Bayerische Gemeinde mit 943 Einwohnern kauft Burg Falkenberg

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Burg Falkenberg – wieder aufgebaut in der NS-Zeit durch Hitlers Botschafter in Moskau, Graf von der Schulenburg. Foto: Walter J. Pilsak/Wikipedia/CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die sanierungsbedürftige Burg Falkenberg (Oberpfalz) ist verkauft: Nach monatelangen Verhandlungen hat die Familie von der Schulenburg ein Angebot der Mini-Gemeinde Falkenberg und des Landkreises Tirschenreuth angenommen. Wie viel Geld tatsächlich geflossen ist, wird bislang nicht verraten, wahrscheinlich haben Gemeinde und Landkreis rund 600.000 Euro auf den Tisch gelegt.

Das Kuriose: Falkenberg hat gerade mal 943 Einwohner. Nur dank eines starken Gewerbesteuerzahlers, der Firma IGZ kann sich der Flecken an der Grenze zu Tschechien die für seine Verhältnisse Riesen-Investition überhaupt leisten.

CSU-Bürgermeister und Planungsgruppe Burg erläuterten in einer Bürgerversammlung die Pläne. Die Sanierung soll rund drei Millionen Euro kosten. Armin Juretzka und Werner Plödt informierten bei der Versammlung über das Sanierungs- und Nutzungskonzept.

Es geht um fast 650 Quadratmeter Fläche. Vorgesehen sind ein Saal für Veranstaltungen verschiedenster Art. Auch sechs Zimmer mit einem Frühstücksraum sollen hinzukommen, allerdings ist keine Nutzung als Gastronomiebetrieb vorgesehen. Eine Kapelle und Museumsräume vervollständigen das Angebot. Dabei will man vor allem auf die bestehenden Räume zurück greifen und so wenig wie möglich umbauen.

Dabei gab es auch durchaus Kritik aus den Reihen der Zuhörer. Einige waren der Ansicht, dass die Übernahme der Burg „eine Nummer zu groß“ für den Ort sei.

Als frühest möglichen Sanierungsbeginn nannte der Bürgermeister Mai 2010. Bis dahin soll logischerweise auch die Finanzierung stehen. Die Gemeinde hofft, 85 bis 90 Prozent der Kosten aus Landesmittel zu bekommen. Dann blieben allerdings immer noch mehr als 300.000 Euro, die der Ort aus Steuermitteln aufbringen müsste.

Die Burg auf einem Granitfelsen kontrolliert einen Übergang über den Fluss Waldnaab. Sie wird 1154 erstmals erwähnt. 1934 hatte der spätere Wiederstandskämpfer und deutsche Botschafter in Moskau, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, die Anlage gekauft. Er war im Falle eines Gelingens des Attentats vom 20. Juni von den Verschwörern um Graf Stauffenberg als Außenminister vorgesehen. Im November 1944 wurde er hingerichtet. Die Burg soll auch als Gedenkstätte an Schulenburg erhalten bleiben.

Ich finde den Schritt des Gemeinderates mutig. Falkenberg hat gezeigt, dass es bereit ist, zum Erhalt der Burg massiv beizutragen (die Gewerbesteuereinnahmen hätte man sicher auch gut anderweitig ausgeben können), darf das Land Bayern, dass den Löwenanteil der Arbeiten aus Fördermitteln bestreiten muss, den Ort nicht hängenlassen.

Es gibt allerdings auch, wie bereits bei der Projektvorstellung seutlich wurde, Kritik und die Befürchtung, die Mini-Gemeinde habe sich bei Sanierung und Folgekosten finanziell überhoben. Hier mal Auszüge aus einem Kommentar von Matthias (Burgenwelt.de):

Ob die Burg den Charme den sie bislang im Innern hatte bewahrt, nach den Vorstellungen der Architektengemeinschaft möchte ich bezweiflen… Der Rittersaal soll Appartement werden usw.

Eine “Ohrfeige” für jeden privaten Denkmaleigentümer finde ich, dass man vorhat, die Sanierungskosten rein auf Fördergeldern aufzubauen. Wenn die Gemeinde sich so etwas zutraut, sollte sie sich auch vorher Gedanken gemacht haben, wie man diese kostspielige Sanierung eigenständig bewältigen kann … wer weiss wann jemals die Sanierung beginnt … und ob sie sich überhaupt in den Folgekosten im klaren sind?

Infos zur Geschichte der Anlage im Burgerbe-Beitrag zu Burg Falkenberg.


Ein Gedanke zu „Bayerische Gemeinde mit 943 Einwohnern kauft Burg Falkenberg“

  1. Hallo,

    die Angaben im Text sind etwas überholt. Etwa 600td Euro hat der Kaufpreis betragen und selbst dieser muss bezuschusst werden. Dann kommt hinzu das die geschätzten Sanierungs- / Umbaukosten bei 3,2 Mio Euor liegen werden. Ob die Burg den Charme den sie bislang im Innern hatte bewahrt, nach den Vorstellungen der Architektengemeinschaft möchte ich bezweifln …. Rittersaal soll Appartement werden usw.
    Eine „Ohrfeige“ für jeden privaten Denkmaleigentümer finde ich das man vorhat diese mittleriweile ja fast um das doppelte veranschlangten Sanierungskosten rein auf Fördergeldern aufzubauen und die privaten Eigentümer teilweise Ihr seit Jahrunderten in Familienbesitz befindliches Denkmal kaum aus privaten Mitteln erhalten können und vom Staat sowieso im Stich gelassen werden. Beispiele hierfür kann ich etliche nennen. Wenn die Gemeinde sich so etwas zutraut sollte sie sich auch vorher Gedanken gemacht haben wie man diese kostspielige Sanierung eigenständig bewältigen kann … wer weiss wann jemals die Sanierung beginnt … und ob sie sich überhaupt in den Folgekosten im klaren sind?

    MfG
    Matthias

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