Wo Sisi Ferientage verbrachte: Schloss Unterwittelsbach / Foto: Burgerbe.de

Multimedial auf den Spuren der Wittelsbacher Schlösser

Screenshot eines der Schlossgeschichten-Videos / Foto oben:
Screenshot eines der Schlossgeschichten-Videos

Eine Sonderseite zur Geschichte eines Schlosses im Lokalblatt ist ja eine schöne und lobenswerte Angelegenheit – aber in der Regel ein paar Ausgaben später schon wieder vergessen. Wie man die Historie von Burgen und Schlössern als Zeitung multimedial präsentieren kann, zeigt gerade ausgesprochen vorbildlich eine Lokalausgabe der Augsburger Allgemeinen. Kopf des Ganzen ist der Architekt und Videojournalist Klaus F. Linscheid.

In den Aichacher Nachrichten hat Linscheid die Serie „Schlossgeschichte(n) des Wittelbacher Landes“ gestartet. Das Wittelsbacher Land liegt zwischen Augsburg und München, dorther stammt die bayerische Herrscherdynastie, worauf man vor Ort in Altbayern mächtig stolz ist.


Die Serie besteht aus je einer Zeitungsseite, deren Artikel (eigenartigerweise) nicht als Online-Texte vorliegen. Dafür ist die Seite als PDF verfügbar. Hinzu kommen professionell geschnittene und vertonte Kurzvideos zu den Gebäuden. „Sie waren Jagdschlösser oder Zweitwohnsitze, aber keine Residenzen. Die Schlösser im Wittelsbacher Land blicken aber auf eine bis zu 1000-jährige Geschichte zurück“, so die Einleitung.

Sonderseite zu Schloss Blumenthal als PDF
Sonderseite zu Schloss Blumenthal als PDF (Anklicken zum Vergrößern)

Bislang gibt es vier Schloss-Vorstellungen als Sonderseiten der Augsburger Allgemeinen zum PDF-Download (inzwischen hat leider offline) zu: Schloss Unterwittelsbach, Schloss Haslangkreit, Schloss Blumenthal und Schloss Mering.

Alles geschrieben und produziert von dem in Aichach lebenden Linscheid, der sich bereits mit „Architektouren“ (architektonischen Stadtführern auf DVD, etwa zu Leipzig und München) einen Namen gemacht hat.

In der Wittelsbacher-Schlösser-Serie erfährt man einiges über die Lokalgeschichte und – natürlich – über die spätere österreichische Kaiserin Elisabeth („Sisi“). Die junge Wittelsbacherin soll auf dem Wasserschloss Unterwittelsbach (großes Foto oben) unbeschwerte Kindertage verbracht und im Dorfwirtshaus gar auf dem Tisch getanzt haben, erzählt zumindest die Kastellanin.

Sie versucht, zurzeit anhand von erhaltenen Listen, das Interieur des herzöglichen Schlosses zur Biedermeierzeit zu rekonstruieren. Gerade (bis November 2010) läuft im Schloss eine Ausstellung „Sisi – ihre Kleider machen Mode“, und dazu gibt es natürlich auch ein Video. Die Kleider wiegen im Schnitt übrigens 25 Kilo…

Das Wasserschloss Blumenthal bei Aichach trat im 13./14. Jahrhundert als Sitz der örtlichen Komturei des Deutschen Ordens in die Geschichte ein – Ordensleute sind bekanntlich hartnäckig, sie blieben bis zur zwangsweisen Säkularisation 1803. Danach sicherten sich Nachfahren der Fugger das Schloss (von 1568), rissen es bis auf die Kirche ab – und bauten ein großzügiges Herrenhaus.

2006 kauften mehrere Münchener Unternehmerfamilien den Fugger’schen Stiftungen die Anlage ab – sie planen dort Wohnungen und ein Hotel: Der historische Ostturm, in dem einst Gefangene schmachteten, könnte so bald zum „Love-Tower“ mit Hochzeitssuite werden. Ein Biergarten existiert schon.

Von dieser Art der Präsentation könnten sich diverse Zeitungen und Städte eine Scheibe abschneiden. Ich hoffe, die Allgemeine zahlt ein vernünftiges Honorar. Immerhin bringt das Ganze nicht nur Prestige und Leser, sondern auch Geld, schließlich ist die Serie gesponsert von der örtlichen Sparkasse – und die Videos starten mit Werbung (Hornbach, Sparkasse). Ich bin auf Fortsetzungen und weitere Projekte dieser Art gespannt!

Link: „Schlossgeschichte(n)“-Serie


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