Flaggenstreit auf der Nürnberger Burg beigelegt

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Die Nürnberger Flagge (Stadtwappen auf fränkischen Farben) darf nun auch an der Kaiserburg wehen.

Superwahljahre haben auch ein Gutes: Mehrheitsparteien zeigen angesichts des nahenden Wählervotums Anzeichen von Vernunft – und die eine oder andere gehässige Nickeligkeit wird zurückgenommen. So geschehen jetzt in Nürnberg.

Die Münchener CSU-Regierung hatte offenbar jahrelang eine Heidengaudi am Ärger der Franken. Auf deren Wahrzeichen, der Nürnberger Kaiserburg, gab es nämlich bislang nur zwei feste Flaggenmasten (auf Palas und Heidenturm). Und dort durften nur die Bundes- und die bayerische Flagge wehen.

Das Hissen der fränkischen Farben (Rot-Weiß) hatte die CSU per Ministerbeschluss untersagt. „Die bayerische Flagge wird auf keinen Fall durch die fränkische ersetzt. Denkbar ist lediglich, zusätzlich die europäische Fahne zu hissen“, erlärte noch im August 2008 Innenminister Jochaim Hermann (CSU).

Dass dieser Schlag ins Gesicht der Franken etwas damit zu tun haben könnte, dass Nürnberg von einem SPD-Oberbürgermeister regiert wird, stritten die Münchner natürlich vehement ab. Man argumentierte lieber historisch und erklärte, dass über der Burg immer die Fahne mit dem Nürnberger, bzw. Kaiseradler geweht habe, aber nie die fränkischen Farben. Außerdem sollten die Franken gefälligst auf ihr Bayerntum stolz sein.

Acht Wochen später kam die Landtagswahl mit einem desaströsen Ergebnis für die Christsozialen. Und in wenigen Wochen stehen Europa-, dann im September Bundestagswahlen an. Das scheint auch in der Fraktion der blau-weißen Lodenmantelträger für Nachdenken gesorgt zu haben.

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Heidenturm und Pallas

Wie die Nürnberger Nachrichten melden, darf Nürnberg nun doch seine Stadtflagge über der Burg aufziehen – jedoch nicht die Frankenfahne. Die Stadtflagge besteht aus den fränkischen Farben Rot-Weiß und trägt in der Mitte das Stadtwappen mit dem Kaiseradler. Hochgezogen wird die Fahne an einem dritten Mast, den die Nürnberger auf eigene Kosten am Fünfeckturm anbringen dürfen. Das gab Bayerns Finanzminister jetzt per Brief bekannt.

Der Fünfeckturm ist vermutlich das älteste erhaltene Bauwerk der Burg (elftes Jahrhundert). Er gehörte offenbar als Bergfried zur früheren Burggrafenburg. Die Stadt hat ihn vom Land in Erbbaurecht übernommen. Die „fünfte Ecke“ ist eine dreieckige Verstärkung.

Der Turm steht zusammen mit dem Luginsland etwas abseits der Hauptanlage an der 1494/95 als Kornspeicher errichteten Kaiserstallung (der heutigen Jugendherberge). Der Fünfeckturm selbst ist ein Kinder- und Jugendhaus mit einem reichen Programm für Sechs- bis 16-Jährige.

Das sieht doch nach einer Lösung aus, mit der zumindest die Nürnberger werden leben können. Für die restlichen Franken ist es freilich weiterhin ein Affront der münchner Staatsregierung. Die Streitereien um die Kaiserburg werden sicher auf anderen Gebieten weitergehen. Die Anlage scheint bei vielen Politikern so etwas wie einen Profilierungs-Reflex auszulösen. Zurzeit wünscht sich die CSU dort beispielsweise „mehr Mittelalter“.

Foto: Burgerbe.de


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