Burg Guttenberg und die fränkischen Raubritter


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Schlechte Zeiten für Raubritter: 1523 erobern Truppen des Schwäbischen Bundes Burg Guttenberg (Neuguttenberg). (Bild: Wikipedia/Holzschnitt von Hans Wandereisen)

Dass Adels- und Doktortitel, gepaart mit Erfahrung in der Verwaltung der heimischen Güter und im Vorstand der Rhön-Kliniken, kombiniert mit guten Kontakten zum CSU-Chef reichen, damit ein junger Außenpolitiker in Deutschland Wirtschafts- und später Verteidigungensminister werden kann, ist schon eine erstaunliche Feststellung.

Aber während alle Welt zunächst über die Kompetenz des schneidigen Barons Karl-Theodor von und zu Guttenberg wahlweise lästerte oder jubilierte und er schließlich im März 2011 über die Plagiatsaffäre stürzte, schaue ich mal nach der dahinterliegenden Burgen-Geschichte.


Die Guttenberger sind ein altes fränkisches Adelsgeschlecht. 1149 wird ein Vorfahr erstmals urkundlich erwähnt. Nachdem die eigene Burg Altguttenberg 1315 (im gleichnamigen Ort bei Kulmbach) erbaut war, fiel die Familie in den folgenden Jahrhunderten durch Teilnahme an reichlich Fehden und Raubritter-Unternehmungen auf.

Was nicht gegen die Guttenbergs spricht. In der damaligen Zeit galt das als völlig normal. Sicherheitshalber baute man 1482 bis 1492 auf einem Bergsporn oberhalb des Ortes noch Burg, später Schloss Neuguttenberg. Das führte natürlich zu Streitereien, aber die Guttenberger konnten sich auf beiden Anlagen halten.

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Altguttenberg blieb im Juli 1523 von den schwäbischen Truppen nicht verschont (Bild: Wikipedia/Holzschnitt von Hans Wandereisen)

Für heutige Verhältnisse äußerst unschön war das Bündnis der Familie mit Raubritter Thomas von Absberg, dem „Schrecken Frankens“.

Dieser führte auf eigene Rechnung Krieg und schlug seinen Opfern gerne die rechte Hand ab, um seine Lösegeldforderungen eindrucksvoll zu untermauern (Literaturtipp dazu: Niklas Frank, Raubritter, erschienen bei Bertelsmann).

Besonders auf Nürnberger Kaufleute hatte der „Handabhacker“ (so sein Spitzname) es abgesehen. Die Guttenberger gewährten dem Entführer Unterschlupf. 1522 versteckte von Absberg auf einer der Guttenberger Burgen acht Monate lang den von ihm gefangenen Nürnberger Ratsherrn Bernhard Baumgartner.

800px-burg_altguttenbergmini1523 reichte es den Nürnbergern. Sie riefen den Schwäbischen Bund zu Hilfe, der stellte 10.000 Fußsoldaten nebst 1000 Reitern, Kanonen und größeren Mengen Schießpulver bereit.

Die Armee eroberte 23 Burgen von Geschlechtern, die von Absberg beigestanden hatten. Auch die Burgen Alt- und Neu-Guttenberg zählte dazu. Vom so genannten Fränkischen Krieg sind 23 Holzschnitte von Hans Wandereisen erhalten.

Zwei davon zeigen die Guttenberger Burgen – brennend und umringt von feindlichen Landsknechten. Die routinierten Kriegsleute des Bundes wurden mit beiden Anlagen jeweils innerhalb eines Juli-Tages fertig.


Auf den Holzschnitten kann man sehr gut sehen, wie die Mauern von Burg Guttenberg regelrecht zu Klump geschossen wurden. Nachdem die Kanonade alle Hindernisse weggefegt hatte, reichten ein paar Landsknechte mit Hellebarden, um die kleinen Burgbesatzungen zur Aufgabe zu zwingen.

800px-burg_neuguttenbergminiMehrere Türme von Guttenberg (Neuguttenberg) wurden gesprengt, was man an spitzen Flammen erkennen kann, die aus den oberen Stockwerken schlagen.

