Feuer auf Burgen: Nicht nur im Mittelalter eine tödliche Gefahr

Feuer auf Burg Krásna Hôrka im März 2012 / Bild: Screenshot Spiegel Online
Feuer auf Burg Krásna Hôrka im März 2012 / Bild: Screenshot Spiegel Online

Zwei Jungen mit Neugier auf Zigaretten, eine Schachtel Zündhölzer und ein dichtbewachsener Hang mit trockenem Gras am Fuß einer Burg: Eine Mischung, die zur Katastrophe führen kann. Im März vergangenen Jahres soll so (nach Angaben der slowakischen Behörden) der verheerende Brand von Burg Krásna Hôrka begonnen haben.

Erst entzündete ein weggeworfenes Zündholz das Gras, Funken sprangen auf das hölzerne Schindeldach der Festung aus dem 14. Jahrhundert über. Bald stand der Dachstuhl des ersten Gebäudes in Flammen, der Brand griff auf die darüber liegenden Dächer über.



Fieberhaft räumten Museumsangestellte, Anwohner und Feuerwehrleute Ausstellungsstücke aus dem früheren Andrassy-Adelssitz, darunter die Mumie der früheren Burgherrn-Gattin Gräfin Žofia Serédy. Ein Großteil der Objekte konnte gerettet werden, aber die bei Touristen beliebte Anlage brannte weitgehend aus.

Und das nur ein Jahr, nachdem sie umfassend saniert wiedereröffnet worden war. Nun laufen langsam die Restaurierungsarbeiten an.

In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 2013 stand dann das Schloss von Riga, Residenz des lettischen Präsidenten, in Flammen. Es wurde gerade renoviert.

Dach und zwei Etagen des Wahrzeichens der lettischen Hauptstadt – einer 700 Jahre alten einstigen Burg des Schwertbrüderordens – wurden schwer beschädigt. Mit einem Helikopter warf die Feuerwehr Wasser ab, während sie versuchte, im Schloss ausgestellte Bestände des lettischen Nationalmuseums zu retten. Die Brandursache ist noch unklar.

1872: Das Düsseldorfer Schloss brennt. Bild von August von Wille (Bild: Wikipedia, Urheberrecht erloschen)
1872: Das Düsseldorfer Schloss brennt. Bild von August von Wille (Bild: Wikipedia, Urheberrecht erloschen)

Feuer war und ist bis heute eine der größten Gefahren für Burgen und Schlösser. Das Holz in Dachkonstruktionen, Wänden und Böden hatte jahrhundertelang Zeit zu trocknen. Inneneinrichtungen voller Textilien wie Wandteppichen und Holzmöbel, bietet einem Brand schnell ausreichend Nahrung. Es gibt kaum eine Burg oder ein älteres Schloss, die in ihrer Chronik auf kein verheerendes Feuer zurückblicken können.

In vielen Fällen endete die Geschichte eines einstmals prächtigen Baus mitten in Friedenszeiten im Flammeninferno. Erinnert sei an das von Heinrich Heine in Versform (im „Schelm von Bergen“) verewigten Düsseldorfer Residenzschloss, das 1872 ein Raub der Flammen wurde.

Brände, die sich nicht schnell mithilfe einer Eimerkette löschen ließen, wuchsen sich in der Geschichte fast immer zu Großfeuern aus, die die betroffenen Anlagen bis auf die Grundmauern zerstörten. Fehlt einmal das Dach tun Regen und Frost schell ein Übriges.

In Heidelberg wird dreimal im Jahr mit einem spektakulären Feuerwerk  an zwei verheerende Schlossbrände erinnert. 1689 und 1693 legten Soldaten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Feuer an den majestätische Bau über dem Neckar, der bis heute weitgehend als Ruine im Land.

Bei der daran anknüpfenden „Heidelberger Schlossbeleuchtung“ tauchen bengalische Leuchtfeuer die fensterlosen Mauern langsam in einen geheimnisvollen roten Schein.  Danach beginnt ein Feuerwerk über dem Neckar, das an eine Fürstenhochzeit erinnert.

Oktober 1961: Verheerender Brand auf Borg Trausnitz / Bild: Screenshot www.burg-trausnitz.de
Oktober 1961: Verheerender Brand auf Burg Trausnitz / Bild: Screenshot www.burg-trausnitz.de

Auch in der Zeit der Feuerwehren mit Hochdruckpumpen – und ganz ohne kriegerische Sonnenkönige – bleibt die Gefahr real. Zu einem der spektakulärsten Burgbrände der Bundesrepublik wurde in einer  Oktobernacht von 1961 ein Großfeuer auf Burg Trausnitz in Landshut. Auf der Homepage der Burg findet sich eine lebendige Schilderung des Brands und der Löscharbeiten:

Zunächst scheint der Erfolg nahe zu liegen, doch das Feuer schwelt in den unkontrollierbaren hölzernen Zwischenböden der Geschosse weiter. Es verschafft sich in einer Art Explosion Luft. Im gleichen Augenblick ist der Fürstenbau ein Flammenmeer.

