Chateau Queribus in den Pyrenäen / Foto: Burgerbe.de

Chateau Quéribus: Letzte Zuflucht der Katharer in den Pyrenäen



Die Katharer waren hartnäckig. Obwohl beim Albigenser-Kreuzzug ihr Machtzentrum Carcassonne 1209 in die Hände der Katholiken gefallen war, krallten sich die „Ketzer“ in mehreren scheinbar uneinnehmbaren Felsenburgen der Pyrenäen fest. Der letzte größere Stützpunkt, der fiel, war 1255 Burg Quéribus (Bild oben).

Erstmals 1020 in einem Testament erwähnt, war die von einem dreifachen Mauergürtel geschützte Burg in den ersten Jahrhunderten Grenzfeste Aragons gegen das französische Languedoc.

Erst 1239 verkaufte Aragon die von Katharern besetzte Feste an Frankreichs König Ludwig IX. Sollten sich doch die Franzosen mit den verbarrikadierten Ketzern herumärgern…


Quèribus steht in 728 Meter auf dem höchsten (und äußerst steilen) Gipfel der Gegend. Man kann von oben bis zur etwa acht Kilometer entfernten Burg Peyrepertuse schauen, bei gutem Wetter sieht man das Mittelmeer am Horizont glänzen.

Kommandiert wurde Quèribus in ihren letzten Katharer-Jahren (seit 1241) von dem Haudegen Xacbert de Barbaira. Hohe katharische Würdenträger wie der Diakon Benedikt von Termes fanden hier Zuflucht.

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Steile Felswände bestimmen das Bild (Fotos: Burgerbe.de)

De Barbaira wurde 1255 von seinem ehemaligen Kampfgefährten Oliver de Termes auf Quéribus belagert und musste schließlich nach längerer Belagerung aufgeben – für die Garantie freien Abzugs übergab er die Burg. Die Zeit der Katharer war wenige Monate später, mit dem Fall der Burg Niort de Sault endgültig beendet.

Burg Quéribus fiel im Vertrag von Orbeil 1258 dann endgültig an Frankreich. Nun bewachte sie von französischer Seite aus die Grenze und wurde somit einer der „fünf Söhne“ (Grenzfestungen) von Carcassonne – neben Aguilar, Peyrepertuse, Puilaurens und Termes. Von hier aus ließ sich der Durchgang ins Pyrenäen-Massiv der Corbières und die Ebene des Roussillon überwachen.


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Der zentrale Pfeiler im gotischen Saal.

Das im Inneren prägende architektonische Element der Burg ist ein gotischer Pfeilersaal im Bergfried. Dessen Gewölbe ruht auf einem zentralen Stützpfeiler, der einer Palme ähnelt. Erleuchtet wird er von einem großen Fenster mit steinernem Fensterkreuz. Das Gewölbe trägt eine Terrasse, die man über eine Wendeltreppe erreicht.

1258 wurde die Grenzlinie Frankreich-Aragon praktisch in Sichtweite von Queribus gezogen (Vertrag von Corbeil). Die französische Krone ließ die Anlage daraufhin ausbauen.

Der größte Teil der heute sichtbaren Burg – speziell die drei Mauerringe – stammen aus den ersten 50 Jahren der französischen Herrschaft. Im 15. Jahrhundert schafften es aragonesische Truppen trotzdem kurzzeitig, die Anlage zu erobern.

Quéribus behielt seine strategisch wichtige Bedeutung bis zum Pyrenäenvertrag von 1659, als die Grenze erneut neu gezogen wurde und der Expansionsdrang der Spanier einen Dämpfer bekam (Annektion des Roussillon durch Frankreich).

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Blick auf die Ruine vom Donjon aus

Sicherheitshalber hielt Frankreich noch einige Jahrzehnte lang eine Garnison auf der Burg. Um die Burg im Schwarzpulver-Zeitalter überhaupt verteidigen zu können, wurden Öffnungen für Kanonen in die Ringmauern geschlagen. Durch die Lage inmitten steiler Felsen konnte die Burg von 15 bis 20 Mann gut verteidigt werden.

Während der Revolution wurde die Anlage schließlich komplett aufgegeben. Man hatte gerade wichtigeres zu tun.

Es dauerte lange, bis Frankreich sich seines katharischen Erbes bewusst wurde. Erst 1907 wurde die Burg in die Liste der Monuments historique aufgenommen, 1943 unter Schutz gestellt.

1951 begann die Restaurierung des Burgturms. Zwischen 1998 und 2002 wurde die Ruine komplett saniert. Neben dem Bergfried sieht man heute die Überreste diverser Gebäude (Haus des Schlossherrn, Kaserne) und der Zisterne.

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Man kann die Burg jetzt auf einem steilen, steinigen Pfad besichtigen.

Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder.

Festes Schuhwerk sollte man dabei nicht vergessen…

Mehr zu Frankreichs Katharer-Burgen hier im Blog:
Burg Carcassonne: Man rechnete immer mit Verrat
Tour zu den Katharer-Burgen in den Pyrenäen: Die steinernen “Söhne von Carcassonne”
Katharer-Burgen des Languedoc bei YouTube

Links: Quéribus-Eintrag bei Wikipedia (frz.). Einen leicht verständlichen Artikel zu den Katharern und ihren  Burgen habe ich bei Echo-Online gefunden.

Lage: Über dem Dorf Cucugnan (Beschilderung folgen).

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Fotos: Burgerbe.de (Anklicken zum Vergrößern)
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2 Gedanken zu „Chateau Quéribus: Letzte Zuflucht der Katharer in den Pyrenäen“

  1. Vor rund 800 Jahren standen große Teile Südfrankreichs unter dem Einfluss der Katharersekte, deren religiöse Lehren die Katholische Kirche gefährdete – wie sie meinte- . Ein blutiger „Kreuzzug“ unter der Führung von Simon de Montfort setzte der Bewegung ein Ende. Die Katharer waren in den letzten Jahren ihrer Existenz gezwungen, sich in den Pyrenäenburgen zu verschanzen, was ihnen aber letzlich auch nichts nützte; sie wurden schließlich komplett ausgerottet. Nicht nur die Kirche war ihr Feind sondern auch und vor allem der französche König, der sich dann die Ländereien einverleibte und damit seinen Einflussbereich erheblich vergrößern konnte.

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