Schloss Ettlingen: Die Witwe des Türkenlouis liebte es prächtig


Ettlingen: Proben für die Schlossfestspiele

Viele Städte sind mächtig stolz auf ihre Schloss- und Burgfestspiele. Das können sie auch sein, denn aus kleinen Laienspiel-Aufführungen sind mit den Jahren Groß-Events mit Profi-Schauspielern und zehntausenden Besuchern geworden, z.B. bei den Schlossfestspielen in Neersen.

Ich war nun am Wochenende im schönen badischen Ettlingen bei Karlsruhe, und da gibt es ein sehr schön restauriertes Markgräfliches Schloss (mit schmucker Barockfassade) und – erraten – Schlossfestspiele.

Auf dem Programm stehen das Musical „The scarlet Pimpernel“ und der bei Schlossfestivals, um die Kultur-Quote zu erfüllen, offenbar gänzlich unverzichtbare Shakespeare: In diesem Fall „Viel Lärm um nichts“. Was ich von den Proben im Schlosshof mitbekommen habe, klang schon recht viel versprechend.


Im Gebäude selbst ist heute das Albgaumuseum für Geschichte und Archäologie sowie eine Gemäldegalerie untergebracht. Einige Säle zeigen eine ostasiatische Sammlung. Das Samuraischwerter und -Helme in den barocken Prunkräumen reichlich deplaziert wirken, scheint niemanden zu stören.

Im Erdgeschoss erwartet den Besucher eine Ausstellung, die sich der Küche im Wandel der Jahrhunderte widmet. Durch die aufgereihten Kühlschränke kommt man sich teilweise wie im Ausstellungsraum eines Elektro-Fachgeschäfts vor. Ist aber alles sehr liebevoll gemacht.

Mich interessierte dann aber doch eher die kleine archäologische Sammlung in einem Untergeschoss. Die fruchtbare Gegend hat eine lange Siedlungsgeschichte. Kelten, Römer, Merowinger, Franken gaben sich sozusagen die Klinke in die Hand und hinterließen Spuren.

Vorgängerbau des Schlosses war eine mittelalterliche Burg deren Anfänge aus dem Ende des 12. Jahrhunderts datieren. Sie sollte das 1192 von Heinrich IV. zur Stadt erhobene Ettlingen schützen. 1219 fiel die Befestigung an die Markgrafen von Baden, die erstmal mit dem Ausbau begannen. Sie errichteten auch den noch heute erhaltenen Bergfried. Im Rahmen der Küchenausstellung kann man von unten einen Blick in den Bergrfried werfen. Er ist allerdings entkernt und sieht so von innen ziemlich trist und hohl aus, die Zwischengeschosse fehlen.

Unter den Markgrafen wurde das Schloss nach 1538 zu einem Prachtbau der Renaissance. Hintergrund war die Teilung der Markgrafschaft, und jede Linie wollte natürlich ihre Herrschaft besonders legitimieren – und gegenüber den Verwandten mächtig angeben.

An den Südflügel wurden in dieser Zeit zwei runde Ecktürme angebaut, der Bergfried bekam ein Obergeschoss aus Fachwerk. Auch ein Brand 1558 konnte daran nicht viel ändern. Um 1600 war die dreiflüglige Renaissance-Anlage um den alten Bergfried fertig.

Doch die Zäsur kam 1689. Beim Pfälzischen Erbfolgekrieg wird Ettlingen von französischen Truppen gestürmt und niedergebrannt. Auch große Teile des Schlosses fallen dem Brand zum Opfer.

Für den erneuten Wiederaufbau zeichnet Margräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden verantwortlich. Nach dem Tod ihres 51-jährigen Gatten, des Markgrafen Ludwig Wilhelm (Türkenlouis) nach einer Schlacht gegen die Franzosen, wählte Sibylla Augusta Ettlingen als Witwensitz. Sie ließ das Schloss ab 1726 nach Plänen des Barockarchitekten Ludwig Rohrer äußerst üppig wieder errichten.

Besonders lag der religiösen Gräfin die Schlosskapelle am Herzen, die durch den spätbarocken Freskenmaler Cosmas Damian Asam ausgemalt wurde. Heute ist die ehemqalige Kapelle Hauptsaal des Schlosses, und man kann Asams Kunst immer noch bewundern. Sibylla Augusta starb 1733. Ihre Grabplatte in Rastatt trägt die Inschrift „+ BETTET FÜR DIE GROSE SÜNDERIN AUGUSTA MDCCXXXIII„.

Nach dem Tod der Gräfin begann der Niedergang der Anlage. Zunächst diente das Markgräfliche Schloss als Gästehaus, ab 1812 als Militärhospital. 1871 brachten die Preußen hier eine Unteroffiziersschule unter. 1912 fiel das Schlos schließlich an die Stadt Ettlingen. Und die nutzt es heute als Museu, Galerie – und Ort der Schlossfestspiele. Ein Besuch des beschaulichen Städtchens mit seinen verwinkelten Gassen (unweit von Karlsruhe) ist übrigens sehr zu empfehlen.

Lage: Schloss Ettlingen, Klostergasse 8, 76275 Ettlingen

Links: Schlossmuseum, ein schönes Bild des Asam-Saals findet sich bei Schloss-Rastatt.de. Ettlingen.de gibt ein paar historische Infos.

Bilder: Meine

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