Löschzüge der Berufsfeuerwehren München und Regensburg eilen zu Hilfe, THW, Bundeswehr und Bayerisches Rote Kreuz rücken an. Das Innere des Fürstenbaus stürzt brennend ein. Der St. Georgs-Rittersaal über der Kapelle brennt aus.“

Burg Trausnitz wurde nach dem Brand von 1961 umfassend restauriert. Foto: Burgerbe.de
Burg Trausnitz wurde nach dem Brand von 1961 umfassend restauriert. Foto: Burgerbe.de

Die Wehrleute konnten noch wichtige Archivalien des Hauptstaatsarchivs in Sicherheit bringen. Sie mussten sich zwischen zusammenstürzenden Kaminen zum Brandherd vorkämpfen. Ein Feuerwehrmann verlor dabei sein Leben. Erst am nächsten Tag konnte der Brand vollständig gelöscht werden. Die Schäden erwiesen sich als verheerend. Die Trausnitz war quasi über Nacht zur Ruine geworden. Was nicht zerstört wurde, wie die reich bemalte Narrentreppe, ist nun sanierungsbedürftig. Als Ursache wurde später ein vergessener Tauchsieder ausgemacht.

Nach dem Brand mussten die Mauern gesichert und schnell wieder überdacht werden. Die Restaurierungsarbeiten sollten 15 Jahre dauern: „1968 werden die wiederhergestellten Erdgeschossräume, Kapelle, Alte und Neue Dürnitz, wieder zur Besichtigung freigegeben. 1973 folgen die Räume der beiden Obergeschosse, 1975 der Weiße Saal mit seinen Nebenräumen sowie eine Burgschänke im Kellergeschoss des Fürstenbaus„, berichtet die Burg-Homepage.

Der Innenhof von Burg Trausnitz / Foto: Burgerbe.de
Der Innenhof von Burg Trausnitz / Foto: Burgerbe.de

Heute präsentiert sich Burg Trausnitz wieder als ein üppiges, liebevoll erhaltenes Stück niederbayerischer Burgengeschichte mit Anklängen an die italienische Renaissance, das man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man mal zufällig in der Gegend ist. Das Burggelände ist zugänglich, die Burg selbst beherbergt eine Kunst- und Wunderkammer (und die empfehlenswerte Burgschänke).

Auf die Einhaltung des Brandschutzes wird natürlich streng geachtet…

In der ehemaligen DDR sorgte im April 1982 ein Großbrand in der Veste Heldburg für Aufsehen, bei dem der Französische Bau ausbrannte und der Heidenbau schwer beschädigt wurden. Auf der Burg war zu diesem Zeitpunkt ein Sonderschulheim untergebracht: Die Kinder entkamen unverletzt.

Die Heldburg wird zum Deutschen Burgenmuseum
Ein Großbrand verwüstete 1982 große Teile der Veste Heldburg / Foto: Burgerbe.de

Auslöser soll Funkenflug aus einem der Kamine gewesen sein, der die Holzkonstruktion des schadhaften Dachs in Brand gesteckt haben könnte.  Der Wiederaufbau wurde 1990 als gemeinsames Projekt von Thüringer und Bayerischer Denkmalpflege in Angriff genommen. Die Restaurierung des Heidenbaus ging erst 2012 zu Ende.

Der letzte große Schlossbrand in Deutschland liegt nur ein paar Jahre zurück. Im Juli 2009 vernichtete ein Feuer mit bis zu 30 Meter hohen Flammen Teile von Schloss Oberschüpf bei Boxberg im Main-Tauber-Kreis. Sogar der Schlossturm stürzte ein.

Obwohl in dem Renaissance-Schloss am Brandtag ein Fest stattfand, wurde glücklicherweise niemand verletzt. Der örtliche Gemeinderat beschloss den Wiederaufbau für 940.000 Euro, der nun im Gange ist. Eindrucksvoll: Einige Bürger haben mit einer Sammlung dafür gesorgt, dass die beim Sturz aus dem Gebälk des Schlossturms zerstörte Bronzeglocke durch einen neuen Guss ersetzt werden konnte.

Links: Für Statistik-Freunde: Hier geht es zu einer Auflistung von Bränden in historischen Gebäuden seit 2005.



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