Schloss Lichtenstein: Eine Idee aus einem Roman


Schloss Lichtenstein
Schloss Lichtenstein

Was so ein richtiger Modellbahner ist, der hat auf seiner Anlage auch Berge. Und was gehört ganz oben drauf? Klar, eine schaurig-schöne Ritterburg! Besonders beliebt im Fachhandel ist das Plaste-Modell der schwäbischen Burg Lichtenstein (Firma Faller, ca, 29,75 Euro, Link zu Amazon). Ich hab das auch noch irgendwo.

Und das Original bei Reutlingen steht tatsächlich auf einer Höhe der Schwäbischen Alb mit einem phänomenalen Blick ins 250 Meter darunter liegende Tal. Als ich zum ersten Mal da war, präsentierte sich mir leider nur eine geschlossene Tür, daher gibt es hier nur Fotos von draußen.

Dass das Gebäude mit seinem charakteristischen Turm so gar nicht nach Ruine aussieht hat einen einfachen Grund: Das „württembergische Märchenschloss“ ist ein Neubau aus dem 19. Jahrhundert. Es handelt sich um ein Stück steingewordener Literatur.


Eine erste Burg entstand um das Jahr 1170 etwa 500 Meter südlich der heutigen Burg. Die Lage auf der Höhe, die die Kontrolle des Handelswegs im Tal ermöglichte, bot sich einfach an.

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Mächtige Befestigungen

Den Lichtensteiner Rittern brachte die exponierte Lage nicht allzu viel Glück. 1377 wurde die Burg zerstört, und 1687 fiel der letzte von ihnen im Kampf gegen die Türken.

Die Württemberger Herzöge ließen um 1390 am heutigen Standort eine neue, schwer befestigte Burg errichten. Durch die Weiterentwicklung der Artillerie verlor diese in den folgenden Jahrhunderten ihre strategische Bedeutung immer mehr, wurde schließlich nur noch zur Forstwirtschaft genutzt und verfiel.

Zum literarisch bedeutsamen Ort wurde der Felsen dann durch Wilhelm Hauffs 1826 erschienenen Roman Lichtenstein. Dieser schildert das Schicksal von Georg Sturmfeder, der um 1520 vom Schwäbischen Bund zu den Anhängern des geächteten Herzogs Ulrich von Württemberg wechselt.

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Der charakteristische Turm

Der Grund für das Überlaufen zum Feind ist die Figur der herzogtreuen Marie von Lichtenstein. Der Roman beschreibt, wie dem rechtmäßigen Herrscher durch das einfache Volk letztlich wieder zu seinem Thron verholfen wird. Dummerweise muss Georg Sturmfeder für seine Bemühungen am Ende mit dem Leben bezahlen.

Der Roman fiel in eine Zeit, in der die Rückbesinnung auf Mittelalter und Frühe Neuzeit gerade schwer in Mode war und Adelige sich nach Ritterromantik sehnten – während draußen die ersten Maschinen Einzug hielten. Bei dem 1810 geborenen Wilhelm Graf von Württemberg war das nicht anders.

Nun hatte der Graf Geld, Zeit und reichlich mittelalterlichen Schnickschack angesammelt (Waffen, Rüstungen, Gemälde, das Übliche) und suchte dafür eine standesgemäße Unterkunft. Da traf es sich gut, dass das Lichtenstein-Grundstück 1837 gerade zum Verkauf stand.

1840 bis 1842 ließ sich Graf Wilhelm auf den Grundmauern der zweiten Burg vom auf Denkmäler spezialisierten Architekten Carl-Alexander Heideloff eine Ritterburg nach seinem Geschmack hinsetzen – mitsamt Schlosskapelle, reich ausgemaltem Königszimmer und Wappensaal. Auch eine martialische Befestigungsanlage mit dicken Kanonentürmen und Gräben durfte nicht fehlen. Das Schloss ist bis heute im Besitz seiner Nachfahren, der Herzöge von Urach.

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Der Faller-Modellbausatz (Foto: Faller)

Seit 1980 wird nun auch diese Burg saniert, seit 1998 mit Unterstützung der Wüstenrotstiftung und der Fördergemeinschaft zur Erhaltung des Schlosses Lichtenstein. Die Burg kann besichtigt werden (siehe Öffnungszeiten). Der Eintritt beträgt sechs Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder.

Schloss Lichtenstein ist übrigens nicht nur Modellbahnern und Literaturfreunden ein Begriff: Die damalige Deutsche Bundespost wählte die Anlage 1982 als eines der Motive für ihre Serie „Burgen und Schlösser“ aus. Die Burg-Lichtenstein-Marke kostete damals 35 Pfennige.

Ausstellung: Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Konrad-Adenauer-Str. 4, wurde 2010 eine Ausstellung zur Baugeschichte von Schloss Lichtenstein gezeigt. Das Schloss war dort „Archivalie des Monats“. Archivamtmann Eberhard Merk hat die Schau aus fünf Meter Akten zusammengestellt und präsentiert viele Original-Pläne. Der Eintritt ist frei. Ein ausführlicher Bericht ist unter dem Titel „Die verspielte Märchenburg“ in der Südwestpresse erschienen.

Literatur über Schloss Lichtenstein: Katharina und Nikola Hild – Lichtenstein, 190 Seiten, Verlag Oertel + Spörer (Link zu Amazon)

Lage: Schloss Lichtenstein,
72805 Lichtenstein

Link: Burg-Homepage

Fotos: Meine (Anklicken zum Vergrößern)

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