Solarworld-Chef Asbeck kauft Gottschalk-Schloss

Schloss Marienfels, Foto: Wikipedia/Tohma (talk)
Ehemaliges „Gottschalk-Schloss“ Marienfels, Foto: Wikipedia/Tohma (talk) / CC BY 3.0

Prominente lassen sich seit eh und je gern auf Schlössern und Burgen nieder. Dicke Mauern und Parks bieten Schutz vor dem gemeinen Volk, falls das nicht gerade in Bastille-Sturm-Laune ist. Und so eine repräsentative Millionen-Immobilie in 1-A-Lage hat neben viel Platz und Spielraum für innenarchitektonisch ambitionierte Gattinnen ja auch Flair.



Als gestresste Führungskraft der Deutschland AG lässt es sich herrlich am prasselnden Kamin in Rittersaal oder Kemenate entspannen und vom einfachen Leben träumen. Jedenfalls, sofern die Denkmalbehörde gerade keine Scherereien wegen des von der Ehefrau ultimativ angemahnten Einbaus einer Fußbodenheizung unter dem „ollen Kachelboden“ aus dem 15. Jahrhundert macht. (Achtung Sozialneid, ich würde ja auch, wenn ich könnte).

Josephine-Baker-Chateau Milandes (Foto: Meins)
So muss ein Promi-Schloss aussehen: Das Josephine-Baker-Chateau Milandes (Foto: Burgerbe.de)

Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel residiert bekanntlich im luxuriösen Castello di Tenno am Gardasee, das jetzt auch die Steuerfahnder genau kennen. Star-Geiger André Rieu nennt ein Schloss bei Maastricht sein eigen.

Die Kelly-Family trieb lange auf Schloss Gymnich ihr Wesen, Josephine Baker fand Entspannung im Chateau Les Milandes an der Dordogne – und Thomas Gottschalk zog es 2004 ins neogotische Schloss Marienfels (14 Zimmer, 800 qm Wohnfläche, unverbaubarer Rheinblick) auf einem Fels bei Remagen.

Doch die Beziehungen der Neu-Burgherren zu den historischen Gemäuern währen oft nur ein paar Jahre. Das „Kelly-Schloss“ Gymnich, immerhin ein einstiges Gästehaus der Bundesregierung, wurde 2012 für 3,05 Mio. Euro zwangsversteigert und gehört jetzt einem ehemaligen Industrieversicherungsmakler.

Und Cindy-aus-Marzahn-Sidekick Gottschalk ist auch schon wieder ausgezogen. Wobei der Entertainer sich mutmaßlich eine goldene Nase verdient hat…

Aber der Reihe nach: Marienfels sieht schön historisch aus, ist aber natürlich eine Fälschung ist aber einer dieser neogotischen Burgen-Nachbauten, im Stil der Rheinromantik, die im 19. Jahrhundert so beliebt waren und es heute wieder sind… (und das nicht nur bei Japaner, siehe z.B. Evenburg).

Der Bau von 1857, mit dem damals designmäßig zwingenden Burgturm, gehörte immer kapitalkräftigen Bürgerlichen, unter anderem dem „Burgensammler“ Herbert Hillebrand. Der sorgte nach 1989 für ein standesgemäßes Ambiente mit Pool und Sauna. Zwei Jahre lang erfreuten diese Annehmlichkeiten kasachische Diplomaten.

Das Anwesen fungierte in dieser Zeit sogar als Botschaft der selbstständig gewordenen ehemaligen Sowjetrepublik. Allerdings lange vor Borat. Nicht auszudenken, wenn im verschnarchten Remagen die falsche Hymne gespielt worden wäre…

Flag_of_Kazakhstan
Die kasachische Flagge wehte zwei Jahre über Schloss Marienfels. Borat kam erst später. (Foto: Wikipedia von User Skssoft, Michael Bulcik / SKS Soft GmbH Düsseldorf)

Gottschalk soll also 3,5 Mio. Euro für Marienfels und den 100.000 Quadratmeter großen Park bezahlt haben. Er thronte dann ab 2006 sechs Jahre lang mit Frau über Rhein und Remagen. Unter anderem über seine Leibblätter „Bild“ und „Bunte“ ließ der Star im November 2012 den beabsichtigten Verkauf des Refugiums verkünden.

Grund: „Wie haben auch mit null angefangen und haben heute ein Schloss am Rhein und eine Windmühle in Malibu an der Backe. Jetzt fangen wir an, das Loslassen zu üben.“ (zu Bild) und, deutlich pathetischer zur „Bunten“: An seinem Schloss seien nun mal alle Schiffe vorbeigefahren. „Loslassen ist etwas, das man üben muss.'“ Dieses mehrfach betonte „Loslassen“ ließ sich der TV-Millionär leidlich vergolden.

Der Makler bot das „Spektakuläre Rheinschlösschen mit Promi-Faktor“ (Eigenwerbung, siehe Bild links) mit der gesamten Innenausstattung und dem Park für 6,2 Millionen Euro feil. Der Kaufpreis soll dann laut Medienberichten bei rund fünf Millionen Euro gelegen haben.

Screenshot der Makler-Seite für das Gottschalk-Schloss
Screenshot der Makler-Seite für Schloss Marienfels

Das hieße 1,5 Mio. Euro Gewinn (vor Steuern) für die Gottschalks (ich gönn’s ihnen ja, der Betrieb wird ja eine Stange Geld gekostet haben). Ehefrau Thekla soll noch extravagante Umbau-Ideen beigesteuert haben. So sei im Dachgeschoss aus sechs Mansarden ein Raum gemacht geworden, in dem ein Beduinenzelt stehe, schreibt der Bonner Generalanzeiger.

Neuer Besitzer ist Frank Asbeck, wie der Kölner Stadtanzeiger als erster herausfand. Der Vorstandsvorsitzende des gerade eine turbulente Phase durchmachenden Bonner Photovoltaikkonzerns Solarworld war auch einer der Gründungsväter der NRW-Grünen.

Ganz so schlecht scheint das Solargeschäft in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht gelaufen zu sein: Für Asbeck ist Marienfels bereits das Zweitschloss: Seit 2008 gehört dem „Solarkönig“ auch das nahe gelegene Jagdschloss Calmuth, einstiger Sitz der „Internationalen Film-Union“.

Einen Tag nach dem Burgkauf brach der Solarworld-Kurs um 25 Prozent ein. Es soll an Ärger im China-Geschäft gelegen haben, wie Spiegel-Online maliziös anmerkt.

Jagdschloss Camuth / Foto: Wikiedia/Lunabonn
Jagdschloss Camuth, „Erstschloss“ von Frank Asbeck/ Foto: Wikipedia/Lunabonn/CC BY 3.0

Thomas Gottschalk zog derweil nach Kalifornien, in eine Villa in Malibu bei Los Angeles. Bei den verheerenden Waldbränden im November 2018 brannte die Gottschalk-Villa ab. Seine Frau konnte sich und die Katzen retten. Der Entertainer – inzwischen 68 Jahre alt – drehte zum Zeitpunkt des Feuers gerade in Deutschland.
Mehr dazu auf Spiegel-Online: „Es gibt größeres Elend auf dieser Welt

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