Preußen-Stiftung: Schlösser-Fotos nur noch gegen Bares?

Wer Schloss Sanssouci fotografiert und mit diesen Fotos Geld verdient (etwa durch Postkarten, einen Bildband oder einen Blogbeitrag), soll davon doch Bitteschön einiges an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten abführen. Genau das fordert besagte staatliche(!) Stiftung und verklagt deswegen die Fotoagentur Ostkreuz vor.

Das meldet der Berliner Tagesspiegel unter der passenden Überschrift Zur Kasse, bitte!. Die Stiftung löste damit laute Empörung bei Journalisten aus.

Die Stiftung argumentiert, dass gewerbliche Fotografen, die auf fremdem Grund und Boden arbeiten, grundsätzlich die Erlaubnis des Eigentümers brauchen. Und die will man sich eben mit geschätzten 65.000 Euro im Jahr von den Fotografen bezahlen lassen.

Ostkreuz hält dagegen, dass es sich um öffentliche Anlagen handelt, die aus öffentlichen Parks heraus fotografiert werden. Im Zweifel sei die Pressefreiheit gegenüber den Schutzinteressen der Stiftung das höhere Gut. Ostkreuz wollte keine Unterlassungserklärung unterschreiben. Jetzt droht der Agentur ein Zwangsgeld von 250.000 Euro. Der Prozess dürfte Mustercharakter haben.

Kommentar:
Das ist mal wieder ein Musterbeispiel, wie Kulturbeamte die eigene Wichtigkeit maßlos überschätzen und in die Wirtschaft hineinregieren wollen, was nur zu Chaos führt.

Presse und Buchverlagen, die selbstversändlich profitorientiert arbeiten, kann man doch nicht ernsthaft das Recht auf freie Schlösser- und Burgenfotos streitig machen. Die Preußen-Stiftung könnte ja sonst „unliebsamen“ Berichterstattern einfach die Fotoerlaubnis entziehen.

Liebe Stiftung Preußische Schlösser und Gärten: Die DDR ist 1989 untergegangen. Ihr werdet diese Art von Zensur sicher nicht wieder einführen. Klar, für reinen Kitschkram wie die Tasse mit Sanssouci-Bildchen sollte die Stiftung meinetwegen Tantiemen kassieren dürfen. Aber doch nicht für Bildbände mit journalistischem Anspruch.

Wenn ihr Geld verdienen wollt, dann bringt gefälligst gute DVDs unters Volk, organisiert auf Euren Schlössern und in Euren Gärten spannende Veranstaltungen und greift nach EU-Fördergeldern. Aber lasst die Fotografen ihre Arbeit machen. Alles andere ist ein massiver Eingriff in die Pressefreiheit!

NACHTRAG
Das Oberlandesgericht Brandenburg hat im Februar 2010 in einer Berufungsverhandlung das von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ausgesprochene Fotoverbot für unrechtmäßig erklärt (Az. 5 U 12/09). „Damit ist der Versuch der Stiftung gescheitert, Bildjournalisten in ihrer freien Berufsausübung einzuschränken“, kommentierte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken.

Foto: Wikipedia, Raimond Spekking

5 Gedanken zu „Preußen-Stiftung: Schlösser-Fotos nur noch gegen Bares?“

  1. Eine große Frechheit was SPSG hier abzieht. Herr Hartmut Dorgerloh sollte für solch eine Entscheidung seinen Posten räumen.
    Sie bekommen es nicht hin mit anderen Firmen zusammen zu arbeiten und profitabel zu wirtschaften und jetzt solch eine unüberlegte Rettungsaktion.
    Nicht mit uns Potsdamern …

  2. @Lars – ich finde, dass das Fotografieren öffentlicher Gebäude und die Verwendung dieser Fotos ganz unbedingt zur Pressefreiheit zählen 😉

  3. Hmmm… Ob ich in diesem Fall ausgerechnet mit der Pressefreiheit argumentieren würde? Unter Pressefreiheit verstehe ich so Sachen wie Quellenschutz, besondere Vertraulichkeits- und Geheimnisrechte etc. etc.

    Das pauschale Recht, ohne spezifischen Anlass und einfach zur monetären Verwertung alles und jeden zu fotografieren, auf eine Stufe mit derartigen Grundwerten zu stellen, halte ich für eher fragwürdig. Ganz unabhängig davon, wie man nun das Verhalten der Stiftung beurteilt.

  4. die haben wohl eine macke, oder? geldgeilheit hat schon vielen den verstand vernebelt. ich denke, ich hoffe, das gericht wird entsprechend handeln und nicht solchen zockern auch noch tür und tor öffnen… dann ist die pressefreiheit komplett im eimer.

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