Starkenburg: Bergfried enstand an falscher Stelle neu

Die Starkenburg: Man war das heiß. Und steil. Und voll. Voller Kinder, schnitzeljagender Kinder. Jeder Grundschüler entweder mit ipod oder MP3-Spieler bewaffnet. Einige dazu noch mit röhrendem Ghettoblaster. Verzerrte Sido-Verse hallten im Schatten der teilweise wiederaufgebauten Ruine wider. Willkommen in der Bildungswirklichkeit. Arg!

Die genervten Lehrerinnen taten das einzig Richtige: Die Kinder (wahlweise suchend oder lästernd) ignorieren und Schiffe-Versenken-Spielen. Mein Mitleid haben sie: Mit so einer Horde verwöhnter Bratzen auf der völlig überhitzten Jugendherbergs-Terrasse sitzen, auf glühende Ruinen gucken und sich von präbubertärer Musikauswahl beschallen lassen: Nein Danke! Auf den Turm kann man nur Samstag/Sonntag.



Die Starkenburg, 295 Meter hoch auf dem Schlossberg über dem hessischen Heppenheim gelegen, hat also ihre Bestimmung als Jugendherberge gefunden. Im Jahr 2065 wird sie ihre 1000-Jahr-Feier begehen können. Sie ist die älteste Höhenburg der Bergstraße. Möglicherweise geht die Anlage sogar auf einen römischen Ringwall zurück.

Gegründet wurde sie zum Schutz des nahen, ausgesprochen reichen Klosters Lorsch, das in dieser Zeit über Landbesitz von Flandern bis in die heutige Schweiz verfügte. Im Notfall konnten sich die Mönche hierhin retten.

Angeblich gab es sogar einen Geheimgang durch den Berg vom Kloster zur Burg. Man hat allerdings nie eine Spur davon gefunden. Die Festung deckte zudem die Mainzer Bergstraße.

1206 taucht die Burg erstmals in Dokumenten auf, unter dem Namen „Starkimberg“. 1232 schenkte Kaiser Friedrich II. Fürstabtei Lorsch mitsamt Burg (die eigentlich immer im Grenzgebiet lag) dem Erzstift/Kurfürstentum Mainz. Die Mainzer legten eine Garnison in die Festung und verstärkten die Bauwerke im Lauf der Jahrhunderte immer wieder.

Im Dreißigjährigen Krieg half das nicht weiter. Kaiserliche Truppen unter Tilly, unterstützt von spanischen Kontingenten, erobern die Burg 1621/22. Aus dieser Zeit stammt auch der spanischen Friedhof vor der Burg. Die Kaiserlichen halten die Gemäuer bis 1623. 1647 und 1654 versuchen französische Truppen unter Marschall Turenne eine Belagerung, scheitern jedoch. 1680 ließen die Mainzer zuletzt Vorwerke, Bastionen und Mannschaftsbaracken umbauen.

1765 zogen die kurmainzischen Truppen ab. Drei Jahre später schlug ein Blitz in den Bergfried ein, der ausbrannte. Ein langsamer Verfall der Anlage begann. N Die Anwohner bedienten sich hier, wenn sie gerade Baumaterial benötigten.  ach der Säkularisierung fielen Ort und Burg 1803 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Die hessische Obrigkeit verbot umgehend die weitere Abfuhr von Steinen und drohte, als das offenbar nicht fruchtete, 1816 bei Zuwiderhandlung sogar mit Zuchthausstrafen. Da waren aber schon alle Gebäude innerhalb der Burg abgerissen. 1877 begann man mit Instandhaltungsmaßnahmen.

Doch die Denkmalschützer kamen für Teile der Burg zu spät. Der alte Bergfried in der Mitte des Burghofs war einsturzgefährdet, trotz seiner bis zu drei Meter dicken Mauern. Im Oktober 1924 entschloss man sich zur Sprengung. 1500 Kubikmeter Schutt mussten anschließend weggeräumt werden.


Der Wiederaufbau erfolgte – zum Schrecken heutiger Denkmalschützer – nicht an der historischen Stelle. Da man einen freien Hof haben wollte, baute man den Bergfried 1930 als zehnstöckigen Aussichtsturm an der Westseite wieder auf, und zwar im kantigen Stil der Zeit. Angeblich bemühte man sich, den Turm dem alten Bergfried anzugleichen.

