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Die Drachenburg: Ein Märchen aus Stein am Rhein

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Schloss Drachenburg – Bild: Wikipedia/Tohma (talk)/CC BY-SA 3.0

Die Drachenburg liegt malerisch auf dem Drachenfels über dem Rhein bei Königswinter mit Blick auf Bad Godesberg. Ihre Geschichte ist noch gar nicht so alt, aber trotzdem ziemlich wechselhaft und hochinteressant.

Es begann alles damit, dass der 1833 geborene Bonner Gastwirtssohn Stephan Sarter an der Börse (durch Spekulation u.a. mit Suez-Kanal-Aktien) ein Vermögen machte.

Da Börsen-Gurus bereits damals hohes Ansehen genossen, wurde der Bankier von Herzog Georg von Sachsen-Meiningen geadelt – und gleich in den Rang eines Barons erhoben. Weil man als frischgebackener Baron aber auch standesgemäß logieren will, legte Sarter 1886 den Grundstein für eine märchenhafte, türmchenbestückte Schloss-Villa auf dem Drachenfels. Von weitem sieht sie wie ein gotischer Dom aus.


Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, bewohnte Sarter sein Domizil nicht, sondern ließ es sich in Paris gutgehen. Ist schließlich auch ein schönes Leben, mal eben an der Seine dem/der Liebsten ins Ohr säuseln zu können: „Isch ‚abe da ein petit Chateaux am Rhein, mon amour…“ Sarter blieb jedenfalls Junggeselle, und das Fantasieschloss wurde nach seinem Tod 1903 versteigert.

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Blick vom Rhein aus: Links die Drachenburg, rechts oben der Drachenfels – Foto: Meins

Der nächste Besitzer, der Jurist Jakob Biesenbach setzte ein Hotel in den „mittelalterlichen“ Burghof. Er verkaufte die Anlage aber bald (1910) wieder an Rittmeister a. D. Egbert von Simon. Der Militär hatte hochfliegende touristische Pläne. Er wollte aus dem Bau so eine Art kaiserliches Diseneyland machen. Mit Schaubuden, nationalen Theaterstücken und sogar einer Luftschiffhalle samt Zeppelin. Doch der Erste Weltkrieg kam dazwischen. Von Simon fiel 1915. Der Traum der großen Besucher-Attraktion zerstob.

Nach neuerlicher Versteigerung wurde die Burg 1931 zum christlichen Internat Heimschule St. Michael. Es waren jedoch keine Zeiten für katholische Jugendbildung. Für die Nationalsozialisten war das mystisch wirkende Gemäuer viel zu interessant, um es der Kirche zu überlassen. 1939 musste die Schule schließlich schließen.

Die Nazis nutzen den Komplex dann ab 1942 selber als Adolf-Hitler-Schule. Lokaler NS-Führungsnachwuchs sollte hier herangebildet werden. Die spielerisch-geschwungene Treppe des Hauptportals wurde abgerissen und durch eine klobigere Variante ersetzt. Monumentalität war gerade schwer in Mode. Im Garten zogen Flakgeschütze ein.

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Postkarte der Burg um 1900 – Foto: Library of Congress

Somit war das Schloss zum militärischen Ziel geworden, dass die Alliierten auch prompt unter Artilleriefeuer nahmen. Noch heute übersähen Einschusslöcher die Fassaden. Der Bau steckte reihenweise schwere Treffer ein, die Dächer zerstörten und  die Mauern für Regenwasser öffneten.

Schließlich besetzten US-Truppen den Berg – verfeuerten erstmal die Holzvertäfelungen und nahmen mit, was sie an Zierrat entfernen konnten.

Das wilde Treiben der Befreier hatte glücklicherweise bald ein Ende. 1947 zog die Reichsbahndirektion Wuppertal mit einem Schulungszentrum ein und brachte die Gebäude notdürftig in Ordnung. Die Bahn nutzte den Komplex bis 1960 und ließ ihn nach dem Auszug verfallen. Die Drachenburg sollte schon abgerissen werden.

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Nochmal ein Rheinlick – Foto: Meins

1971 fasste sich Paul Spinat ein Herz, kaufte die Burg und begann mit der Instandsetzung. Nach seinem Tod 1989 knüpfte die NRW-Stiftung daran an und begann mit der Restaurierung. Sie läuft seit nunmehr 20 Jahren. Auf der Burg gibt es dazu inzwischen eine eigene Ausstellung  „wegen Renovierung geöffnet“.

Quelle: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/chancen/id=3392&type=stellen (mit Dank an Marvin für den Tipp. Archivalia hatte die Anzeige auch schon veröffentlicht). Infos zur Geschichte der Drachenburg finden sich auf der Burg-Homepage


3 Gedanken zu „Die Drachenburg: Ein Märchen aus Stein am Rhein“

  1. es ist so typisch für unser land kein interesse an historischem zu haben, lieber abzureißen als zu erhalten. als ganz typisches beispiel könnte meine heimatstadt saarbrücken gelten, man schaue sich mal an, was der wahn des „der verkehr muß rollen“ und „weg mit dem alten Gelump“ aus der ehemals so hübschen stadt gemacht haben. Ich unterstütze die deutsche stiftung denkmalschutz, auch wenn ich nur eine kleine rente habe, und ich möcht jeden bitten, sein kleines oder auch kleinstes scherflein beizutragen zu retten was noch zu retten geht.

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