Al-Fahidi-Fort: Dubais Untergrund-Museum


Al-Fahidi-Fort: der große Wachturm
Al-Fahidi-Fort: der große Wachturm von ca. 1787

Vor Überfällen war man am Persischen Golf nie sicher. Die kleinen Küstenorte verbarrikadierten sich angesichts räuberischer Nachbarn und beutehungriger Piraten folgerichtig hinter Mauern aus Lehm, Korallensteinen und Muschelkalk und hielten Türme als Ausguck besetzt. Zentrum der Befestigung des alten Dubai war das Al-Fahidi-Fort aus der Zeit kurz vor 1800.

Mittlerweile ist es das älteste Gebäude des gesamten Emirats und wird netterweise erhalten und als – didaktisch wirklich gut aufgebautes – Museum genutzt, während vor dem Tor der Verkehr entlangbraust.

Vor Entdeckung der Ölquellen war der Ort am Dubai Creek ein staubig-heißes, verschlafenes Nest. Haupteinnahmequellen: Handel (Freihandelszone seit 1901!) und die Perlenfischerei. Scheich Maktum bin Hascher soll um 1900 gerade mal hundert Bewaffnete aufgeboten haben können – in der Regel Einwohner, die ihre Flinten immer griffbereit hatten (man konnte ja nie wissen, wer gerade wieder Lust auf Beute hatte, siehe oben).

Politisch hatte man auf die richtige Karte gesetzt und sich zusammen mit den Nachbarscheichtümen vertraglich mit dem Britischen Weltreich verbunden. Familienmitglieder, denen der prowestliche Kurs nicht passte, wanderten auch schon mal in Zellen ins Fort, bevor sie ins Exil abgeschoben wurden.

Als Großbritannien das Emirat schließlich 1971 in die Unabhängigkeit entließ, suchte die Regierung des Scheichs nach einem gemeinsamen historischen Symbol. Angesichts des mit dem Ölreichtum einhergehenden Baubooms war außer dem 41 x 33 Meter messenden Fort nicht mehr viel an historischer Bausubstanz übrig, also wurde es flugs zum Museum erklärt.

Ausstellungsstücke waren ein paar Kanonen ein „Windturm“ (eine Art natürliche Klimaanlage) und das Fort selbst mit seinen eindrucksvollen, metallbeschlagenen Türen, zum Teil auch mit Dornen gegen allzu aufdringliche Besucher.


Das Museum mitten im Stadtverkehr litt jedoch zunehmend unter den Erschütterungen der vorbeibrausenden Lkw. Mitte der 80er Jahre entschied Scheich Raschid bin Said Al Maktum, das Museum einfach unter die Festung zu verlagern.  1987 war Wiedereröffnung, eine weitere Sanierung fand 1994 statt. Heute geht es nach einer fünf bis zehn Minuten-Runde durch den Innenhof in den Untergrund. Auf den 12,5 Meter hohen Hauptturm oder die Brüstung darf man leider nicht.

Das Untergeschoss ist üppig ausgestattet. Dort hat man mal eben einen historischen Souq nachgebaut, die Stände in Originalgröße mit viel Liebe zu Details und Gesichtszügen.

Eine Werft mit Spanten in Originalgröße gibt’s ebenso wie eine Perlentaucher-Szene. Dabei ist die lebensgroße Taucherfigur auf Höhe der Besucher dabei, den Grund nach Muscheln abzusuchen, während an der Decke in vier bis fünf Metern Höhe die Unterseite seines Bootes zu sehen ist. Das ganze ist auch noch in dezentem blauen (Untersee-)Licht gehalten.

Perlentaucher-Figur "bei der Arbeit"
Perlentaucher-Figur „bei der Arbeit“

Dazu kommt ein Filmchen über die Geschichte Dubais und Informationen über Tiere in der Wüste und archäologische Funde.

Für Ausländer und Einheimische dürfte das gleichermaßen anschaulich und interessant sein. Die Infotafeln beschränken sich auf das Notwendige. Wer durch ist, kann im Museumsshop goldfarbene Kamele oder Kugelschreiber mit Scheich-Konterfei erstehen. Eher Empfehlenswert ist allerdings der günstige Cola-/Wasserautomat kurz vor dem Ausgang, denn hinter der Tür warten wieder das schweißtreibende Klima und der wuselige Verkehr.

Gut 200 Meter weiter befindet sich übrigens die Anlegestelle der kleinen Holzboote, die zur anderen Seite des Creek übersetzen, wo der echte Souq liegt.

Lage: Dubai-Stadt, zwischen Ali Bin Talib und al-Fahidi Road

Link: Eine eigene Homepage scheint das Dubai Museum nicht zu haben. Es gibt Wikipedia-Artikel. Etwas ausführlicher als der deutsche ist da der englische Eintrag.

Fotos: Burgerbe.de (zum Teil mit Hipstamatic-App verfremdet, Anklicken zum Vergrößern)



Ein Gedanke zu „Al-Fahidi-Fort: Dubais Untergrund-Museum“

  1. Hallo,

    ich lerne diese Seite jetzt erst kennen und finde deine Einträge sehr interessant. Besonders das es in Dubai etwas aus der Zeit von vor den Wolkenkratzern gibt! Sicher ist das beruflich bedingt aber die Texte lassen sich gut und flüssig lesen.
    Die Fotos lassen allerdings zu wünschen übrig. Sowohl die Motive als auch die Qualität. Da kannst du noch was verbessern…

    Ich werde deinen Blog weiter verfolgen! Weiter so…

    Grüße

    Peter A.

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