auerbacher schloss kiefer

Schloss Auerbach: Wo eine 300-jährige Kiefer im Mauerwerk wurzelt

Schloss Auerbach mitsamt Kiefer
Schloss Auerbach mitsamt Kiefer

Seit 300 Jahren hat die Ruine des Auerbacher Schlosses einen knorrigen Mitbewohner. Schon kurz nach der Zerstörung durch die Franzosen 1674 muss sich ein Kiefern-Samen in der brüchigen Mauer eingenistet haben. Das junge Pflänzchen schlug Wurzeln und konnte jahrzehntelang unbehelligt wachsen. Licht und Wasser gab’s hier oben genug.

Immer tiefer krallten sich die Wurzeln in den porösen Sandstein, immer dicker wurde der Stamm und immer weiter breitete sich die Krone aus. Mit der Zeit wurde die alte Kiefer ein Markenzeichen der malerischen Ruine. Heute ist sie sieben Meter hoch. Eher klein für eine Kiefer, für ein einstiges Mauerbäumchen aber gigantisch.


auerbach4Das Auerbacher Schloss war einst eine der mächtigsten Burgen im südlichen Hessen. Heute ist es eine eindrucksvolle Ruine. Ich war vor 25Jahren schon einmal da und fand den in luftiger Höhe wachsenden Baum äußerst beeindruckend.

Heute steht er immer noch dort. So viel Standfestigkeit muss einfach belohnt werden. Ich bin ja kein Tree-Hugger, daher hab ich ihn nur getätschelt. Wir zwei verstehen uns. Der kleine Melibokus, auf dem die Burg steht, ist übrigens ein prima Name für einen Berg. Klingt irgendwie satanisch. Dabei ist das nur ein angenehm anzuschauender, bewaldeter Buckel.

Als Erbauer der Burg gilt (um das Jahr 1222) Diether IV. von Katzenelnbogen. Er wollte damit die Besitzungen seiner Grafschaft südlich des Main sichern und Wegezoll erheben.

Erstmals erwähnt wird die Burg 1247, damals noch „Feste Urberg“ genannt. Im Jahr 1356 erschütterte ein Erdbeben den Rheingraben, was zum Einsturz des ersten Bergfrieds führte. Beim Wiederaufbau nach 1370 wurde die Burganlage noch deutlich erweitert.

Die Mauern der neuen Bastion wurden mit vier Metern so dick, dass sie auch den wenige Jahre vorher auf den Schlachtfeldern erschienenen Steingeschützen Paroli bieten konnten. Kurzzeitig war Schloss Auerbach, wo diese Bastionsbauweise erstmals zum Einsatz kam, die modernste Festung im Reich.

Gegen Belagerungen war sie auch durch den 62 Meter tiefen Brunnen gerüstet, der 1937 freigelegt wurde und heute noch sichtbar ist.

Nun war die Burg so repräsentativ, dass der Graf sich gern hier oben aufhielt. Daher entstand im 14. Jahrhundert auch der Name Schloss Auerbach. Da die beiden Söhne von Graf Philipp dem Älteren von Katzenelnbogen starben, erbte seine Tochter Anna Grafschaft und Schloss. Die wohl ausgestattete Braut heiratete 1479 den Landgrafen Hermann III. von Hessen-Marburg.

Somit fiel auch die Odenwald-Burg an die Landgrafen. Diese hatten in den Folgejahren allerdings kein sonderliches strategisches Interesse an der Festung und ließen sie voneinem Amtmann verwalten.

Das gräfliche Flair verschwand. Nicht mal im Dreißigjährigen Krieg wurde sie verteidigt. 1635 plünderten schwedische und französische Soldaten die Anlage.

Die Burg blieb aber Anlaufpunkt der Schutz suchenden Bevölkerung der Umgebung. Insbesondere, wenn durchziehende Heere die Gegend heimsuchten. So war es auch 1674, als ein französisches Heer unter Marschall Turenne im Auftrag von Ludwig XIV. die hessische Bergstraße entlang zog.

Die Bewohner von Auerbach, Hochstädten und Balkhausen retteten sich in die Festung und verrammelten das Tor. Angeblich gelang es dann einer Gruppe in französischen Diensten stehender Schotten durch einen unterirdischen Gang in die Festung einzudringen und die Tore zu öffnen.

Fakt ist: Die Soldaten des Sonnenkönigs stürmten das Schloss und massakrierten die Schutzsuchenden.

Dann legten sie Feuer und hinterließen eine rußgeschwärzte Ruine. Das Schloss wurde nie wieder aufgebaut. 1820 brach dann der Nordturm ein. 30 Jahre ließen sich die Hessen mit dem Wiederaufbau Zeit. Schon 1888 kam ein Restaurant hinzu: Eines der ersten Burg-Restaurants in Deutschland. 1902 bis 1907 wurden Teile der Ruine wieder hergestellt. Dabei wurde auch umfangreich ausgegraben.

