Künstliches Mini-Erdbeben auf der Nürburg

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Die Nürburg über dem gleichnamigen Ort am Nürburgring (Foto: Burgerbe.de)

Das Mega-Festival Rock am Ring ist einmal auch in den Dienst der Forschung getreten. Wissenschaftler vom Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) wollten zusammen mit dem Team der WDR-Sendung Quarks & Co. herausfinden, ob tausende Menschen, die gleichzeitig hüpfen, ein Erdbeben erzeugen können, das sich noch einen Kilometer entfernt messen lässt. Und gerade in der richtigen Distanz vom Ring befindet sich die Nürburg.

Als Testobjekte stellten sich im Sommer 2007 netterweise 50.000 Rock-am-Ring-Besucher und die Gruppe Wir sind Helden zur Verfügung. Motto: „science meets pop“.


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Judith Holofernes rockte Ring und Nürburg (Foto: Wikipedia/Megafutzi)

Judith Holofernes rockte also was das Zeug hielt, die Meute an der Formel 1-Rennstrecke hüpfte – und die vier empfindlichen Seismografen auf der Burg lauschten auf Schwingungen.

Das Schwierigste an der Sache sei gewesen, das Hüpfen der Zehntausenden zu synchronisieren, sagt Quarks-&-Co-Autor Ulrich Grünewald. Man schaffte es dadurch, dass der Schlagzeuger einen Rhythmus vorgab, und die Menge bei jedem dritten Schlag springen sollte. Das sah dann auch ganz eindrucksvoll aus. Zumindest die Bühne zitterte ganz schön.

Gebannt saßen die Wissenschaftler vor den Zeigern. Schließlich ging es  letztlich um die Bestätigung der eigenwilligen These, ob 1,3 Milliarden Chinesen durch gleichzeitiges Springen deutliche Veränderungen auf dem Planeten hervorrufen und vielleicht sogar die Erde in eine klimatisch günstigere Umlaufbahn drücken könnten. Von dieser kruden Theorie gingen zumindest die Initiatoren des kultigen World Jump Day aus (der sich im Nachhinein als Gag entpuppte).

nuerburg5Die Messgeräte schlugen beim Wir-sind-Helden-Gig tatsächlich aus. Um 1/20 Millimeter hob und senkte sich der Boden des Festivalgeländes vier Mal pro Sekunde. Und auch im Burghof waren die Schwingungen noch Messbar. Für Menschen war das Mini-Beben da längst nicht mehr fühlbar, aber die Seismografen protokollierten einen Hauch von Zittern.

Die Forscher hatten jedoch mehr erwartet: „Das Signal war ein bisschen enttäuschend, dafür dass so viele Menschen gesprungen sind„, sagte Birger Lühr vom GFZ der Presse. Offenbar war es einfah nicht möglich, die Masse zehntelsenkundengenau zu koordinieren. Der Bass-Sound der riesigen Boxen hinterließ bei den Messgeräten letzlich mehr Eindruck als die hüpfende Meute.


nuerburg2Wissenschaftlich lässt sich die Chinesen-Frage nach den Ergebnissen des Nürnburg-Experiments so beantworten, dass auch ein koordiniert hüpfendes Milliardenfolg gerade mal ein Erdstößchen von Stärke 1 hinbekommen würde. Und so etwas gibt es in sowieso fast täglich, ganz ohne gleichzeitiges Springkommando. Wird wohl nix aus der Klimarettung dank neuer Umlaufbahn…

Mehr Infos über den Erdbeben-Versuch zum Beispiel bei Süddeutsche-Online und Spiegel-Online.

Geschichte der Nürburg

Der Burgberg beherbergte wahrscheinlich bereits zur Römerzeit eine Signalstation am Handelsweg durch die Urwälder der Eifel. Fundamente wurden bislang nicht entdeckt, aber Münzfunde deuten auf die Anwesenheit der Römer.

nuerburg3Eine erste Fluchtburg errichtet Graf Dietrich der erste von  Are. Sein Sohn Ulrich baute diese zwischen 1150 und 1160 zu einer großzügigen Burg mit mächtigen Mauern und vielen Wehrtürmen aus. Der Bergfried mit seinem Spitzdach beherrschte das Land. Die von Ares waren Gefolgsleute der Kölner Erzbischöfe, von denen sie das Gebiet auch als Lehen erhalten hatten. Nach Aussterben der Familie fiel die Burg 1290 an Kurköln zurück und wurde fortan von einem Amtmann verwaltet.

Die Kölner bauten ihre Eifel-Bastion im 14. Jahrhundert mit einem zweiten und im 15. mit einem dritten Mauerring aus – und verpfändeten sie mehrfach. Die Anlage neigte bereits im 16. Jahrhundert zum Verfall und musste 1530 bis 1545 aufwändig saniert werden. Das weitere Schicksal der Burg ist charakteristisch für  westdeutsche Wehrbauten: 1633 nehmen die vorrückenden Schweden die Anlage ein und plündern sie aus.

nuerburg61672 verwüsten Franzosen und Holländer die Burg. 1674 machten sich kaiserliche Truppen in den Gemäuern breit. Die Truppen des Sonnenkönigs zertörten die verbliebenen Häuser und Mauern dann im Rahmen des Pfälzer Erbfolgekrieges 1689 nach einer Belagerung so gründlich, dass später nur noch der Bergfried weiter genutzt werden konnte (als Gefägnis). Die Bewohner der umliegenden Orte bedienten sich in der Ruine mit Baumaterial. Nach Schließung des Gefägnisses 1752 wurde die Nürburg zusehends zum Trümmerfeld.

Die Preußen, die hier nach dem Wiener Kongress das Sagen hatten, nutzten den Bergfried als willkommenen trigonometrischen Punkt bei der Landvermessung. Damit man den Turm besser sehen kann, rissen die neuen Herren gleich die Reste der Vorburg ab.

Seit 1949 gehört die Ruine dem Landesamt für Denkmalpflege Rheinland Pfalz. Die letzten Sanierungs- und Ausgrbungsarbeiten fanden 1988/89 statt. Die Anlage kann besichtigt werden, auch das Erklettern des Bergfrieds ist möglich – mit einer phänomenalen Sicht auf Eifel und Nürburgring.

Link: Magerer Nürburg-Eintrag bei Wikipedia

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Bilder: Meine (falls nichts anderes dabeisteht)



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