfalls zu schätzen. Sie setzten allerdings eher auf die Franziska genannte Wurfaxt.

Die Aufsplitterung der skandinavischen Bevölkerung in sich eifrig bekriegende Mini-Gruppen erklärt auch den Bau der vielen Steinwälle. 200 Jahre lang verschanzten sich Clans hinter diesen hastig aufgeworfenen Mauern. Dann verfielen die Wälle wieder, während die Streitaxt gern genutzte Waffe der Nordmänner blieb.

Diese Entwicklung erklärt Ystgaard damit, dass der Kleinkrieg irgendwann von selbst dadurch endete, dass die meisten Häuptlinge Streitaxtschlägen zum Opfer gefallen waren, und einige verbliebene Warlords das Land unter sich aufteilten.

Dadurch wurde es wieder sicherer. Man musste nicht mehr befürchten, in der kommenden Nacht vom axtschwingenden Nachbarn überfallen zu werden und konnte auf die Pflege der hinderlichen Steinwälle verzichten.

200 Jahre später machten die Nordmänner dann ohnehin andere Ziele für ihre Streitäxte aus: Mit dem Überfall auf das Kloster Lindisfarne begann 793 die große Zeit der Wikinger.

Zum Weiterlesen hier im Blog: „Womit kämpften Franken? Schwert von Burg Linn im 3D-Scan

Und hier geht’s zum Artikel in NordicScience

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