Die Bilder lassen vermuten, dass Altguttenberg schwerer beschädigt wurde als Neuguttenberg, dessen Wirtschaftsgebäude auf den Holzschnitten noch intakt scheinen, während es drumherum brennt.

Der gesuchte Raubritter konnte dem massiven Aufgebot seiner Häscher übrigens entwischen. Er verschwand gerne ins Böhmische. Der Handabhacker setzte seine blutige Privat-Fehde gegen Nürnberg ungerührt noch einige Jahre lang fort und wurde 1530 von einem Kumpan umgebracht. Seine Leiche fand man auf einem Acker.

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Bluick auf das Hauptgebäude von Burg Neuguttenberg (Foto: Wikipedia/myself/CC BY-SA 3.0)

Die Guttenberger steckten die Zerstörung ihrer Burgen weg. Neuguttenberg wurde umgehend wieder aufgebaut. Man hätte sich ruhig etwas Zeit lassen können, denn während der Bauarbeiten zog 1525 der Bauernkrieg übers Frankenland. Durch eine Abmachung mit den Aufständischen konnte Neuguttenberg gerettet werden. Altguttenberg war eh bereits ein Trümmerfeld.

Altguttenberg wurde nicht wieder errichtet. Heute findet man nicht mal mehr Reste. Die wesentlich größere Burg Guttenberg, genannt Neuguttenberg, entstand erneut, um 1631 von kaiserlichen Truppen während des Dreißigjährigen Krieges zerstört zu werden.

Beim Wiederaufbau verabschiedete sich Burgherr Enoch v. Guttenberg vom Festungsgedanken und ließ 1661 ein Schloss errichten. Der bis dahin erhaltene Bergfried wurde Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen.

Das Schloss brannte in der Nacht des Karfreitag 1908 komplett ab. Das Feuer war in der Sakristei der Kapelle entstanden, weiß die Seite der 600-Seelen-Gemeinde zu berichten. Im Neubau auf den Grundmauern des Philippsbaus von 1482 kann man nicht mehr viel von der mittelalterlichen Anlage erkennen.

Das heutige Schloss Guttenberg ist seit 2008 im Besitz der in Österreich angesiedeten Guttenberg’schen Familienstiftung. Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu, Stiftungszweck sei „die tunlichste Erhaltung vor allem des historisch und kulturell bedeutsamen Stiftungsvermögens“. Dass ein Nebeneffekt eine Steuerersparnis sein könnte, wiesen die Stifter laut SZ weit von sich. Allerdings: Österreich habe nur wenige Monate vor der Beurkundung die Erbschaftsteuer abgeschafft.

Der Zugang zum Schloss ist seit Dezember 2010 durch ein Metalltor verperrt und das Betreten des Privatgeländes für Nicht-Kulmbacher verboten. Das BKA habe angesichts der Gefährdungslage nach dem deutschen Engagement in Afghanistan darauf gedrängt, schreibt die Abendzeitung aus Nürnberg.

Mit der sehenswerten Burg Guttenberg bei Haßmersheim im Neckar-Odenwald-Kreis hat die Familie übrigens nichts zu tun.

Nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister zu Guttenberg wegen der Affäre um Plagiate in seiner Doktorarbeit rückte das Schloss ins Interesse der Öffentlichkeit. Am 5. März 2011 veranstaltete die örtliche CSU im Ort Guttenberg unterhalbs des Anwesens eine Solidaritätskundgebung mit rund 1500 Teilnehmern für den Ex-Minister. Gegner des „Copy-and-Paste“-Politikers skandierten derweil in Berlin und München: „Guttenberg zurück aufs Schloss“.

9 Gedanken zu „Burg Guttenberg und die fränkischen Raubritter“

  1. Greetings,
    Ich moechte gerne Baron Zu Guttenberg einen Brief schicken.
    Habe leider keine Anschrift. Koennen Sie mir bitte weiterhelfen?
    Danke!
    Hildegard Letbetter

  2. Pingback: Anonymous
  3. hat mir gefallen, das zu lesen. Danke.

    schreibt eine Ostfriesin (Landarbeitertochter) später Journalistin geworden.

