Schloss Heessen: Pauken beim Rauschen der Lippe

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Das Landschulheim und Privatgymnasium Schloss Heessen in Hamm (Foto: Meins)

Ein nobles Internat, das etwas auf sich hält, gehört auf eine zugige Ritterburg oder ein standesgemäßes Schloss. Zehntausende haben schließlich in den 80ern Oliver Hassencamps Abenteuer der Schüler auf Burg Schreckenstein verschlungen.

Und welcher Personalchef wird schon angehende Führungskräfte abweisen, die ihr Abi auf Schloss Salem am Bodensee gebaut haben?

Der 1988 tödlich verunglückte Erfolgsautor Hassencamp zählte übrigens dazu, womit zumindest klar ist, woher viele seiner „ritterlichen“ Ideen stammten…


In Westfalen gibt es ja allerlei Burgen und zahlungskräftige Eltern (zumindest im weiteren Umkreis), da lag es irgenwie nahe auch mal ein Gemäuer als Internat umzubauen. Seit 1954 ist das neugotische Schloss Heessen in Hamm ein privates Gymnasium, seit den 60er Jahren auch ein Landschulheim, das heißt, ein Internat für Schüler von Klassen 5 bis 13. Bis zu 380 Schüler pauken hier „in kleinen Klassen“, wie die Schule betont (es herrscht ein Handyverbot zwischen 8 und 15.40 Uhr).

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Die Vorburg stammt von 1590 - 1600.

Der Platz am Flüsschen Lippe, an der alten Handelsstraße zwischen Soest und Münster ist seit über tausend Jahren besiedelt. Eine Urkunde aus der Zeit vor der ersten Jahrtausendwende erwähnt dort einen Hof, der zum Bistum Münster gehörte.

Um in der sumpfigen Niederung allerdings feste Steingebäude zu errichten, war ein Fundament aus tausenden Eichenpfählen nötig.  Die Stämme wurden im 14. Jahrhundert in den Grund gerammt und erfüllen ihre Aufgabe noch heute. Die Haltbarkeit liegt daran, dass sie noch unter dem Grundwasserspiegel liegen. Es entstand eine Burg, die von verschiedenen Adelsgeschlechtern (von Isenberg-Limburg, von Volmarstein, von der Recke) bewohnt wurde.

Die Bewohner des Ortes Heessen werden vor dem Anwesen reichlich Respekt gehabt haben, schließlich befand sich direkt davor der Hinrichtungsplatz (das Richtschwert ist erhalten). Die Gegend war ansonsten eher langweilig, und die Besitzer daher, wenn gerade keine interessanten Enthauptungen anstanden, ständig mit Umbauten beschäftigt. Die heutige Vorburg entstand in den Jahren 1590 bis 1600.

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Der spielerisch verzierte Turm ist gut 30 Meter hoch

1774 fiel der Besitz an die Familie von Boeselager, der er noch heute gehört. Das ist schon eine Leistung. Auch den Durchmarsch plündernder Soldateska überstand man 1813 einigermaßen. Das Schloss war  Mittelpunkt eines großen land- und forstwirtschaftlichen Gutes, das in der ersten Hälfte des  19. Jahrhunderts durch weiteren Landkauf stetig anwuchs. 1837 kamen auch Ziegelei und Schlossbrauerei hinzu. Man ging mit dem Fortschritt und baute 1847 im Schloss sogar eine neumodische Erfindung namens „Waterclosett“ ein.

In den Jahrzehnten nach dem Wieder Kongress war die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff oft auf dem Schloss zu Besuch. Zum Beispiel am 18. September 1826, als bei der Hochzeit ihrer Freundin Adolfine von Wolff-Metternich mit Schlossbesitzer Carl von Boeselager groß gefeiert wurde.

Die frisch verheirateten legten einen Park an und nannten ihn die Liebesinsel. Rechtzeitig zur Hochzeit war das alte, vierflüglige Schloss auch renoviert und mit Öfen statt Kaminen ausgestattet worden.

Ihr heutiges Aussehen mit vielen Zinnen und Türmchen (Anklängen an den englischen Tudor-Stil) bekamen die Gebäude beim großen Um- mund Neubau 1905 bis 1908. Der Burgturm ist nun 30 Meter hoch und schon von Weitem zu sehen.

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Brücke und Tor zum Schulgelände

Die Anlage steht auf einer künstlichen Insel zwischen der Lippe und einem so genannte Lippestauarm. Direkt hinter der Schule ist ein rauschendes Wehr. Ehemalige Schüler berichten, dass sie das Geräusch des Wassers ungemein beruhigend empfunden haben. „Nach meinem Auszug aus dem Flussseitigen Zimmer hatte ich lange Zeit Probleme ohne das Wehr einzuschlafen“, schreibt „Lino aus Hamburg“ bei Qype.com.

Besichtigen kann man das Schloss nur im Rahmen von Stadtführungen. Oder wenn man darüber nachdenkt, seinen Nachwuchs dort lernen zu lassen. Die Jahresgebühren betragen zwischen 15.700 und 18.000 Euro, damit sind die Westfalen knapp halb so teuer wie Schloss Salem (29.200 bis 32.000 Euro, plus Nebenkosten und Aufnahmebeitrag).

2008 diente das Schloss als Kulisse für den dritten Teil der „Wilden Hühner“-Kinoverfilmung („Die wilden Hühner und das Leben„). Es geht dabei um einen Klassenausflug. Auch Veronica Ferres und Benno Fürmann schlenderten dabei übers Schlossgelände. Beim Hamm-TV gibt’s dazu einen kurzen Video-Beitrag.

Lage: Schlossstraße 1, 59073 Hamm

Link: Den ausführlichsten Beitrag zur Geschichte von Schloss Heessen habe ich bei Hamm-Wiki gefunden.

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Bilder: Burgerbe.de


2 Gedanken zu „Schloss Heessen: Pauken beim Rauschen der Lippe“

  1. *LOL* Vor kurzer Zeit habe ich Dich in meinem Blog verlinkt, und nun stelle ich fest, daß Du sogar Schreckenstein kennst. Vielleicht ist Dir dann auch http://www.schloss-ruelpshorst.de ein Begriff. Eine meiner ersten Seiten im WWW. Ewig nicht mehr überarbeitet, aber immer noch funktionstüchtig. 😉

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