1990 öffnete schließlich ein neu erbautes Restaurant im Schlossbereich. Heute ist dort auch Erlebnisgastronomie beheimatet. Und das Team ist ganz schön aktiv: Es gibt Rittermahle, Hexenmahle, Schloss-in-Flammen, Turniere, etc. Eine Übersicht steht auf Schloss-Auerbach.de.

Der Besuch der Ruine von Schloss Auerbach, die sich heute im Besitz des Landes Hessen befindet, ist kostenlos. Seit 2007 ist auch der südliche der beiden Türme nach umfangreicher Sanierung wieder zugänglich.

Als Fazit will ich hier mal die Schlusssätze eines Artikels der hessischen Denkmalpfleger über die Burg posten:

Das so genannte „Auerbacher Schloss“ ist von besonderer bau- und kulturgeschichtlicher Bedeutung. Als Verteidigungsanlage war Burg Auerberg in ihrer Zeit wegen ihres weitgehend regelmäßigen, dreieckigen Grundrisses wehr- und bautechnisch auf dem modernsten Stand, wie auch eine andere bedeutende katzenelnbogische Burg, die Marksburg bei Braubach. Offensichtlich lieferte die repräsentative staufische Architektur Vorgaben, möglicherweise spielt hier aber auch die südeuropäische oder gar byzantinische Architektur eine gewisse Rolle, welche die Grafen von Katzenelnbogen als Gefolgsleute Friedrichs II. und als Teilnehmer diverser Kreuzzüge kennengelernt haben.

Link: Wiki-Eintrag. Weitere Infos, speziell zur Architektur beim besagten Artikel der hessischen Denkmalpflege. Eindrucksvolle 360-Grad-Bilder der Ruine und der Gastronomie verstecken sich hier.

Lage: Oberhalb Bensheim-Auerbach – Beschilderung beachten. Bloß nicht der Adresse folgen, die im Impressum angegeben ist. Da landet man meilenweit daneben. Hab’s ausprobiert.

Fotos von Schloss Auerbach: Burgerbe.de (zum Vergrößern anklicken)

6 Gedanken zu „Schloss Auerbach: Wo eine 300-jährige Kiefer im Mauerwerk wurzelt“

  1. Hi Jan,

    ok, zuerst mal: Schöne Seite mit einem faszinierenden Thema, gefällt mir sehr gut.

    Auch das Auerbacher Schloss hast du sehr gut getroffen, sowohl in Wort als auch im Bild, allerdings hätte ich da noch zwei kleine Anmerkungen:

    1) „Hochstädten“ schreibt sich mit „dt“. Da musst du höllisch aufpassen, sonst hast du ruckzuck ein ganzes Dorf voll wilder odenwälder Bergbauern gegen dich aufgebracht. Und viele von denen haben schreckliche tiefergelegte VW-Golfs, mit denen sie zuweilen bis weit in die Ebene vordringen, wenn die dich erstmal auf dem Kieker haben… 😆

    2) Wer der Meinung ist, der Melibokus sei „nur ein angenehm anzuschauender, bewaldeter Buckel“, der ist ihn offensichtlich noch nicht hochgejogged. Ich hab´ das schon oft genug gemacht, und du kannst mir glauben: Das ist kein Buckel, sondern ein hoher, steiler, anstrengender, ausgewachsener Mittelgebirgsberg – also bitteschön etwas mehr Respekt, junger Mann… 😉

    Falls du wieder mal in die Gegend kommst, könnte ich dir die Ruine Tannenberg über Seeheim empfehlen. Die macht rein äußerlich zwar nicht so viel her, wie Frankenstein oder Auerbacher Schloss, dafür gilt sie aber als die erste europäische Befestigungsanlage, die mit Hilfe von Schwarzpulverwaffen erobert wurde, und hat dementsprechend eine bestens blogbare Backstory (vgl. hier http://laufblog.wordpress.com/2008/08/05/burg-tannenberg-und-stettbacher-tal-ein-laufbericht-mit-fotos-131-km/ – natürlich liegt mein Fokus eher auf öden „dann bin ich links und dann bin ich rechts und dann war es total steil“-Berichten, entsprechend kann man das sicher noch besser machen, aber na ja – you get the idea… 😀 )
    Ebenfalls sehr schön sind Schloss Lichtenberg im Fischbachtal und Burg Lindenfels.

    Mach´ weiter so, und vielleicht bis irgendwann an der Bergstrasse

    Matthias

  2. Bin eine geborene Auerbach, wäre schön, wenn mehr über die Geschichte der Familie Auerbachs erwähnt wäre. Aber Beitrag war interessant.

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