Die Wartburg bröckelt: 3,8 Millionen Euro sollen helfen


Wartburg mit eingerüstetem Bergfried
Wartburg mit eingerüstetem Bergfried

Erinnerungsfotos von der Wartburg haben im Moment einen Schönheitsfehler: Gerüste und Planen am Bergfried stören die Burgenromantik-Idylle. Gerade ist der Bergfried (bzw. der Nachbau von 1857) eingerüstet. Nur das charakteristische goldfarbene Kreuz lugt oben heraus. Aber auch an anderen Stellen des Weltkulturerbes (seit 1999) wird noch bis Ende 2013 gewerkelt.

Grund ist letztlich die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2009 und das durch sie angestoßene Konjunkturprogramm. Aus den Mitteln landen 3,8 Millionen Euro (je zur Hälfte von Bund und Land) bei Thüringens Vorzeige-Burg.

Ein Riesenplakat am Bergfried-Gerüst erzählt die Geschichte des Baus
Ein Riesenplakat am Bergfried-Gerüst erzählt die Geschichte des Baus

Das Problem sind die am Fuß bis zu vier Meter dicken und zehn Meter hohen Grundmauern, die zum Teil schon 800 Jahre auf dem Buckel haben. Zu schaffen machen dem Gemäuer Pflanzenwurzeln, die eine ungeahnte Sprengkraft entwickeln können, und eindringendes Regenwasser. Eine fatale Kombination, der selbst massivste Mauern auf Dauer nichts entgegenzusetzen haben.

Das traditionelle Hilfsmittel „Maueranker“ kann da nur einige Jahre überbrücken – am Ende wird alles nur noch schlimmer. Zurzeit ist besonders die Südflanke der Burg betroffen.

Die Wehrmauern selbst bestehen keineswegs durchgehend aus Mauerwerk. Um Material zu sparen, setzten die mittelalterlichen Baumeister gerne eine Mauer vor eine Felswand und füllten den Zwischenraum mit Erde und Geröll.

Gerne wurde dort auch Bauschutt vergraben. Dummerweise zogen chemische Verbindungen aus dem Schutt ins Mauerwerk und machen den Steinen nun zusätzlich zu schaffen. Teile der südlichen Zinnen drohten bereits abzustürzen.

Letztlich müssen nun sämtliche Wehrmauern saniert werden. Die Außenmauern des Pallas sind glücklicherweise bereits 1993 bis 1997 entsprechend behandelt worden.

Im Burghof sind die Arbeiten kaum zu merken
Im Burghof sind die Arbeiten kaum zu merken

Das Vorhaben ist in 15 Abschnitte gegliedert, ein Mal rund um die Burg. Allein für die Wehrmauer-Sanierung sind 2,5 Millionen Euro veranschlagt.

Spätenstens 2017 soll die Anlage in neuem Glanz erstrahlen: Dann feiert Thüringen 500-jähriges Reformations-Jubiläum. Auf der Wartburg soll aus diesem Anlass eine große Luther-Ausstellung gezeigt werden. Zur 500. Wiederkehr des Jahres von Martin Luthers Bibel-Übersetzung dauert es dann auch nicht mehr lange: Sie jährt sich 2021.

Die Wartburg-Sanierung war immer auch eine hochpolitische Angelegenheit, im „Luther-Jahr“ 1983 sonnte sich die DDR-Prominenz im Glanz der herausgeputzten Anlage.

Angesichts der anstehenden Jubiläen dürfte auch das Reizthema der angedachten Seilbahn zur Wartburg wieder hochkochen. Die Unesco verlangt ja glücklicherweise regelmäßiges „Reporting“ über Entwicklungen, die den Welterbe-Status gefährden könnten…

Links:
„Sanierung sämtlicher Wehrmauern auf der Wartburg“
, Thüringer Allgemeine, 09/2010.
Löchrige Wehrmauern werden saniert„, Ost-Thüringer Zeitung, 07/2010.

Bilder: Burgerbe.de(Anklicken zum Vergrößern)



Ein Gedanke zu „Die Wartburg bröckelt: 3,8 Millionen Euro sollen helfen“

  1. Es hört sich nicht Gut das so eine schöne Anlage wie Wartburg am bröckeln ist . Aber wie es aussieht die Gelder sind gesichert . Hoffentlich werden die auch Richtig Eingesetzt .

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