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Veste Otzberg: Die „Weiße Rübe“ thront auf einem Vulkanschlot


Die Veste Otzberg thront auf einem früheren Vulkankegel / Fotos: Burgerbe.de
Der Bergfried der Veste Otzberg brachte der Burg den Namen „Weiße Rübe“ ein / Fotos: Burgerbe.de

Was haben Burgen mit Vulkanen zu tun? Naja, auf einem aktiven Vulkan wird man schwerlich eine dauerhafte Befestigung finden, aber auf dem extrem harten Gestein eines ehemaligen Lavaschlots lässt sich gut und massiv bauen. Ein Beispiel dafür ist die Veste Otzberg beim Ort Hering im hessischen Odenwald.

Wo heute satte grüne Wiesen, Äcker und Weinberge das Bild dominieren, war vor 22 Millionen Jahren buchstäblich die Hölle los. Eine über 1100 Grad Celsius heiße Basaltschmelze bahnte sich ihren Weg bis an die Erdoberfläche: Der Otzberg-Vulkan brach aus. Der Ur-Odenwald versank in Glut und Asche.

Der feinkörnige Nephelinbasalt, der schließlich im Schlot erkaltete, ist besonders hart. 22 Millionen Jahre hessischer Nieselregen wuschen alle anderen Gestelne aus, aber große Teile des erkalteten Schlots blieben – als typische sechseckige Säulen – Säulen stehen.

Und sie bilden noch heute das Fundament der Veste Otzberg (Ähnliches findet man übrigens bei Burg Stolpen in Sachsen, wo die unglückliche Gräfin Cosel jahrzehntelang gefangengesetzt war).


Die Basaltkegel am Fuß der Veste Otzberg
Die Basaltkegel am Fuß der Veste Otzberg, Reste des Otzberg-Vulkans

Am Parkplatz am Fuß des Burgbergs kann man eine Reihe dieser Basaltsäulen sehen (siehe Foto). Glücklicherweise ist hier seit 22 Millionen Jahren Ruhe. Ich hoffe mal, dass das so bleibt. Es wäre ansonsten schade für die Weine der Gegend.

Die ovale Burg, erbaut von der Abtei Fulda, wurde jedenfalls 1231 erstmals erwähnt. 1244 saßen hier vier Burgmannen mit ihren Knechten. Die Veste war für die Abtei ein beliebtes Pfandobjekt als Sicherheit für Kredite.

1390 kamen Veste, das benachbarte Kloster Otzberg und der im Schutz der Burg liegende Ort Hering (entstanden aus der Siedlung der Burgmannen) durch Kauf an die Pfalz.

Mit ihrem 17 Meter hohen, romanischen Bergfried (von den Einheimischen „Weiße Rübe“ genannt) ist sie wohl schon seit dem 13. Jahrhundert die dominierende Landmarke der Gegend – und heute das Wahrzeichen des Dieburger Landes. Bei gutem Wetter kann man von oben bis Frankfurt schauen.

Blick von der Veste Otzberg
Blick von der Veste Otzberg

Im Rahmen des Landshuter Erbfolgekrieg nahm Wilhelm II. von Hessen die Veste 1504 ein, musste sie aber bereits drei Jahre später wieder an die Kurpfalz herausgeben. Mitte des Jahrhunderts wurde das Dorf Hering durch den Bau einer Mauer in die Verteidigung einbezogen.

Die Burg war wehrhaft und verfügte über einen der tiefsten Brunnen Hessens (50 Meter sind nachgewiesen, wahrscheinlich war er sogar 80 Meter tief durch den Basalt gegraben). Ein Jahr lang dauerte die Belagerung, bis bayerische, kaiserliche und spanische Truppen (weit mehr als 2000 Mann) die Burg 1622 einnahmen. Die Besatzung hatte kapituliert.

1623 annektierte Hessen Ort und Burg als „Entschädigung für Kriegsschäden“. Die heutige Anlage spiegelt etwa den Zustand dieser Zeit wieder. Pech für den Ort war, dass kurz vor Kriegsende (1647) nochmal französische Truppen durchs Land zogen und sich in der Burg einquartierten und die Lebensmittelvorräte plünderten. Im Westfälischen Frieden kamen Ort und Burg dann wieder an die Kurpfalz.

Veste Otzberg: Das Korporalshaus
Veste Otzberg: Das Korporalshaus
In Kriegszeiten, wie beim Einfall der Franzosen lagerte die Kurpfalz hier ihr Archiv ein, das so erhalten blieb. Als die Zeiten Anfang des 18. Jahrhunderts wieder ruhiger wurden, ersetzte die Kurpfalz die aktive Garnison auf der Veste Otzberg 1711 durch Invaliden.

Zu dieser Zeit befand sich hier ein von den Invaliden bewachtes Gefängnis. Ich nehme mal stark an, dass die Gefangenen auch das 1788 am Brunnen erbaute Tretrad betreiben mussten.


1803 fiel die Gegend an Hessen-Darmstadt (später das 1806 auf Betreiben der Franzosen gegründete Großherzogtum Hessen). Die Hessen nutzten die Burg weiter als Staatsgefängnis und Garnison mit Soldatenschule.

Nach Napoleons endgültiger Niederlage exerzierten die hessischen Soldaten in aller Ruhe weiter und ließen es sich offenbar recht gut gehen, ohne sich allzusehr um ihre Ausrüstung zu kümmern. Bei einer Revision 1818 stellte sich heraus, dass das hier lagernde Kriegsgerät in der Zwischenzeit völlig unbrauchbar geworden war.

Die Hessen zogen daraufhin ihre Garnison noch im gleichen Jahr ab und gaben die Burg, um die Erhaltungskosten zu sparen, zum Abriss frei. Glücklicherweise legte das hessische Finanzministrium 1826 fest, dass Bergfried und diverse Gebäude nicht demoliert werden durften.

Auf der Veste Otzberg
Das Bandhaus auf der Veste Otzberg

Von 1926 bis zum Zweiten Weltkrieg diente das Bandhaus der Burg als Jugendherberge. 1996 zog dann das Museum Sammlung zur Volkskunde in Hessen ins Bandhaus (aus dem frühen 15. Jahrhundert) ein.

Jetzt gibt es dort allerlei Wechselaus- stellungen, Kurse und Apfelwein-Verkostungen (Liebe Hessen, wenn ihr Museen solche stinklangweiligen Namen gebt, müsst ihr euch natürlich nicht wundern, wenn die Besucherzahlen suboptimal bleiben! Wie wäre es statt dessen mit „Saurier-Sammlung auf dem Vulkan“? Na, besser, gell?).

Das Haus ist allerdings nur 13 Stunden in der Woche geöffnet. Ein ziemlich Apfelwein-lastiges Interview mit dem Museumsleiter (Titel: „Am Ende sind sie doch immer begeistert“) findet sich hier.

Plan der Veste Otzberg
Plan der Veste Otzberg

1996 wurde das ehemalige Korporalshaus wieder aufgebaut. Heute kann man sich dort trauen lassen. „Im Schatten der Weißen Rübe“ sozusagen… Besondes eindrucksvoll ist – wie gesagt – der Blick über die Umgebung. Sei es nun vom Turm oder einem schmalen Aussichtspunkt an der Mauer.

Link: Ausführlicher Wikipedia-Eintrag. Weitere Infos auf der Seite des Landkreises Darmstadt-Dieburg

Lage:
Veste Otzberg, 64853 Otzberg

Die Veste Otzberg auf ihrem Vulkankegel
Die Veste Otzberg auf ihrem Vulkankegel



Bilder:
Burgerbe.de



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