    Was die Vorfahren angeht. In meiner Familie hießen sie alle Jan.

    Diese Jan’s waren 400 Jahre lang Knechte beim dicken Polderbauern. Die gönnten ihren Arbeitern nicht die Butter aufs Brot. Die Melker begingen Mundraub beim Morgenmelken.
    Überlebenswichtig.

    Genau diese Bauern kriegen jetzt von den Raubrittern lidl und Co
    nicht mehr genug Lohn. Milchstreik vom letzten Jahr noch gut in Erinnerung. Angedeutete Hilfe aus der „Politik“ half nix.

    Ganz niedlich macht es jetzt die Kette „Plus“. Beilage zum Kauf:

    10 Cent für den Bauern, a la Fair-Trade für Dritt-Welt-Produzenten.

    Ich hör grad Deutschland-Radio. Da fragte einer, was ein Blau-
    blüter sei. Wieso haben Adlige blaues Blut?

    Ich hatte neulich auch welches. Meine Heilpraktikerinnen haben sich kaputtgelacht, als sie mich sahen und sagten wie aus einem Mund: Spinnenbiß.

    Aranea ixob. (vulgo: Schwarze Kreuzspinne) Fleißig hab ich die homöopathische Nosode genommen. Und ich verfärbte mich schön zurück auf freundliches rosa.

    Das war grade, nachdem ich einen Roman von Petra Durst-Benning gelesen hatte. Die Silberdistel. 1514. Da kämpft der arme Bauer Jerg gegen Burgherren im Bund des Armen Konrad. Bauernhaufen. Und am Ende sind die alle tot.

    Sterben müssen wir alle, aber doch nicht dermaßen blöd mit Gewalt und draufhauen.

    Spinnenbisse machen übrigens aggressiv. Man wehrt sich dagegen, eingewickelt und ausgesaugt zu werden.

    Heute ist rosenmontag und ich mach mir den spaß, Darwin und die Abstammungslehre der Bibel und alles, was wir so gelernt haben, mal anders zu bekucken.

    Vielleicht ist ja der Mensch gar nicht die Krone der Schöpfung. Vielleicht ist es ja die fabelhafte Kunst der Spinnen?

    Ihr Sekret herzustellen, hat noch keine Chemiefirma geschafft.

    Und haben wir nicht ein world-wide-web?

    Sowas wollte ich nun gar nicht alles schreiben, aber diese schwarze Site animiert mich irgendwie dazu.

    Jan, haben Sie mal einer Kreuzspinne bei der Arbeit zugesehen?

    Das ist besser als jedes Fernsehprogramm. (Als Kind lernte ich:
    Spinne furchtbar wie Unkraut,weg,totmachen.Unsauber.Dreck.Gehört sich nicht.)

    Einer Spinne bei der Arbeit zusehen ist atemberaubend.

    Wie kann ein so kleines Gehirn bessere und schönere Konstruktionen machen als die vermeintliche Krone der Schöpfung, die grade dabei ist (ungefähr seit Beginn der Abholzung der Wälder für Kriegsschiffe vor über 2000 Jahren) ihre Lebensgrundlagen zu vernichten?

    Spinnen kommen für uns Trampeltiere scheinbar aus dem Nichts.
    Auf einmal sind sie da. Von der Schöpfung ausgestattet mit einer Spinndrüse am Hinterleib .Super-Bungee-Seil.Hui- ein Aufschwung in parabolischer Kurve und am anderen Ende an einem für uns Trampeltiere unsichtbaren Punkt machen sie den Faden fest. Dann noch einen und noch einen. In einer selbst für uns Trampeltiere wunderschönen Geometrie.
    Und dann beginnt die Kunst der Querfäden. Das Netz. Da geht das Lebewesen wohl seinem Programm nach.

    Netzknüpfen,ratzfatz,schnurr und schnurbel mit allen acht Beinen reißfeste Befestigungen. Dagegen ist wahrscheinlich jeder noch so kunstvolle Schifferknoten ein Stümperwerk.