Obwohl die Farbe der Steine auf die anderen Gebäude abgestimmt ist, passt die Form meiner Meinung nach überhaupt nicht zur restlichen Burg und erinnert eher an die so genannten Ordensburgen der kurz darauf anbrechenden NS-Zeit. Eingemauert ist hier eine Platte mit zwei Delfinen aus dem 16. Jahrhundert, die wohl von der Zisterne stammt. Erhalten, bzw. erneuert sind außerdem drei der vier Rundtürme auf den Ecken der Kernburg, ebenso die Türme der Zwingeranlagen. Ziemlich genial ist der weite Blick auf Heppenheim, Rheinebene und Bergstraße.

An der Stelle des einstigen Palas entstand 1960 die besagte Jugendherberge (Foto links) mit ihren 121 Betten und fünf Tagungsräumen. Sie schließt sich an den 1930er Bergfried an. Die Burg gehört heute immer noch dem Land Hessen.

Ein Stück unterhalb der Burg befindet sich übrigens eine Sternwarte und ein Planetenwanderweg. Die Starkenburg ist auch im Logo des Heppenheimer Geschichtsvereins zu finden, der seit 1924 eine gleichnamige Zeitschrift herausgibt.

Wer die Starkenburg bei Google sucht, wird möglicherweise bei der falschen Burg landen: Neben der Starkenburg bei Heppenheim gab es noch die Starkenburg bei Enkirch (Mosel), wo 1328 Erzbischof Balduin von Trier (bzw. von Luxemburg) durch Gräfin Loretta von Sponheim gefangengehalten wurde. Sie ist heute nicht mehr zu sehen.

Spukgeschichten: Melampus bellt noch heute
Zum einen soll hier, wie in jeder vernünftigen Burg, eine Weiße Frau umgehen. Ich gehe aber mal davon aus, dass die brüllenden Kinder und ihr Chartgedudel das mitternächtliche Spuken bereits reichlich madig gemacht haben. Interessanter und rührender ist da die Geschichte des Geister-Hundes Melampus (Schwarzfuß). Ich zitiere mal, wie das bei Wiki beschrieben ist:

Der Hund Melampus war ein Begleiter eines Müllers, der im Dienst der Starkenburg stand. Melampus wurde über die Jahre zu einem festen Bestandteil des Burglebens und wurde wegen seiner Zuverlässigkeit bald auch zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt. Zu diesem Zweck soll er angeblich oft den Geheimgang zur Burg benutzt haben, der wohl von der Burg bis zum Kloster Lorsch ging, und in dem sich auch der Burgschatz befinden soll. Eines Tages wurde die Burg angegriffen. Melampus kämpfte und schleppte sich schwer verletzt zum Geheimgang, wo er starb. Die Burgbewohner beschlossen, ihn dort zu begraben. Als der Bergfried 1924 gesprengt wurde, fand man dort Hundeknochen. Melampus Geist soll die Burg und den Geheimgang angeblich immer noch bewachen.

Na, wenn das nicht rührend ist.

Hier mal ein kleiner Video-Rundblick…

Link: Knapper Wiki-Eintrag, weitere Infos auf Heppenheim.de und Odenwald.de. Die ausführlichste Beschreibung der Geschichte habe ich in einem Blog gefunden. Sie ist für ein tieferes Eindringen ins Thema absolut empfehlenswert. Im Netz gibt es auch eine nützliche Chronik. Eine ausgeschmücktere Version der Melampus-Sage findet sich hier

Lage: Starkenburgweg 53, 64646 Heppenheim/Bergstraße

Fotos: Meine (Zum Vergrößern anklicken)


facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

7 Gedanken zu „Starkenburg: Bergfried enstand an falscher Stelle neu“

  1. Pingback: Zeitspringer-Blog
  2. ich war bei der jugenderberge am 27.04-30.04 bin erst gestern gekommen eine freundin hat gesagt sie hätte bei nacht ein man gesehen mit weiße haare und ein schnurbat ist ihr bis zur toilete gefolgt gruselig

  3. wir faren am 11märz 2009 hin wir haben alle angst vor den drei geistern obs die in echt gibt nur noch 4 tage bis wir hin faren ich glauber es wird sehr spanend die starteburg ist gros und risig sie steckt bestimt mit voler abenteuer und heimnisen das vars ich kan euch mehr erzeken wen wir zu
    rück kommen. …………………

  4. ich war bei der burg und habe viele schöne sachen mit meiner schule erlebt…Herr.Herbechsvater sie sind ganz strengt….
    eine bitte an sie hätte ich noch nennen sie nich meinen freund younes:-)

Kommentar verfassen