Das Ende der hessischen Besatzung von Burg Vischering

Vereiste Burggräben waren gefährlich. Sowohl für Angreifer als auch für Verteidiger. / Foto: Burgerbe.de
Vereiste Festungsgräben waren gefährlich. Sowohl für Angreifer als auch für Verteidiger. / Foto: Burgerbe.de

Ein harter Winter war auf Burgen eine schreckliche Zeit. Vor der Erfindung von stufenlos regelbarer Zentralheizung und wärmegedämmter Thermofenster war es praktisch unmöglich, die großen, zugigen Räume vernünftig zu heizen. Außerdem machte das düsterkalte Wetter viele Vorteile der Verteidigungsanlage zunichte. Hier mal ein kleines Beispiel aus dem Münsterland:

Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten 1633 hessische Truppen auch die auf zwei Inseln errichtete Wasserburg Vischering bei Lüdinghausen und besetzen sie. Auf dem Turm platzierten die Kriegsleute mit dem Badesalz-Dialekt drohend eine Kanone, um Angreifer außerhalb des Wassergrabens unter Feuer zu nehmen.

Die Hessen legten der Lüdinghausener Bevölkerung hohe Abgaben auf und fielen im Umland durch ihre ständigen Raubzüge ausgesprochen lästig. Die Lüdinghausener beschwerten sich daraufhin beim Münsteraner Domkapitel über den Söldner-Pöbel.

Der hohe Klerus, dessen Einkommen durch die Invasoren arg gebeutelt wurde, hatte ein Einsehen. Im Winter 1633/34 beauftragte das Domkapitel den Feldherrn Alexander von Velen mit einem Angriff auf Burg Vischering. Er hatte rund 3000 Mann unter seinem Kommando.

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Burg Vischering heute – Foto: meins

Die Gelegenheit war günstig: Im Februar 1634 waren die Kanäle (Gräfte) dort zugefroren. Die Burg konnte trockenen Fußes erreicht werden. Zudem herrschte gerade starker Nebel. Eine Insel des Komplexes – die mit der Vorburg – nahmen die Angreifer im Sturm. Nun merkten die Hessen, was die Stunde geschlagen hatte und wehrten sich heftig. Die münsteraner Tuppen konnten sich in Schussweite der Hessen eingraben.

Der Rest der Belagerung verlief brachial. Die Angreifer sprengten Teile der Außenmauern. Die einsame Kanone auf dem Turm konnte dagegen nicht viel ausrichten. Vier Tage lang wogte das Gefecht hin und her.

Gerne hätten sich die Angreifer den Weg durchs Haupttor freigesprengt, aber die Hessen hatten die Bretter der Brücke entfernt, und das Eis an dieser Stelle trug nicht oder war von ihnen zerhackt worden. Nur die Brückenpfosten ragten noch aus dem Wasser. Daher fiel der direkte Weg aus.

Von Velens Söldner entschieden sich zu einer Kommandoaktion. Sie balancierten mit ihrer explosiven Ladung von Posten zu Pfosten und kamen so unbemerkt bis ans Tor. Als die Ladung hochging, war das Schicksal der Hessen auf der Burg besiegelt. Und daher hört man heute den eigenwilligen Dialekt in Vischering nur noch von Touristen.

Quelle der hier verarbeiteten geschichtlichen Infos ist ein historischer Beitrag aus dem Online-Angebot der Borkener Zeitung (der leider nicht mehr online ist)



2 Gedanken zu „Das Ende der hessischen Besatzung von Burg Vischering“

  1. Dein Bild mit der Spiegelung ist ja super! Ach ja, eine Brücke gibt´s da sogar über den Graben. Danke noch für´s Verlinken.

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