    Nun ist das Netz freilich auch noch mit ein bißchen Lockduft für Doofe versehen und mit ordentlich Kleber. Gleich kommt ein unwissendes Wesen geflogen. Hallo Beute,hast-du-nicht-gesehen, kommt die Fallenbauerin aus dem Versteck und binnen kleinen minütchen ist Beute spinnenhandlich verpackt.Zum späteren Aussaugen.

    Das Vorgehen hat erstaunliche Parallelen der Vorgänge im World Wide Web.

    Lauern auf Beute ist die Methode der Raubritter. Und derjenigen, die die heutige sogenannte Wirtschaftskrise verursacht haben.

    Ich sollte längst im Bett sein, aber dieses möchte ich wenigsten einem innerlich wachen Mitmenschen noch sagen:

    Wenn die Spinne genug gefangen hat – das Netz ist plünnig zerfetzt trostlos unschön keine spur mehr von eleganz und gleichmaß – dann kann sie nicht nach einem Onkel-Staat-Milliarden-Rettungsfonds rufen.

    Jan, wissen Sie, was dann die Spinne tut?
    Ich hatte das noch nie gesehen bis letztes Jahr.

    Das Licht schien auf das ordentlich zerfetzte Netz.

    Da kam die Erbauerin. Was sie hinten gesponnen hatte, nahm sie per „Mund“ genauso präsise und entknüpfend wieder in sich rein.

    Nicht das kleinste Fädchen blieb hängen. Alles wieder in der Verursacherin einverbeleibt.

    Das ist mal ein Recycling…

    So müßten dann wohl auch die Banken ihre eigenen Fallen fressen.

    Die Frage ist – Darwin anders gedacht, in neuer wissenschaftlicher Sicht – Wer hat in welcher Historie welche Gene durch welche Umwelterfahrung geformt.

    Und die wichtigste Frage für mich: muß das immer so bleiben, daß die Ausbeuter die Oberhand haben? Und wie kann man das ändern?

    Die bisherigen Revolutionen waren alle entsetzlich.
    Guillitineure allesamt.
    Robbespiere, Napoleon, …Lenin, Stalin, Hitler, Mao etc.
    Killing fields.
    Immer kam ein Super unterdrückter nach oben und dann – warum?- rannten ihm alle nach -und auf einmal drehte sich die Befreiungs-Sache um in Diktatur und Vernichtung.

    Sowas ist auch nicht große Klasse.

    Große Klasse sind die vonundzu Weizsäckers. Kluge Menschen.
    Vielleicht kann der Guttenberg das auch. Jedenfalls hat man ihm auch ordentlich viel weibliche Namen mit auf seinen Lebensweg gegeben.

    Könnte vielleicht ein feiner sensibler Mensch sein, wissen wir noch nicht.

    Skepsis ist angebracht.

    Das gilt aber für das ganze obrigkeitgesinnte Deutschland.

    Kleinstaaterei in 16 Bundesländern mit 16 totalteuren Verwaltungen. Mit 16 Kultusministerien und 16 Umweltministerien.

    Ach was wär das alles schön, wenn das alles irgendwie nützlich wäre.

    Na, vielleicht hat die versponnene Kleinstaaterei auch ihr Gutes.

    Die Kinder bleiben blöd, weil Erzieher/innen fehlen. (Derzeit werden 7000 ausgebildet. 17.000 werden laut neuer Bildungsstudie gebraucht.

    Diese vor dem Hartz IV Fernsehen parken. Essen: nur noch Fertigprodukte aus der Fabrik verabreichen.

    Dann hat sich das Problem irgendwann von selbst erledigt….

    Vielleicht gibts auch mal noble Adlige, die was gelernt haben.

    Mein Lieblings-Blaublüter ist Vicco von Bülow. (Loriot)

    Huch – hab mich nach einem langen Meditationsabend in der Volks-hochschule dem Gedankenfluß hingegeben. Dem was mich so grad bewegte im laufe der Stunden.

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