Burg Pottenstein droht der Verkauf


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Thilo von Wintzingerode und MdB Anette Kramme beim Ortstermin (Foto: Pressemitteilung von Anette Kramme)

Die Stiftung Burg Pottenstein schlägt Alarm: Für die Sanierung der ältesten Burg der Fränkischen Schweiz sind 2,4 bis 3 Millionen Euro nötig. Der Bund hat 300.000 Euro zugesagt, wenn gleich hohe bayerische Landesmittel fließen.

„Die anstehende Generalsanierung und die Kosten für die Maßnahmen zur Felssicherung übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der Stiftung bei weitem“, warnt der Stiftungsvorsitzende Thilo Freiherr von Wintzingerode bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Anette Kramme (SPD, siehe Pressemitteilung). Die Sozialdemokratin will jetzt beim Land Bayern nachfragen, ob der Freistaat nicht doch etwas tun kann.


Wenn Bund oder Land Bayern nicht weitere Mittel einsetzen, befürchtet der Vorsitzende einen drohenden Verkauf der historischen Bauten. Das könnte zur Folge haben, dass Gebäude und Museum nicht mehr öffentlich zugänglich wären. Er würde sich einen öffentlichen Kulturfonds für die Burg wünschen.

Ob bei der Konzentration der Politik auf Milliarden-Rettungspakete für Banken und Automobilindustrie noch Reserven für die Rettung von bedeutsamem Kulturgut übrig sind? Wahrscheinlich wird der Verlust historischer Denkmalsubstanz eine der bislang unabsehbaren Folgen der Finanzkrise sein. Welche Auswirkungen das hat, merkt man dann erst hinterher…

Geschichte
Die Burg entstand wohl um das Jahr 1050 zur Sicherung des Gebietes zwischen Obermain und Pegnitz (und ist damit älter als die Wartburg – ein Hinweis der in keiner Burggeschichte fehlen darf). Bei einer Bauforschung im Jahr 2004 konnten noch Gewölbe aus der Salier-Zeit nachgewiesen werden.

1104 fiel der Bau an das Bistum Bamberg – und blieb dort rund 800 Jahre. Die Fürstbischöfe schauten gelegentlich vorbei und ließen den Pottenstein von Ministerialen verwalten.

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Burg Pottenstein über dem gleichnamigen Ort (Foto: Wikipedia/Xocolatl/CC BY-SA 3.0)

Die Lage auf einem Jurafelsen erwies sich als strategisch äußerst günstig. Friedrich von Schwaben, Vater von Kaiser Barbarossa, plünderte 1128 zwar den Ort am Fuß der Burg, konnte aber das Felsennest nicht in seine Gewalt bringen.

Gegen ihren Willen musste die Heilige Elisabeth von Thüringen 1228 einige Monaten auf der Burg verbringen. Ihr Onkel, Bischof Eckert von Bamberg, versuchte in dieser Zeit eine Heirat Elisabeths mit Kaiser Friedrich II. zu erreichen.

Angeblich drohte die eigenwillige Landgräfin daraufhin, sich vorher die Nase abzuschneiden – und kam damit durch. Im Mai 1228 kehrte sie zu einem Begräbnis nach Thürigen zurück – und kam nicht mehr wieder. Heute erinnert auf der Burg ein Gedenkzimmer an Elisabeth.

Erobert wurde der Pottenstein erstmals 1525. Aufständische Bauern besetzten das inzwischen zum Bergschloss avancierte Anwesen und plünderten die Räume. Die Burg wurde jedoch nicht zerstört.

Nachdem 1679 noch das Vogthaus auf dem Burggelände neu errichtet wurde, verfielen die ehemaligen Wehranlagen. Der Bergfried war 1703 bereits Ruine. In den kommenden Jahren fielen immer wieder Steine herab, Mauern stürzten ein. Der bischöfliche Oberamtmann war 1749 in eine bequemere Residenz in den Ort gezogen.

Im Schloss wurde nur noch Getreide gelagert, dem ein einsamer Wächter Gesellschaft leitete. 1785 und 1812  mussten Nebengebäude abgebrochen werden, der Bergfried wurde 1816 eingerissten. 1875 kaufte ein Apotheker die Gebäude vom Königreich Bayern und verhinderte so den endgültigen Abbruch.

Seit 1918 gehört die Burg den Freiherren von Wintzingerode. Diese haben sie öffentlich zugänglich gemacht und ein Museum (Volkskundliche Sammlung, Waffen, Sonderausstellungen). Auch Mittelalter-Spektakel finden hier statt. 

Nach Angaben auf der Burg-Homepage haben sichmittlerweile schon 1,3 Millionen Besucher die Burg angesehen. Nun soll sich in Kürze auch ein Förderverein gründen. Wenn es denn in den nächsten Jahren überhaupt noch etwas zu fördern gibt…

Das Schicksal der Burg, eines der Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz, sorgt zumindest gelegentlich für ein großes Medienecho. Im Spätsommer 2008, nachdem Felsen aus dem Burgberg auf eine Bundesstraße gestürzt waren, berichteten immerhin ZDF, Süddeutsche Zeitung und die Lokalpresse über die berstenden Mauern von Burg Pottenstein.

Links:
Homepage der Burg (ziemlich umfassend)
Burg Pottenstein bei Wikipedia (spärlich)

Lage: Burg Pottenstein, 91278 Pottenstein



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